Persönlichkeiten: Elisabeth-Christine, Königin im Abseits

Die Hohenzollern haben so einiges an interessanten Frauenpersönlichkeiten hervorgebracht oder geheiratet. Ausgerechnet der bekannteste, preußische König war aber ein katastrophaler Ehemann. „Seine“ Elisabeth Christine lebte praktisch permanent im Abseits, getrennt von einer Hofgesellschaft, die sich auf Geheiß ihres Ehemanns nicht um sie kümmerte. Wie kam es dazu ?

Elisabeth Christine
Elisabeth Christine

Elisabeth-Christine von Braunschweig-Bevern war dem „Alten Fritzen“ eine Last. Wie üblich war die Ehe zwischen ihnen beiden von den Familien, den Höfen vereinbart worden. Wobei, und das ist auch beim „Personenpoker“ der Fürstenhöfe des 18. Jahrhunderts nicht in jedem Falle üblich, auch der Bräutigam keinerlei Mitspracherecht hatte. Sein cholerischer und hartherziger Vater hatte ihm als späte „Strafe“ für Friedrichs Desertionsversuch diesen Stein 1733 um den Hals gehängt. „Fritzens“ Mutter trug mit der Verachtung die sie ihrer Schwiegertochter entgegenbrachte, auch nicht gerade dazu bei, dass ihr Sohn auch nur die geringste Form der Höflichkeit und des Respekts gegenüber seiner Frau entwickeln konnte oder wollte.

Kaum war der ungeliebte Vater „unter der Erde“, da musste die zuvor immerhin zum Schein von Friedrich an seinem „Musenhof“ in Rheinsberg geduldete Elisabeth-Christine in ihr Dauer-Exil auf Schloss Schönhausen umsiedeln. Und von dort holte man sie praktisch niemals wieder ab. Nur äußerst selten war die Gegenwart der Königin in der Residenz Berlin erwünscht. Höchstens im tiefen Winter durfte sie ihre „Sommerresidenz“ Schönhausen verlassen und in besser beheizbaren Räumen im Berliner Stadtschloss wohnen. In Potsdams „Sanssouci“ aber war sie nie zu Gast. Selbst für die Fürstenhöfe dieser Zeit war dies ein sonderbar rüdes Verhalten.

Dabei gab die schüchterne Prinzessin aus Wolfenbüttel (ja, dort wohnte ihre Mutter mit den Geschwistern) eigentlich gar keinen rechten Anlass dazu. Mit 18 Jahren kam sie nach Berlin. Ein etwas unbeholfenes, praktisch kaum gebildetes Mädel, eigentlich fast schon zu alt zum Verheiraten (ja, damals war zwischen 14 und 16 für die Fürstenmädels so das rechte Alter für ein „Ehebündnis“), in jedem Falle zu groß für ihren Verlobten (man erinnere sich: der „alte Fritz“ war ein kleiner, zierlicher Mann von vielleicht 1,56 m) und von dessen Mutter und Schwestern verachtet. Diese hatten sich andere „Bündnisse“ und damit eine andere Ehefrau für „Fritzen“ gewünscht. Aber: nix wars. Der Vater blieb eisern. Der Kronprinz fügte sich. Und hasste seinen Vater dafür heimlich gleich noch ein bischen mehr. Mit einem Hass, den er dann später in sich zu Gehässigkeit gegenüber der ungeliebten Ehefrau raffinierte.

Elisabeth selbst war, so sagen es zeitgenössische Berichte, ihrem Mann wohl eher zugetan, konnte wohl nicht so recht glauben, dass sie ihm tatsächlich weitgehend gleichgültig war und er sie vor seiner Runde ausgesuchter Liebhaber deftiger Bonmots auch schon mal „seine Kuh“ nannte. Und das nicht mal liebevoll. Immerhin durfte Elisabeth-Christine, speziell wenn Friedrich nicht in einer der Residenzen anwesend war, auch Repräsentationspflichten übernehmen, nachdem 1757 ihre Schwiegermutter verstorben war.

Elisabeth_Christine_(um_1740)Auch ihrer dem klammen Geldbeutel der Eltern geschuldeten, schwachen Bildung aus Wolfenbütteler Tagen half die Königin in Schönhausen auf die Sprünge. In ihren letzten Lebensjahrzehnten konnte sie ebenso flüssig wie elegant Denkschriften aus dem Französischen übertragen und selbst moralische Traktate in Französisch verfassen. Friedrich und Elisabeth Christine trafen sich 1785 zum letzten Male auf dem Geburtstag von Friedrichs jüngerem Bruder Heinrich. Nach dem Tode Friedrichs 1786 durfte die Königin laut seinem Testament auf eine Aufstockung ihres (von Friedrich zu Lebzeiten sehr knapp gehaltenen) Budgets ebenso rechnen, wie auf die Empfehlung an seinen Nachfolger, der „treuen und tadellosen“ Frau gute Räumlichkeiten im Berliner Stadtschloss zuzuweisen. Der Nachfolger Friedrichs, sein etwas verluderter Neffe Friedrich Wilhelm, beließ Elisabeth Christine (seiner Tante, die Mutter war auch eine jüngere Schwester von Elisabeth Christine) auch Schloss Schönhausen, wo sie bis zu ihrem Ableben 1797 residierte. Ironischerweise verstarb sie aber im Berliner Stadtschloss und wurde später in der Grablege der Hohenzollern im Berliner Dom beigesetzt, wo ihr Sarg noch heute zu finden ist. Die letzten Lebensjahre wurden ihr immerhin durch die Tatsache versüsst, dass ihr Neffe, der neue König, sie tatsächlich mochte und gerne mal besuchte, was mehr ist, als man von ihrem Ehemann hatte sagen können.

Was bleibt also von der „traurigen“ Königin, der weder Affären, Politskandale noch sonstiges „Futter“ für die Phantasie angedichtet werden können ? Für mich bleibt das Bild einer gedemütigten Pragmatikerin, die sich irgendwann in ihr Schicksal fand und „das Beste daraus gemacht“ hat, was unter den gegebenen Umständen möglich war. Ihr schon zu Lebzeiten „legendärer“ Ehemann ging immerhin in seinem Testament liebevoller mit ihr um, als er es zu Lebzeiten in natura getan hatte.
Wer möchte, kann Elisabeth Christine in Schloss Schönhausen auch heute noch besuchen gehen…. 🙂 Es existiert auch ein Gemälde der Königin aus den Händen von Antoine Pesne , das heute im Schloss Charlottenburg zu finden ist.

Viel Spaß bei der Suche nach Elisabeth Christine in Berlin !

Ihr

Clemens Kurz

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