Berlin-Spandau: ein Altstadtrundgang !

Wer in Berlin an „Kiez“ und „eigenwillig“ denkt, kommt ab und zu auch auf die Idee, mal an die Stadtränder zu gehen. Da wo es weniger „szenig“ und „angesagt“ zugeht, aber die Eigenheiten der „echten“ Berliner vielleicht lebendiger sind, als in den von zugezogenen „Öko-Schwaben“ und „Bio-Bayern“ überfüllten Innenstadt-Quartieren. 

So kann es vorkommen, dass der ein oder andere Berlin-Besucher oder notorische Stadtspaziergänger auch in der Spandauer Altstadt auftaucht. Und sei es nur, um nachzuschauen, ob dort noch ein wenig vom Charme alter, brandenburgischer Kleinstädte erhalten geblieben ist. Ich sags gleich hier: das ist eine ehrenwerte, aber letztlich sehr schwer zu erreichende Unternehmung. Die Bomben des Zweiten Weltkrieges haben nur stellenweise den „Charme der Provinz“ übriggelassen.

DSCI0852_compressedDennoch rate ich nie von einem Rundgang durch die „Insel“ ab. Warum „Insel“ ? Weil, auch wenn es nicht jedem Spaziergänger bewusst ist, man immer über eine Wasserbrücke gehen muss, um die Altstadt Spandau zu betreten. Warum aber sollte man das überhaupt tun ? Nun, Spandau ist nicht gerade das wirbelnde, quirlige Zentrum Berlins. Und dennoch zeigt es dem aufmerksamen Besucher ein paar interessante Ecken.

So z. Bsp. die „St. Nikolaikirche“, der vielleicht einzige „claim to fame“, den Spandau mit Fug und Recht für sich beanspruchen kann. Und das nicht nur, weil hier der Architekt der Festung „Zitadelle Spandau“, Graf Rochus zu Lynar, begraben liegt, sondern eher, weil hier 1539 der brandenburgische Kurfürst Joachim II. die Trennung seiner Ländereien vom Katholizismus besiegelte. Durch die Annahme des Abendmahls in „beyderley Gestalt“ das ihm von einem protestantischen Geistlichen gereicht wurde, sagte er sich von Rom los. Mit den bekannten Folgen bis heute. Die Kirche selbst ist Mo-Fr von 12 – 16 Uhr geöffnet, Sa von 11-15 Uhr. Das Denkmal des Kurfürsten vor dem Eingang weist auf die Bedeutung des Ortes hin.

Ein Rundgang durch die Altstadt führt auch am ehemaligen „Hotel Stern“ vorbei, in dessen Lokal, so sagen es alte Chroniken, sich Garnisons-Soldaten und Bürgerliche im 19. Jahrhundert öfters ordentlich geprügelt haben sollen. Vermutlich, wegen ein paar hübscher Spandauerinnen. Die „gute, alte Zeit“ halt.  Der „Markt“-Platz im Zentrum der Altstadt macht übrigens seinem Namen bis heute Ehre. Umlandmärkte, wo Agrarprodukte verkauft werden, finden z. Bsp. immer freitags statt. Von gelegentlichen „Weinfesten“ o. ä. mal abgesehen, die zur Belebung der Wochenenden in Spandau beitragen sollen. Das nahegelegene „Gotische Haus“, in dem heute die Touristinformation untergebracht ist, erhebt übrigens den Anspruch, das älteste, durchgängig genutzte Haus Berlins zu sein.

DSCI0804_compressedDie Geschichte, die sich zwischen Spandauer Rathaus und dem ehemaligen „Paketpostamt“ (heute Stadtbibliothek) während der Revolutionsphase 1919 abgespielt hat, erzähle ich hier der Länge halber nicht, wer jedoch mit mir auf einen meiner „Stadtspaziergänge“ in Spandau geht, kommt auch in den Genuss dieser Story. Stattdessen erzähle ich jetzt lieber, dass tatsächlich dort, wo wir heute ein Bekleidungs-Kaufhaus finden, noch bis 1962 eine Wassermühle stand, die in bester, mittelalterlicher Tradition die Erzeugnisse der Brandenburger Landwirte verarbeitete. Na, ja, bis die Berliner Mauer dem endgültig ein Ende machte.

Ich könnte jetzt noch vom alljährlichen „Spandauer Weihnachtsmarkt“ erzählen, der in der Altstadt stattfindet oder auf das kleine Kirchenmuseum „Spandovia Sacra“ hinweisen. Sie sehen, in der Spandauer Altstadt warten viele, kleine Geschichten darauf, erzählt zu werden. In diesem Sinne empfehle ich auch Ihnen, mal dort vorbeizuschauen.

Anfahrt:

  • U-Bahn-Linie 7
    bis Bahnhof „Altstadt Spandau“ oder
    bis Bahnhof „Rathaus Spandau“
  • Regionalbahn
    bis „Bahnhof Spandau“

Informationen:

  • Touristinformation Spandau:
    Breite Str. 32
    13597 Berlin-Spandau
    Info-Telefon: 030 / 333 93 88
    Öffnungszeiten: Mo- Fr 10.00 – 18.00 Uhr, Sa 10.00 – 14.00 Uhr
  • Die Altstadt-Spandau-Information vom offiziellen Besucherportal Berlins:
    http://www.visitberlin.de/de/ort/spandauer-altstadt

Zugänglichkeit:

  • Altstadt: Ganzjährig geöffnet ! 🙂 Freilaufende Spandauer könnten angetroffen werden !

Ihr

Clemens Kurz

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