Mitte: ein verschollener Ort – das „Hohe Haus“ der Markgrafen

Das Prinzip der „ständigen Residenz“ regionaler Herrscher über Flächenländer setzt sich so recht eigentlich erst nach dem Mittelalter in Deutschland durch. Zumal hier in der Mark Brandenburg. Noch die Askanier-Markgrafen des 13. Jahrhunderts hatten mehrere Wohnsitze, welche sie je nach Notwendigkeit nutzten und von denen aus sie regierten. Hatten manche von ihnen auch örtliche Vorlieben (Otto III. und Johann I. waren bevorzugt auf der Burg Spandau), so musste man etwa in Brandenburg/Havel, Spandau oder Berlin immer mal wieder mit ihrer Präsenz rechnen. 

Torbogen vom "Hohen Haus" im heutigen Märkischen Museum Berlin
Torbogen vom „Hohen Haus“ im heutigen Märkischen Museum Berlin

Erst die Hohenzollern machen im 15. Jahrhundert dann mit der „Ruhelosigkeit“ Schluss und geben sich mit dem Stadtschloss eine veritable und feste Residenz. Später wird dann Potsdam Co-Residenz für die preußischen Könige werden. Wo aber stiegen deren Vorgänger, die mittelalterlichen Markgrafen ab, wenn sie Berlin besuchten ? Richtig: Im sog. „Hohen Haus“ in der Klosterstraße.

Ich habe hier schon über das benachbarte „Graue Kloster“ geschrieben, welches ebenfalls nicht mehr existiert. Offensichtlich lag hier im und um das Klosterviertel herum ein wichtiger Teil des spätmittelalterlichen Berlins. Bereits seit 1261 wird hier von einem Vorgängerbau des „Hohen Hauses“ als Absteige für die Markgrafen ausgegangen. In unmittelbarer Nähe der damaligen Stadtmauer brauchte so keine zusätzliche Befestigung angelegt zu werden, als um 1310 das „Hohe Haus“ errichtet wurde, was damals einer Sensation gleichkam, denn es wurde weitgehend aus Steinen errichtet ! 🙂 Heute geht man davon aus, dass es sich um einen gotischen Ziegelbau mit mindestens zwei Stockwerken gehandelt habe.

Nach dem Aussterben der Askanier-Dynastie 1320  musste man sich jedoch um die Anwesenheit eines Herrschers in Berlin nicht mehr allzuviele Gedanken machen. Die Mark Brandenburg wurde nur noch von entfernten Vasallen des Kaisers verwaltet, große Teile davon verschleudert, dem Raubritter-Unwesen durch Vernachlässigung der Aufsicht Vorschub geleistet. Erst mit der Belehnung des Burggrafen Friedrich V. von Nürnberg aus dem Hause der Hohenzollern beginnt dann die „Rückkehr der Ordnung“ in Brandenburg. Sehr zum Leidwesen der Berliner, Frankfurter usw. , die sich an ihre relativ ungestörte „Selbstverwaltung“ gewöhnt hatten.

Portal Hohes Haus
Reste des Portals vom „Hohen Haus“ 1931

Im Zuge der Etablierung von Berlin als Residenzstadt unter den ersten Hohenzollern geriet dann aber das „Hohe Haus“ mehr und mehr in Vergessenheit. Nach 1451 wechselte häufig die Bestimmung des Gebäudes, das seit Ende des 17. Jahrhunderts vielfach umgebaut und erweitert wurde. Am Ende war das Gelände als „Königliches Lagerhaus“ bekannt und wurde schließlich 1926 z. T. an den Wertheim-Konzern verkauft. Als dieser die Fassade des Lagerhauses 1931 abreißen ließ, kam eine Überraschung zu Tage. Man fand die Fassade und Teile der Eingangsräume des alten „Hohen Hauses“. Ein Zugangsbogen findet sich so heute im Märkischen Museum wieder, um daran zu erinnern. Ein Haus, das einmal Bedeutung hatte für die Stadt- und Landesgeschichte, war einfach vergessen, überbaut und aus dem Bewusstsein gestrichen worden.

Heute befindet sich auf dem Gelände, das einmal die Adresse „Klosterstraße 74 – 76“ hatte, die verbreiterte Grunerstraße und ein Teil der sog. „Rathauspassagen“, weil auch der Erweiterungsbau des Wertheim-Konzerns den Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges nicht überlebt hat. Aber auch so gar nichts erinnert noch an das Haus der mittelalterlichen Markgrafen. Der „Fortschritt“, die Bomben und eine rücksichtslose Baupolitik nach 1945 haben dafür gesorgt.

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