Brandenburg: Bernau bei Berlin

Über Bernau, das sich seit 1999 auch gerne offiziell als Stadt „bei Berlin“ titulieren lässt, sind eigentlich nur zwei Dinge wirklich bekannt: das dort ein „Zickenschulze“ oft geheiratet hat und dass dort „Hussiten“ scheinbar jedes Jahr ein Fest feiern. Schaun wir mal, was da wirklich dran ist:

Bernau „bei Berlin“ ist für den Hauptstädter so eine Art Tor zum „Barnim“. Die kleine Stadt (39.000  Einwohner, Stand: Ende 2016) am Rande der „S-Bahn-Erreichbarkeit“ strahlt eine gewisse Gemütlichkeit aus. Die Tatsache, dass man noch heute in der Straßenführung der Altstadt und anhand von Resten der Stadtmauer dem mittelalterlichen Kleinstädtchen von einst nachspüren kann, trägt zum Charme von Bernau bei.

IMG_2789_compressedBekanntester Bernauer ist wohl der im Volkslied verewigte „Zickenschulze aus Bernau“, dessen vierte Hochzeitsfeier von Fredy Sieg unnachahmlich geschildert wurde. Woher dieser die Begebenheit hatte, ist umstritten, ebenso wie die Identität des Zickenschulzen. Immerhin ist Bernau aber so im Kulturgut der Region verankert und beim großen Festumzug zum jährlichen „Hussitenfest“ läuft der Zickenschulze als Figur auch immer fleißig mit (Bsp. s. o.).

Das Bernauer Hussitenfest hat eine lange Tradition. 1832, zur vierhundertsten Wiederkehr der Überwindung einer Belagerung, soll es erstmals gefeiert worden sein. Die Freude der Bernauer über die Abwehr der Belagerung durch marodierende Heerhaufen, die sich auf den tschechischen Reformator Jan Hus beriefen, ging so in eine Festivität über, welche nur in der DDR – Zeit kurz unterbrochen wurde. Vermutlich, weil sich die DDR in ihrem Selbstverständnis mehr mit den Hussiten aus dem 15. Jahrhundert, als mit den Bürgern der belagerten Stadt identifizierte. Wie „fortschrittlich“. Seis drum: Seit nunmehr 1992 wird wieder heftig gefeiert. Man nimmt in Bernau das Hussitenfest einfach zum Anlass, eine lustige Mischung aus Mittelaltermarkt und Kirmes zu feiern, die im Sommer zumeist drei Tage lang dauert und einige Besucher in die Stadt bringt. Ich war auch schon da und empfehle, sich selbst ein Bild zu machen. 🙂

IMG_2799_compressedWas vielleicht weniger bekannt sein dürfte, ist die Tatsache, dass Bernau nicht nur durch die Hinzufügung des „bei Berlin“ seine Sehnsucht nach der Hauptstadt bekundet, sondern, dass die Stadt auch bei der Formierung der Gemeinde „Groß-Berlin“ im Jahre 1920 gerne dazugehört hätte. Einen entsprechenden Stadtratsbeschluss hat es gegeben. Nur wollten die Berliner das wohl nicht und gemeindeten stattdessen weitaus weniger gutwillige Kandidaten wie Charlottenburg und Spandau mit ein.  So kanns gehen.  Jetzt ein paar „wussten Sies“:

Wussten Sie, dass…

  • …die Umgegend von Bernau schon vor 7.000 Jahren bewohnt gewesen ist ? Archäologen haben Funde aus der Steinzeit gehoben.
  • …der Name „Bernau“ vermutlich nichts mit „Bären“ sondern eher mit den pommerschen Grafen vom „Barnim“ zu tun hat ?
  • …im Mittelalter Bernau für sein leckeres Bier bekannt war ? (Ob das wohl die Hussiten angelockt hat ???? 🙂 )
  • …im Jahre 1699 ganze 25 Hugenottenfamilien in der Stadt angesiedelt wurden und die nach dem Dreißigjährigen Krieg darniederliegende Wirtschaft wieder ankurbeln halfen ?
  • …Bernau massiv von seiner Lage im „Speckgürtel“ um Berlin herum profitiert ? Seine Einwohnerzahl lag 1990 bei ca. 19.000. Heute sind es, wie erwähnt, 39.000 (Stand: Ende 2016). Viele von der Großstadt Berlin genervte Mitbürger ziehen gerne hierher. Die Steuereinnahmen fließen, die Infrastruktur ist modern. Auch Familien zieht es ins ruhigere Bernau.
  • …die „Bernauer Straße“ in Berlin, die heute für ihre Mauergedenkstätte bekannt ist, im Spätmittelalter tatsächlich nach Bernau führte ?
  • …die Sportlerin Marianne Buggenhagen, die paralympische Medaillen in Massen sammelte, in Bernau wohnt ?
  • …die Sängerin Jeanette Biedermann hier 1980 geboren wurde ?
  • …das Flüsschen „Panke“, welches dem Berliner Bezirk Pankow den Namen gab, im Stadtgebiet von Bernau entspringt ?
  • …es eine Sage gibt, die erklären soll, warum es im Stadtgebiet keine Schlangen gäbe ? (Die erzähle ich natürlich nur auf einer Tour nach Bernau, ätsch !)

So, damit hätten wirs auch erstmal wieder. Vielleicht konnte ich Sie zu einem Besuch in Bernau anregen und Sie möchten jetzt selbst einmal nach Bernau fahren.

IM JAHRE 2017 FINDET DAS HUSSITENFEST VOM 09. – 11. JUNI STATT ! (Wink mit dem Zaunpfahl !)

Anfahrt:

  • Am besten mit der S-Bahnlinie S-2 vom Potsdamer Platz oder der Friedrichstraße.
  • Über die A-11 und die Abfahrten „Bernau Süd“ und „Bernau Nord“.

Touristinformation:

  • Bürgermeisterstraße 4
    16321 Bernau bei Berlin
    email: touristinformation@bernau-bei-berlin.de
    Tel.: 03338 – 761919
  • Öffnungszeiten:
    April – Oktober:
    Mo-Fr: 10.00 – 18.00 Uhr
    Sa: 10.00 – 14.00 Uhr
    November – März:
    Mo-Fr: 10.00 – 17.00 Uhr

Na, dann ihr „Hussiten“, „Zickenschulzen-Fans“ und alle weiteren: bis bald dann in Bernau. 🙂

Ihr

Clemens Kurz

P.S.: „Zickenschulze“ hier zum allgemeinen Vergnügen:

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