Charlottenburg: das Luisen-Mausoleum im Schlosspark

Eigentlich führt es ja ein „Mauerblümchen“-Dasein, das kleine Mausoleum im Charlottenburger Schlosspark. Wer das Schloss oder den Park besucht, muss nicht unbedingt auch hier, an der letzten Ruhestätte der Königin Luise, vorbeischauen. Wer es dennoch tut, hat vielleicht gute Gründe dafür. Schauen wir mal:

Soll ich Ihnen, werte Leser, mal einen meiner Lieblingsplätze in Berlin vorstellen ? Es ist das kleine Mausoleum im Park des Schlosses Charlottenburg. Selbst an hektischen Tagen ist es ein Ort geradezu „überirdischer“ Ruhe. Man ist hier allein mit seinen Gedanken über die Vergänglichkeit von Schönheit, Ruhm und Macht. Na, ja, zumindest wenn man die Aufsichtspersonen und andere Besucher mal ausblendet.

Luise1Nach dem Tode der auch im Volk beliebten Königin Luise 1810 setzte ein Ideenwettbewerb für eine herausgehobene Grabstätte ein, den der Architekt Heinrich Gentz gewann. Auch der später noch bekanntere Schinkel soll einen Entwurf eingereicht haben, der in seinem ganzen Ausmaß aber vom notorisch klammen Budget Preußens nicht finanziert werden konnte. Der Sandstein-Portikus der an ein antikes Tempelchen erinnernden Anlage wurde später durch einen Neubau aus rotem Granit ersetzt, das Original findet sich heute auf der Pfaueninsel.

Viele Geschichten ranken sich um diese letzte Ruhestätte einer Königin. Z. Bsp. die, dass der Bildhauer, welcher die Sarkophag-Skulptur entwarf, Christian Daniel Rauch, einst ein Lakai der Verstorbenen gewesen sein soll, die sein Talent erkannte und ihm eine Ausbildung beim renommierten Bildhauer Schadow ermöglichte.
IMG_3184_compressedOhnehin liegt hier ein letzter Hauch Romantik in der Luft, ein „Air“ des Märchenhaften, welches ein sentimentales Gemüt wie meines ausgesprochen stark anspricht. Eine junge, hübsche Königin, „zu früh“ verstorben, ein trauernder König, der dem Leib der geliebten Frau nicht die zugige „Grablege“ unter dem Berliner Dom zumuten will, ein junger Bildhauer, der eine Schuld bei der Monarchin abzahlt, indem er sie kunstvoll wie „schlafend“ auf dem Sarkophagdeckel darstellt. Und ein Mausoleum, das nun an einem der liebsten Orte der Verstorbenen errichtet wird, dem Park von Charlottenburg.

Auch später noch kommen neue Geschichten dazu: der König (übrigens Friedrich-Wilhelm III.) lässt sich selbst später neben seiner ersten Gattin bestatten und lehnt damit ebenso die Grablege seines Hauses im Dom ab, der älteste Sohn (König Friedrich-Wilhelm IV.) soll sein Herz in einem besonderen Gefäß hier bei seinen Eltern haben beisetzen lassen, wohingegen sein sonstiger Leib in der Potsdamer Friedenskirche begraben liegt. Der zweitälteste Sohn (Kaiser Wilhelm I.) ließ sich gleich „komplett“ mitsamt seiner Ehefrau, Kaiserin Augusta, hier bestatten.

IMG_3823_compressedAll dies vermittelte mir schon vor vielen Jahrzehnten meine Mutter selig, die in Charlottenburg aufwuchs und bereits als Kind nach dem Kriege in den Trümmern des von Bomben schwer beschädigten Schlosses herumkraxelte. Mit mir als im wahrsten Sinne des Wortes „Halbwüchsigem“ an der Hand spazierte sie später gelegentlich durch den Park, zeigte mir das Mausoleum und erzählte mir von der Königin Luise. Eine schöne Kindheitserinnerung, die natürlich bei jedem meiner Besuche im Park wieder auflebt.

Wer selbst Interesse hat, dieses Mausoleum zu besuchen, für den hab ich jetzt die Daten parat:

Adresse:

Mausoleum im Schlossgarten Charlottenburg
Spandauer Damm 10-22
14059 Berlin

Öffnungszeiten:

April – Oktober
Montag: geschlossen,
Dienstag-Sonntag: 10.00 Uhr – 18.00 Uhr

November – März
geschlossen

Letzer Einlass: 30 Minuten vor Schließzeit

Eintritt:

2 Euro, ermäßigt 1 Euro, wie üblich: Fotoerlaubnis (nur für private Zwecke, ohne Blitz und Stativ): 3 Euro

Anfahrt:

Mit dem Bus M45 bis zur Haltestelle „Klausener Platz“. Dann ein Fußweg, ca. 15 – 20 Minuten, am ehemaligen Schlosstheater vorbei, dann ausgeschildert und „immer geradeaus“ die Allee hinab.

Webauftritt:

http://www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/mausoleum-charlottenburg/

Na, dann. Vielleicht sehen wir uns mal im Park von Schloss Charlottenburg, am Mausoleum der Königin Luise oder anderswo.

Ihr

Clemens Kurz

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