Persönlichkeiten: Joachim II. – Lebemann, Politiker, Kurfürst

Kurfürst Joachim II. von Brandenburg war so ein rechter Genußmensch. Ein Jäger, Verschwender, Liebhaber schöner Frauen, Fress-Sack und Auftraggeber diverser Bauvorhaben. Sein extrovertierter Lebensstil passt so gar nicht ins Bild des „ersten Protestanten unter dem brandenburgischen Kurhut“.

In der langen Liste von Fürsten, die über Brandenburg herrschten, befindet sich ein gerüttelt Maß an Personen, die für die interessierte Nachwelt nicht viel hergeben. Man kennt ihre Geburts- und Todesdaten, weiß um ein paar Dokumente, die sie gezeichnet und gesiegelt haben, aber mehr ist kaum in Erfahrung zu bringen. Nicht so bei Joachim II. Dieser Renaissance-Fürst lebte in vollen Zügen, verprasste dabei die Steuern mit vollen Händen, lachte, jagte, trug eine interessante Barttracht, baute, liebte, und futterte, dass seinem Nachfolger außer Schulden nicht viel blieb. Wie formulieren wir das heute so schön: „er lebte ganz im Hier und Jetzt“.

Schon seine Eltern sind interessant, denn sie könnten gar nicht unterschiedlicher sein. Die Mutter, Prinzessin Elisabeth von Dänemark, war offensichtlich eine für ihre Zeit und gesellschaftlichen Kreise ungewöhnlich charakterstarke Persönlichkeit. Sie wandte sich früh der Reformation zu und führte so einen Bruch mit ihrem weiter erzkatholischen Ehemann, dem ebenfalls Joachim genannten Kurfürsten und Vater unseres „Bonvivants“, herbei. Es gibt unzählige Berichte darüber, wie sie im Jahre 1528 bei „Nacht und Nebel“ Berlin verließ und zu ihrem Onkel nach Sachsen floh. Ein gewaltiger Prestigeverlust für ihren Gatten.
Dieser wiederum, Joachim I. „Nestor“, wird von der Geschichtsschreibung eher als ambivalenter Charakter eingestuft. Einerseits regte er die Gründung der Universität Frankfurt/Oder (viadrina) an, die ja bis heute (oder heute wieder) besteht, andererseits fällt in seine Herrschaft die Zeit schlimmster, judenfeindlicher Pogrome im Lande vor den NS-Jahren.  Noch auf dem Sterbebett zwang er seinen Sohn, ihm in die Hand zu versprechen, Brandenburg niemals protestantisch werden zu lassen.

JoachimZwoNun, dieses Versprechen hielt nur gute vier Jahre. Denn als pfiffiger Politiker wusste auch Joachim II., woher der Wind wehte und nahm am 01. November 1539 das Abendmahl in „beyderley Gestalt“ an. Übrigens in der St. Nikolaikirche von Spandau, vor deren Haupteingang deshalb seit 1889 ein massives Denkmal des Kurfürsten steht. Brandenburg wurde also protestantisch, ohne jedoch allzusehr in die „Bilderstürmerei“ und Intoleranz zu verfallen, mit der die Reformation „von oben“ in manch anderen, deutschen Landen stattfand. Die nunmehrige Kurfürstenmutter, eben besagte Elisabeth von Dänemark, sah diese „lachse Haltung“ ihres Jungen jedoch gar nicht so gern und knirschte, nachdem sie 1545 nach Spandau umgezogen war, vernehmlich mit den Zähnen. Aber diese Geschichte würde meinen Artikel hier unnötig aufblähen.

Auf Joachim II. gehen jedenfalls unzählige, regionale Legenden zurück. So soll er den „Knüppeldamm“  als Reitweg zum von ihm in Auftrag gegebenen „Jagdschloss Grunewald“ haben bauen lassen. Jener „Kurfürsten-Damm“ trägt noch heute diesen Namen. Besagter Kurfürst im Namen ist also Joachim II. Aber auch das Schloss in Köpenick und die Anlage in Bötzow (heute Oranienburg) ließ er im Stile der Renaissance aus- und umbauen. Übrigens ebenso wie das Stadtschloss zu Berlin, welches seinen letzten „großen“ Umbau vor der Barockzeit damit ebenso Joachim II. verdankte. Dies alles geriet hauptsächlich deshalb in Vergessenheit, weil spätere Ausbauten dieser Hohenzollern-Schlösser die Renaissance-Zeiten beiseiteschoben, weshalb nur in Grunewald noch etwas davon zu erkennen ist.

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Noch heute zu erkennen ist Joachims Enthusiasmus fürs Bauen, dem nie eine geeignet große Kasse gegenüberstand (Kennen wir das eigentlich nicht irgendwoher ? Solche Einstellung ist bei heutigen Verantwortungsträgern auch nicht ganz unbekannt.) jedoch noch exemplarisch am Beispiel der Zitadelle Spandau. Sie ist noch immer als einzige, komplett erhaltene Wasser-Festungsanlage im Renaissance-Stil Nord- und Mitteleuropas vorhanden und jederzeit besuchbar. Wobei man jedoch die Tatsache in Rechnung stellen muss, dass der Auftraggeber die Vollendung des Bauwerkes selbst nicht mehr erlebte.

Joachim II. jedenfalls hinterließ uns Betrachtern weiterhin unzählige, in Anekdotenform überlieferte, Schnappschüsse seines Lebens als Kurfürst. So soll er während des Baus der Zitadelle, Bürger der Städte Berlin und Spandau in Ruderboote haben stecken lassen. Mit diesen ruderten die „einfachen Leute“ auf die Oberhavelbucht „Krienicke“, nördlich der Baustelle, hinaus und prügelten dann zur Belustigung des Hofstaats mit Knüppeln ordentlich aufeinander ein. Tja, es gab eben noch kein TV oder Internet, da nahm der Kurfürst, was er bekommen konnte, um sich zu verlustieren. Auch eine der unzähligen Erklärungen für das Gespenst der „Weißen Frau“, welches im Berliner Stadtschloss herumgeirrt sein soll, beruft sich auf die Zeiten Joachims II. Es soll sich bei dem Geist um eine von Joachim II. gar zu schnell „abgelegte“ Mätresse gehandelt haben. Na, wer weiß. Aber es wäre interessant, auch im „Humboldtforum“ nach dessen Fertigstellung mal zu schauen, ob wieder ein Geist auftaucht… 🙂

So, ich merke, meine Fabulierlust geht gerade mit mir durch und dieser Artikel droht, viel, viel, viel zu lang zu werden. Ich fasse also zusammen: Joachim II. war ein Genießer, mit einem Rest politischen Gespürs. Denn bis heute nimmt ihm niemand die echte Überzeugung beim Übertritt zur Lehre Luthers ab. Sein Protestantismus beschränkte sich auf den von allen, deutschen Fürsten seiner Zeit gehegten Wunsch, sich vom katholischen Kaiserhaus der Habsburger unabhängiger zu machen und mehr Spielräume für die eigene Herrschaft zu gewinnen. Dennoch hat dieser Fürst seine Spuren hinterlassen. In Form von Anekdoten, Legenden und in Form einer Wasserfestung. Das ist ja auch etwas.

Na, dann, ihr

Clemens Kurz

 

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