Persönlichkeiten: Adolph von Menzel – der „Granitblock“

Der Zeichner und Maler Adolph von Menzel gehört zu den skurrilsten und interessantesten Personen der Berliner Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Seine „staatstragenden“ Gemälde ließen ihn selbst in der Hofgesellschaft Anerkennung finden. Sein Bürgersinn war aber nicht weniger hoch entwickelt.

MenzelMenzel ist eine Figur, um die bereits zu seinen Lebzeiten unzählige Anekdoten in Berlin kursierten. Seine schroffe Art, insbesondere mit „Höhergestellten“ und mit Frauen umzugehen, war und ist bis heute geradezu sprichwörtlich. Ebenso uneitel wie auf Respekt vor seiner Person bedacht, war Menzel ein Beispiel für den Künstler des 19. Jahrhunderts. Einer Zeit bevor die oft sorgsam inszenierte Attitüde sowohl das Werk als auch den Charakter eines Kreativen zu überschatten begann.

Geboren 1815 in Breslau, siedelte die Familie nach Berlin um, als Menzel noch ein Teenager war. Schon früh musste der Junge die Familie ernähren, da sein Vater bereits nach zwei Jahren in Berlin verstarb. Seine eigentliche, künstlerische Ausbildung holte er sich mehr durchs Ausprobieren, als durch Vermittlung von Akademien oder Lehrern. Das Werk, welches ihn auf den Radar des Berliner Hofes brachte, waren seine 1842 begonnenen Federzeichnungen von Uniformen diverser Truppenteile aus den Kriegen Friedrichs des Großen.

FLÖTENKONZERT_compressedSpäter zeigt Menzel seine Talente bei der Anfertigung von Großgemälden wie dem „Flötenkonzert von Sanssouci“ oder dem „Eisenwalzwerk“. Beide können übrigens noch immer in der „Alten Nationalgalerie“ in Berlin besichtigt werden. Er blieb als Maler zeitlebens einer Art „stimmungsvollem Realismus“ verhaftet, der akribisch die Details seiner Motive abbildete, aber auch auf den Gesamteindruck bedacht war. Die vielleicht pointierteste Beschreibung Menzels in Bezug auf dessen Werk hat sein Zeitgenosse, der Bildhauer Reinhold Begas geliefert, der schrieb:

Eines der größten Originale aller Zeiten, ein Granitblock im Strom seiner Zeit, stand er beinahe ein Jahrhundert lang, ohne sich von den unzähligen Richtungen in der Kunst beeinflussen zu lassen.

Über Menzel sind noch heute viele Anekdoten populär, von denen einige aber auch zeigen, dass der Künstler sich Demütigungen von niemandem gefallen ließ. Ein preußischer Marschall im Ruhestand (Wrangel) nannte ihn deshalb auch mal „eine eklige, kleine Kröte“. Dem Kronprinzen, der ihn voller Übermut nach einer soiree mal mitsamt seines Stuhles hochhob, raunzte er ebenso deutlich zu: „Das verbitte ich mir, Kaiserliche Hoheit !“ Er konnte es sich leisten, denn eigentlich schätzte die „bessere Gesellschaft“ ihn sehr und vor allem der letzte, deutsche Kaiser gehörte nachweislich zu seinen größten „Fans“.

Doch Menzel hatte mit einem vermeintlichen Handicap zu kämpfen: er war nur 1,4 m groß. Sein Fleiß und sein Talent mussten also mehr als nur die Herkunft aus der „Provinz“ kaschieren. Aber er war deshalb auch kreativ und hatte z. Bsp. auf Reisen immer einen montierbaren Haken dabei, um seinen Mantel aufzuhängen, da er an herkömmliche Garderoben nicht heranlangen konnte. Sehr pragmatisch. Ganz „preußisch“ eben, im besten Sinne.

Menzel1Und so könnte man noch viele Anekdoten über Menzel verbreiten, die ein buntes und größtenteils wohl auch stimmiges Bild des Künstlers vermitteln. Spät im Leben erhielt er noch viele Ehrungen, nachdem er bereits 1870 mit dem preußischen Orden „pour le mérite“ (Zivilklasse) ausgezeichnet worden war. Ironischerweise wurde Menzel im 82. Lebensjahr noch in den „Orden des Schwarzen Adlers“ aufgenommen und somit in den Erbadel erhoben. Da er nie geheiratet hat und keine eigenen Kinder hatte, konnte er so aber niemandem das „von Menzel“ vererben. Adolph von Menzel starb 1905 und wurde auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof in Kreuzberg beigesetzt. Der schon erwähnte Künstlerkollege, der Bildhauer Reinhold Begas, nahm ihm auf Bitten der Familie die Totenmaske ab.

Wie gesagt, wer dem Werk des Maler Menzel nachspüren will, kann dies z. Bsp. in der Alten Nationalgalerie  auf der Berliner Museumsinsel tun. Wer online nach mehr Information zu Menzel sucht, kann sich ja mal bei der Adolph Menzel Gesellschaft Berlin e. V. umschauen. Lohnt sich. 🙂

In diesem Sinne, viel Spaß dabei !

Ihr

Clemens Kurz

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s