Mitte: der Berliner Dom – „kommet, die ihr mühselig seid“

Der Berliner Dom am Lustgarten gehört sicher zu den am meisten fotografierten Gebäuden in Berlin. Unzählige Fotos werden jeden Tag, winters wie sommers, vor diesem Gotteshaus oder VON diesem Gotteshaus gemacht. Ich alleine habe mehrere Ordner von „Schnappschüssen“, die ich eigentlich nur „im Vorbeigehen“ geknipst habe.

Was vielleicht weniger bekannt ist: die „Oberpfarr- und Domkirche“ zu Berlin, wie der offizielle Name des Gebäudes lautet, ist die zentrale Kirche des evangelischen Bistums „Berlin-Brandenburg, schlesische Oberlausitz“, EKBO. Und somit auch Sitz des Landesbischofs. PREDIGTKIRCHE des Bischofs ist sie allerdings nicht, dafür wird zumeist die nahegelegene Kirche St. Marien auf dem Alexanderplatz genutzt. So, jetzt habe ich Ihnen, liebe Leser bewiesen, dass ich ja sooooooooo ein Schlaumeier bin, beginnen wird mit dem eigentlichen Beitrag, :-).

IMG_2709_compressedDas Gebäude selbst hat eine lange „Vor-“ Geschichte. Hier, in unmittelbarer Nähe zum Residenzschloss der Hohenzollern, wurde schon früh eine Kirche benötigt. Jedoch hat ausgerechnet der Religionsskeptiker Friedrich II. ab 1747 hier „vor“ dem Schloss durch die Baumeister Johan Bouman und Wenzeslaus von Knobelsdorff eine Domkirche errichten. Der Standort erhielt sich über die Zeiten hinweg, auch, als im 19. Jahrhundert die Domkirche, die schon seit ihrer Gründung eine Grablege des Hauses Hohenzollern war, durch Karl-Friedrich Schinkel zwischen 1816 und 1821  im Geiste der Zeit neugestaltet wurde.

Warum musste dieses hübsche, klassizistische Kirchlein nun endgültig dem Monumentalbau, den wir heute hier sehen, weichen ? Nun, ja. Der Zeitgeist, der „liebe“ Zeitgeist… Nachdem bereits im (damals noch nicht nach Berlin eingemeindeten) Charlottenburg eine massive Monumentalkirche geplant und deren Grundstein gelegt  worden war (die „Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche“), sahen sich die Verantwortlichen in der Hauptstadt des noch ganz „frischen“, Deutschen Reiches wohl unter Zugzwang, auch die Zentralkirche des preußischen Protestantismus „beeindruckend“ und „grrrrrrrrrroßartig“ zu machen. Schinkels Bau reichte diesen Ansprüchen nicht mehr.

DSCI0268_compressedUnd so bekam letztlich der Architekt Carl-Julius Raschdorff den Auftrag, dieses dem „Ah- und Oh-“ Effekt (ich rede vom Staunen, nix anderes, ihr Ferkel, nehmt die Gedanken aus der Gosse) gewidmete Gebäude zu bauen. Ein Auftrag, den der gebürtige Schlesier besser nicht angenommen hätte, denn als „summus episcopus“, sagen wir mal: „Oberbischof“ aller Unierten in Preußen, war sein oberster Bauherr letztlich der Kaiser selbst, der die Gelegenheit wahrnahm, nervenzerfetzenden, permanenten Einfluss auf das Planungs- und Baugeschehen des Domes zu nehmen. Schließlich liegt der Berliner Dom ja direkt gegenüber dem Stadtschloss und „seine Majestät“ wollten wohl jeden Tag nach dem Aufstehen etwas anschauen, was seinem ästhetischen Empfinden entsprach.

Und WAS da seine Augen „kitzelte“, sehen wir heute wieder (nach diversen Zerstörungen durch Bomben im Zweiten Weltkrieg): ein unsäglicher Stilmix aus Elementen der Renaissance und des Barock verziert mit einer, für norddeutsche Verhältnisse, geradezu üppigen Fassaden-Ornamentik. Und vom Inneren spreche ich noch nichtmal. Übrigens ist bei der Restaurierung der Kriegsschäden des Berliner Doms die nach Norden ausladende „Hohenzollernkapelle“ nicht wiederhergestellt worden. Wer genau hinsieht, kann diese Unterlassung an der Farbe der Steine dieser Außenwand heute noch erkennen.

IMG_2355_compressedDie „Grablege des Hauses Hohenzollern“ existiert aber noch. Und zwar im „Keller“ des Domes. Hier haben unter anderem der „Große Kurfürst“ Friedrich – Wilhelm als auch die „unglückliche“ Königin Elisabeth-Christine ihre letzte Ruhestätte gefunden. Interessantes Detail: seit Friedrich-Wilhelm II. (verstorben 1797) ist hier aber kein preußischer König mehr beigesetzt ! Die Kirche selbst lädt übrigens auch regelmässig zu Konzerten und anderen Veranstaltungen ein. Ob die Akustik dies wirklich hergibt, kann ich trotz eigener Erfahrungen nicht genau sagen. Mir schien der „Hall“ nicht wirklich spektakulär zu sein, aber ich bin da wirklich kein Fachmann.

Die Bundesrepublik Deutschland hielt im Berliner Dom auch gelegentlich Staatstrauerakte ab. So u. a. im Jahre 2006 und 2015 für die verstorbenen, ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau und Richard von Weizsäcker. Mir persönlich gefällt am besten an diesem Bau der biblische Sinnspruch über dem Hauptportal: „Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ (Mt. 11, 28) Einladend, nicht wahr ?
Sodele, jetzt zu den Facts:

Adresse:

Berliner Dom
Am Lustgarten
10178 Berlin (Mitte)

Öffnungszeiten:

Montag – Samstag:  09.00 Uhr – 20.00 Uhr
Eintritt: 7 €, ermässigt 5 €, Audioguide: 3€

Webauftritt:

http://www.berlinerdom.de/

Anfahrt:

Am besten mit den „Panoramalinien“ der öffentlichen Verkehrsbetriebe BVG, den Linien 100 oder 200, bis zur Haltestelle „Lustgarten“. Das Gebäude, das wie ein Dom aussieht, spricht für sich selbst. 🙂

Na, vielleicht laufen wir uns ja mal im „Lustgarten“ über den Weg. Sagen Sie doch einfach mal „hallo“ oder besuchen Sie den Berliner Dom, wenn Sie schon da sind. 🙂

Ihr

Clemens Kurz

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