Mitte: das „Museum für Kommunikation“ – Historismus in der Einöde

Liebe Leserinnen und Leser, das „Museum für Kommunikation“ stellt alleine schon architektonisch eine Art „weißen Raben“ in seinem Umfeld dar. Denn die zu DDR-Zeiten durch Verbreiterung und Plattenbau ästhetisch massiv abgewertete „Leipziger Straße“ braucht jedes Gebäude, an dem der Blick des Passanten gerne hängenbleibt, so dringend wie die Luft zum Atmen.

Der im Stil des augenfälligen Historismus errichtete Museumsbau an der Ecke Leipziger- und Mauerstraße fällt vor allem durch die sechs Meter hohe Skulptur über seinem Haupteingang auf, in der „Giganten“ die Weltkugel tragen. Dies soll die globale Bedeutung von Post und Telekommunikation symbolisieren.

Heinrich_von_StephanDie Idee zu einem „Reichspostmuseum“ geht auf den Generalpostdirektor Heinrich von Stephan zurück, der als erster das Konzept einer „kulturgeschichtlichen Veranschaulichung der Entwicklung des Verkehrswesens“ ins Auge fasste und in einem Gebäude untergebracht sehen wollte. Tragischerweise verstarb dieser Initiator des Museums im Jahre 1897 wenige Wochen bevor das Gebäude seinem Zweck übergeben werden konnte. Ein „Moses“, der das „gelobte Land“ also selbst nicht betreten konnte.

Seit 1977 steht das Gebäude als solches unter Denkmalschutz. Zuvor hatte es im Zweiten Weltkrieg schwerste Schäden erlitten und war in den 50er Jahren langsam wieder für seinen Erstellungszweck hergerichtet worden. Allerdings wird die endgültige Restaurierung erst in den 80ern ins Auge gefasst, als die 750 – Jahr-Feier Berlins bevorsteht. 1987, im Jahre des Stadtjubiläums, waren die Arbeiten so weit fortgeschritten, dass das „Postmuseum der DDR“ schon ein Erfolg war. Aber erst in den Wendezeiten von 1990 wurde mit der endgültigen Wiederherstellung des Lichthofes die erste Phase der Restaurierung abgeschlossen.

DSCI0262_compressedIn einer zweiten Phase unterzog man das Gebäude dann zwischen 1997 und 1999 noch einmal einer Generalsanierung, wobei aber immer noch (warum eigentlich ???) auf die Wiederherstellung der zwei dekorativen Schmucktürme über der Portalfassade verzichtet wurde. Im Jahre 2000 schließlich bekam das Gebäude den Namen „Museum für Kommunikation“ und gab damit zu verstehen, dass sich die Sammlung von der reinen Vorstellung des Postwesens zu einer Darstellung verschiedener Formen menschlicher Kommunikation hin öffnen will. Seitdem ist das MfK vor allem für seine Sonderausstellungen und Themen-Workshops bekannt. Dabei wird auch auf die Zusammenarbeit mit Schulklassen und Jugendgruppen großen Wert gelegt.

Der große Lichthof des Gebäudes wirkt mit seiner überbordenden Ornamentik sowohl „hell“ als auch überladen und ist damit für die Architektur seiner Zeit repräsentativ. Die Sammlung selbst zeigt von der „Postkutsche“ bis zum Mobiltelefon die Bandbreite der Kommunikationswege auf. Für ein paar interessante Stunden reicht das allemal.

Adresse:

Leipziger Straße 16
10117 Berlin-Mitte
Telefon +49 (0)30 202 94 0
Telefax +49 (0)30 202 94 111
E-Mail mfk-berlin@mspt.de

Öffnungszeiten:

Dienstag 9–20 Uhr
Mittwoch bis Freitag 9–17 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen10–18 Uhr

Eintrittspreise:

regulär: 4 Euro
ermäßigt: 2 Euro
frei: für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre, betreute Schulklassen, Freitag 9–12 Uhr für Gruppen ab 15 Personen

Webauftritt:

http://www.mfk-berlin.de/

Anfahrt:

Ich empfehle die Anreise über die U-Bahnlinie U2, Bahnhof „Mohrenstraße“, Fußweg ca. 8 Minuten (wenn man den richtigen Ausgang nimmt).

Na, dann, vielleicht sehen wir uns mal im Museum für Kommunikation.

Ihr

Clemens Kurz

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s