Persönlichkeiten: „die Knef“ – Künstlerin in schwieriger Zeit

Es ist ja ein offenes Geheimnis unserer Hauptstadt: viele Persönlichkeiten, die weithin mit Berlin identifiziert werden, wurden gar nicht hier geboren. Der Architekt Schinkel etwa oder der Maler von Menzel waren gar keine gebürtigen Berliner, ebenso wie „die Knef“. 

Hildegard_KnefDiese wurde nämlich als „Hildegard Frieda Albertine Knef“ 1925 in Ulm geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters zog die Mutter dann mit der kleinen Hilde nach Berlin. Ihre Karriere als Schauspielerin, Sängerin und Autorin war ihr auch nicht gerade „in die Wiege gelegt“. Denn, machen wir uns nichts vor, „die Knef“ war weder eine auffällig schöne Frau noch hatte sie eine wirkliche Singstimme. Immerhin wird der berühmten US-Jazzsängerin Ella Fitzgerald das Bonmot zugeschrieben, „die Knef“ sei die „beste Sängerin ohne Stimme“ gewesen. Es muss wohl etwas anderes gewesen sein, dass am Ende doch für sie sprach. „Charisma“ ?

Schon mit 15 verließ die kleine Hilde die Schule, begann eine Ausbildung als Zeichnerin für die UFA und wurde noch vor Ende des Zweiten Weltkrieges als „Talent“ entdeckt. Na, die Zeiten waren eben hart. Im ersten, großen Nachkriegsfilm „die Mörder sind unter uns“ 1946 fiel sie erstmals dem nationalen und sogar internationalen Publikum auf. Zusammen mit ihrem ersten Ehemann, dem US-Offizier Kurt Hirsch, siedelte sie 1948 in die USA über, unterzeichnete einen Studiovertrag, büffelte fleißig Englisch, wurde US-Staatsbürgerin, bekam aber jahrelang keine Angebote.  Noch keine Hollywood-Erfolgsstory.

Deshalb kam sie nach Deutschland zurück und begann diesen neuen Lebensabschnitt mit einer gehörigen Provokation:  im Film „die Sünderin“ wurden mehrere Tabus angerührt: Prostitution, Nacktheit und Tötung auf Verlangen. Durch Proteste gegen scheinbare Anleihen des Drehbuchs an NS-Euthanasie-Propaganda provoziert, wurde („jede Presse ist gute Presse“) auch dieser Film von Millionen Besuchern gesehen. Der bittere Beigeschmack aber blieb und die (für heutige Nachmittags-TV-Verhältnisse lächerliche) kleine Nacktszene wurde unverhältnismäßig aufgebauscht. So floh „die Knef“ wieder zurück nach Hollywood wo sie nun endlich auch einige Rollen bekam.

HILDE2Als Hauptdarstellerin in „silk stockings“ debütierte sie sogar am Broadway. Als jedoch ein Filmstudio, mit dem sie keinen Vertrag hatte, sie für die Hauptrolle der Verfilmung dieses Musicals verpflichten wollte, stellte sich ihr Arbeitgeber quer und verlangte zunächst weitere Film-Dreharbeiten von der Knef. Diese hatte nun endgültig die Nase voll und kehrte 1957 wieder nach Deutschland zurück. Das Hollywood-Experiment schien gescheitert. Aber auch Deutschland hatte nicht gerade auf die Rückkehr „der Sünderin“ gewartet. Deshalb drehte Hildegard Knef bald vor allem in England und Frankreich. Die beste Zeit als Filmstar schien aber vorüber zu sein.

Doch schon 1959 erinnerte sich die BBC an Hildegard Knefs Broadway-Erfolg und gab ihr eine Bühne für den Gesang in der „Hildegard Neff Show“ („Knef“ spricht sich für Englisch-Sprachler ohnehin so aus). Die zweite Karriere der Knef als Chansoneuse begann. Ab 1962 nahm sie auch wieder Musik in Deutschland auf. Zahlreiche Single-Erfolge brachte sie in die Charts.

1970 schließlich startete sie ihre dritte Karriere als Autorin mit der Veröffentlichung des autobiographischen Buches „der geschenkte Gaul“. 1975 ließ sie noch einmal eine Reflexion „das Urteil“ über ihre Auseinandersetzung mit dem Krebs folgen. Aber sinkende Popularität und ihre Streitigkeiten mit der immer niveauloser werdenden „yellow press“ im Lande ließen sie 1982 ein letztes Mal nach Los Angeles flüchten. Dort war sie trotz ihres eigenwilligen Abgangs aus dem Studiosystem Hollywoods in den 50ern noch immer bekannt und beliebt. All die Reibereien in Deutschland hatte dort niemand mitbekommen und so würdigte man ihr Lebenswerk dann entsprechend. Sehr zur Verwunderung deutscher Medien.

1987 war sie dennoch wieder im Musical „Cabaret“ am Berliner „Theater des Westens“ zu sehen. Zwei Jahre später kam sie endgültig in „diese Stadt“ zurück. In Kooperationen mit der Rockband „Extrabreit“ und dem Jazz-Musiker Till Brönner gelangte sie noch einmal in die Charts. 2002 verstarb Hildegard Knef in „dieser Stadt“ und wurde auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof beigesetzt. Dort erhielt sie ein Ehrengrab des Berliner Senats. 2009 erschien ein auf ihrem Buch „der geschenkte Gaul“ basierender Film mit Heike Makatsch in der Titelrolle.

Hildegard Knef. Umstritten, ehrgeizig, bejubelt, ungeliebt, mit fleckiger Biographie und diversen Narben in der Seele. Repräsentativ fürs Nachkriegsdeutschland ? Meine Eltern, in etwa derselben Generation entstammend, hatten immer ein gespaltenes Verhältnis zu ihrem Werk. Ich selbst ? Na, ich hab schon die „Nostalgiefilter-Brille“ auf und betrachte damit manches mit großer Nachsicht. Sowohl ihre zeitweilige Zurückweisung durch das Publikum, als auch ihr krankhaftes Bedürfnis, eben doch von ihm verehrt werden zu wollen.

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