Mitte: das „graue Kloster“ – zerstörtes Erbe des Mittelalters

Berlin ist eine Stadt der Brüche. Kulturell, historisch, architektonisch. Und politisch sowieso. Schnellebig, oftmals geschichtsvergessen und traumtänzerisch. Wer der Stadt „auf den Grund geht“, stößt oftmals auf heute kaum noch zu dechiffrierende Details. Eines davon ist das ehemalige Franziskanerkloster im gleichnamigen „Klosterviertel“

Die Bettelorden haben viel für die Besiedlung und Kultivierung des „deutschen Ostens“ beigetragen. Im Hochmittelalter wurden sie von den Markgrafen von Brandenburg bewusst als „Kulturträger“ ins Land geholt. Ihrem Fleiß ist viel zu verdanken.

So auch den Franziskanern, die von den Markgrafen Otto und Albrecht 1271 das Grundstück an der heutigen Klosterstraße geschenkt bekamen. Damals lag das noch in der weniger feinen „Stadtrandlage“ unmittelbar an der Stadtmauer. Reste derselben können übrigens noch heute in unmittelbarer Nähe gefunden werden. Dennoch befand sich in der unmittelbaren Nachbarschaft das „Hohe Haus“, der Sitz der brandenburgischen Markgrafen in Berlin bis zur Errichtung des Stadtschlosses im 15. Jahrhundert.

Graues Kloster1
„Graues Kloster“ mit Kirche, Mitte des 19. Jahrhunderts

Die fleißigen Mönche bebauten das Grundstück mit dem besagten Kloster und einer Kirche. Die Mönche sollen, so wollen es Historiker herausgefunden haben, ein gutes Verhältnis zu den Berlinern gehabt haben, weshalb die Auflösung des Klosters im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert auch nicht gern gesehen wurde. Die Mönche wurden nach Brandenburg/Havel umgesiedelt, ihre Räumlichkeiten im Kloster wurden größtenteils in eine Schule umgewandelt, die den Namen „Graues Kloster“ erhielt.

Auf diese „höhere Lehranstalt“ für die Kinder des Adels und der Großbürger gingen später u. a. auch Karl-Friedrich Schinkel und Otto von Bismarck. Beide übrigens ohne größere, schulische Leistungen zu vollbringen, was mein Vorurteil, dass „Schulwissen“ nicht immer für den Erfolg in der Praxis, im „richtigen Leben“ relevant ist, irgendwie bestärkt. 🙂 Diese Schule existiert übrigens noch immer, nur ist sie im Zuge der Teilung Berlins und des Abrisses der im Kriege zu Ruinen gewordenen Gebäudeteile (zwischen 1959 und 1968) nach „Westen“ gezogen und findet sich heute im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

DSCI0388_compressedVom eigentlichen Kloster steht also heute nichts mehr. Archäologische Grabungen haben im Jahre 2013/14 nicht mehr viel zutage fördern können, nachdem die Verbreiterung der Grunerstraße schon Jahrzehnte zuvor  das Areal stark beschnitten hatte. Die wenigen Fundstücke besagter Grabungen sind für die Sammlungen des „Märkischen Museums Berlin“ vorgesehen.
Von der ehemaligen Klosterkirche finden sich heute auch nur noch einige Reste der ehemaligen Außenmauer aus dem regionaltypischen, roten Backstein. Das Gebäude war in seiner Blüte dafür bekannt, keinen dominanten Glockenturm zu besitzen, was grundsätzlich für Kirchen dieser Zeit ungewöhnlich war.

1415  nahm in dieser Kirche übrigens der erste Hohenzoller auf dem Kurfürstensessel der Mark Brandenburg, Friedrich,  die Huldigung der Stände entgegen. Später (1517) hat vor dieser Kirche der Ablasshändler Tetzel, dessen Treiben Luther so wütend machte, sich die Truhe mit Goldmünzen gefüllt und den Berlinern „Freikarten aus dem Fegefeuer“ verkauft. Ironischerweise waren die einzigen, die an diesem religiösen „Schmuh“ nicht profitierten, ausgerechnet die Franziskaner, was ihnen aber später bei den Berlinern die schon erwähnte Sympathie einbrachte.

Heute kann man täglich ab 12.00 Uhr das Gelände der ehemaligen Kirche betreten. Es ist jetzt ein Freiluft-Ausstellungsraum für Kunstwerke.

Anfahrt:

U-Bahnhof der Linie 2 „Klosterstraße“, 2 Minuten Fußweg.

Geöffnet:

Täglich, ab 12.00 Uhr, Eintritt frei
ACHTUNG: vom 15. November 2015 bis 15. April 2016   ist die  Ruine der Klosterkirche   im „Winterschlaf“ und nur von außen einsehbar.

Mehr im Netz:

http://www.klosterruine-berlin.de/set.htm

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