Tiergarten: das sowjetische Ehrenmal

Ja, die Siegermacht Sowjetunion hat es in Berlin so richtig „krachen“ lassen. In mehrfacher Hinsicht. Vor allem hat der Stalinismus so einige „Duftmarken“ ins Berliner Stadtgebiet gesetzt, um den Nachgeborenen so recht klarzumachen, wer hier den Krieg gewonnen hat. Das mag man heute für eine unangenehm aufdringliche Siegerpose halten oder für „dringend notwendige, historische Erinnerungskultur“, es ist in jedem Falle Realität.

Es gibt vier sowjetische „Ehrenmale“ in Berlin, die laut Verträgen mit der Russischen Föderation durch den Deutschen Staat gepflegt und erhalten werden. Das älteste davon ist der Soldatenfriedhof in Berlin-Tiergarten. Dieser wurde bereits im November 1945 eingeweiht und liegt in unmittelbarer Nähe zum Reichstagsgebäude an der Straße des 17. Juni. Der Entwurf stammte von den Bildhauern Lew E. Kerbel und Wladimir E. Zigal sowie dem Architekten Nikolai W. Sergijewski.

DSCF0018_compressedVor dem eigentlichen Friedhof findet sich die monumentale Gedenkstätte, die von zwei Kanonen und zwei T-34/76 – Panzern flankiert wird. Der Mythos will es, dass diese beiden Panzer die ersten waren, die im April 1945 die Berliner Stadtgrenze überquert haben. Sei´s drum: vielen Berlin-Besuchern jagen sie noch heute kalte Schauer über den Rücken.

In der Grasfläche hinter dem Ehrenmal liegen ca. 2.000 sowjetische Rotarmisten begraben, die während der Eroberung Berlins gefallen sind. Es sind hier keine Namen vermerkt, während dies auf den Pfeilern der Ehrenmals-Kolonnaden jedoch der Fall ist.

In den Zeiten der Berliner Besatzungszonen vom Juni 1945 bis 1990 war das im Britischen Sektor gelegene Denkmal eine Art „sowjetischer Exklave“ in West-Berlin. Das Mahnmal wurde von sowjetischen Soldaten bewacht (die wiederum von Briten bewacht wurden, eine absurde Situation), welche sich gemäß des Viermächte-Status Berlins im Stadtgebiet frei bewegen durften.

Interessant ist in jedem Falle die Platzierung der Gesamtanlage. Sie „riegelt“ die ehemalige Königsallee des Tiergartens ab, welche vom Kemperplatz einst zum „Königsplatz“ (heute „Platz der Republik“) führte und die berühmten „Puppen“ (Statuen veschiedener Hohenzollernherrscher von herausragenden Untertanen flankiert) beherbergte.

Wer sich die Anlage in Ruhe anschauen möchte, für den ist sie gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Ich bitte dabei aber immer zu bedenken, dass es sich auch um eine Grabstätte handelt und rate dazu, dementsprechend pietätvoll dort aufzutreten !

Adresse:
Straße des 17. Juni,
10623 Berlin

Erreichbar:
Buslinie 100 (Panoramalinie) bis Haltestelle „Reichstag/Bundestag“ oder „Platz der Republik“, 5 Minuten Fußweg.

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