Lichtenberg: das Deutsch-Russische Museum in Karlshorst

Es gibt ein paar Orte in Berlin, wo Weltgeschichte „greifbar“ wird. Und nicht immer liegen diese in der Stadtmitte. Der in meinen Augen wohl bedeutungsvollste Ort liegt im Süden des Bezirks Lichtenberg: das DRM in Karlshorst.

DRM (11)_compressedDarauf, dieses Museum vorzustellen, kam ich eigentlich erst, als ich meinen Beitrag über das Alliiertenmuseum verfasste. Da fiel mir wieder ein, wie lange ich schon nicht mehr in Karlshorst war und das kann nicht nur am langwierigen Umbau der dortigen Bahnbrücke am S-Bahnhof liegen.

Warum also ist dieses an sich unscheinbare Gebäude (siehe Beitragsbild oben) so bedeutungsvoll ? Kurz gesagt: Hier wurde der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Hier im ehemaligen Offizierskasino der deutschen Heerespionierschule, welches die Bombenteppiche einigermaßen schadensfrei überstanden hatte, wurde die Kapitulationsurkunde der Wehrmacht und ihrer Einzelstreitkräfte Luftwaffe und Marine vor Vertretern aller vier Siegermächte unterzeichnet. Wer die alten Filmaufnahmen im Gedächtnis hat, wird im eigentlichen Kapitulations-Saal vielleicht einen kleinen Schauer über den Rücken laufen haben.

DRM (35)_compressedDenn die Tisch-, Stuhl- und Flaggen-Anordnung ist bis heute die gleiche geblieben wie am Abend des 08. Mai 1945. Die Tür, durch welche Feldmarschall Keitel und seine Mitunterzeichner Generaladmiral von Friedeburg für die Kriegsmarine und Generaloberst Stumpff für die Luftwaffe, schritten, ist noch dieselbe wie damals und der Hauch des Unvermeidlichen liegt bis heute über dem Raum.  Aber das Museum zeigt noch mehr. Vom Ende des Ersten Weltkrieges bis in die Tage der DDR wird die Deutsch-Russische (Militär-) Geschichte an Hand von Exponaten und multimedialen-Files dargestellt. Dabei wird kein unangenehmes Thema ausgespart woran man schön bemerkt, dass dieses Museum in enger Abstimmung von deutschen, russischen, weissrussischen und ukrainischen Fachleuten organisiert wird.

Sonderausstellungen machen immer wieder einen Besuch wertvoll und die Lage am Rande eines gutbürgerlichen, fast idyllischen Wohnviertels macht auch den Spaziergang dorthin von der S-Bahn aus angenehm. Wer noch etwas „optische“ Verdeutlichung benötigt, bekommt im Garten hinter dem Gebäude die Originale von sowjetischen Kanonen, Fahrzeugen und Panzern zu sehen. Vor ein paar Jahren haben ein Freund und ich dort stundenlang darüber philosophiert, wieviele Leute wohl einen „Stalin-Panzer“ gesteuert hätten usw. Sie sehen, auf was für komische Gedanken man so kommt…

Das „Deutsch-Russische Museum“ befindet sich in der

  • Zwieseler Straße 4
    10318 Berlin
    Tel.: +49 (0)30 – 501 508-10
    e-mail: kontakt@museum-karlshorst.de
  • Öffnungszeiten:
    Dienstag – Sonntag, 10.00 – 18.00 Uhr
  • Anfahrt:
    Bus 296, bis Haltestelle „Museum Karlshorst“ (schon wieder: „sjurpris“)
    oder: S-Bahnhof Karlshort und 20 Min Fußweg über die Rheinsteinstraße
  • EINTRITT FREI (wie ich das liebe !)

Wer also mal den „Mantel der Weltgeschichte“ durch einen Raum wehen sehen will, der kann hierher kommen und bei freiem Eintritt eine interessante Ausstellung und den schon erwähnten, bedeutungsvollen Raum anschauen. Ich empfehle das ausdrücklich, man störe sich nicht an den überall angebrachten, kyrillischen Inschriften.

Also bis bald vielleicht,

ihr

Clemens Kurz

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