Persönlichkeiten: Wilhelm von Bode – der Sammler

Wenn man sich die Berliner Museumsinsel mal anschaut, fällt auf, dass alle Museen recht neutrale Namen tragen. „Altes Museum“, „Neues Museum“, „Alte Nationalgalerie“. Das „Pergamonmuseum“ immerhin deutet auf den wichtigsten Schatz seiner Ausstellung hin: den Pergamonaltar. Nur das „Bodemuseum“ trägt den Namen einer Persönlichkeit. Wer aber war Wilhelm von Bode ?

Wilhelm Bode, Gemälde von Max Liebermann, 1904
Wilhelm Bode, Gemälde von Max Liebermann, 1904

Wollen Sie die kurze, oder die lange Antwort darauf ? Na, ich werde mal versuchen, eine angemessene Länge des Beitrages herzustellen, ohne durch allzuviele Zahlen und Daten zu langweilen. Wilhelm Bode wurde 1845 in Calvörde bei Braunschweig geboren. Er studierte später Jura, war aber schon in dieser Zeit mehr an Kunst und Kunstgeschichte interessiert, als an der „Jurisprudenz“.

So wundert es kaum, dass er als Referendar in Braunschweig mehr Zeit damit verbrachte, die herzoglichen Kunstsammlungen neu zu ordnen, als der Rechtsprechung zu frönen. Reisen zu Museen in den Niederlanden, Belgien und Italien schärften dann seinen Sinn für Ästhetik und sein Kunstverständnis. Ein anschließendes Studium der Kunstgeschichte und Archäologie in Berlin und Wien beendete dann die Zeit des „Juristen“ Bode, bevor er schließlich 1870 in Leipzig promovierte.

Als Bode seine Stelle als Assistent in der Skulpturenabteilung der Berliner königlichen Museen antrat, waren die Sammlungen in der Hauptstadt noch nicht mit denen etwa in Dresden oder München zu vergleichen. Von internationalem Renommée ganz zu schweigen. Hier liegt denn auch die wirkliche Bedeutung von Bodes Wirksamkeit im Museumswesen und in der Kunstsammler-„Szene“: er wird dafür sorgen, dass die Berliner Sammlungen mehr Struktur und ein höheres Niveau erlangen. Aber wie geht das im noch immer notorisch sparsamen „Preußen“ ?

Bode wird dazu ein Netzwerk von Archäologen, Kunstexperten, Mäzenen und Museumsleuten aufbauen, das ihm Informationen über mögliche zum Verkauf stehende Artefakte oder Kunstwerke zukommen lässt. Sein eigener Sachverstand hilft ihm dann dabei, diese Stücke zu prüfen (wobei ihm sicher der ein oder andere „Klops“ unterläuft, schließlich ist auch er nur ein Mensch) und ggf. den Versuch zu unternehmen, diese für die Berliner Sammlungen zu sichern. Dabei hilft ihm aber weniger „der Staat“ als vielmehr ein Zirkel von Top-Mäzenen (zu denen auch der bekannte Sammler James Simon gehörte), die bestimmte Stücke für ihre Privatsammlungen ankaufen und dann mehr oder minder dauerhaft den königlichen Museen zur Verfügung stellen. Ich sage: pfiffig, modern und zukunftsweisend. Fast schon eine art „US-Pragmatismus“, den Bode hier durchexerziert.

Der Gedanke, der Kunst ein völlig eigenständiges Museum zu widmen, kursierte schon länger in Hofkreisen, in denen sich Bode hervorragend zu bewegen verstand. Vor allem der ehemalige Kronprinz Friedrich soll dieser Idee sehr zugeneigt gewesen sein, bevor er als „99-Tage-Kaiser“ aber zu früh verstarb, um das Projekt noch anschieben zu können. Dennoch hielt Bode den Gedanken an dieses Museum aufrecht und sammelte ab 1897 weiterhin private Mäzene im „Verein der Freunde des Kaiser-Friedrich Museums“ (später: „Kaiser-Friedrich-Museumsverein“) um sich. 1904 schließlich konnte das Museum der Öffentlichkeit übergeben werden. Es ist das an der Nordspitze der „Museumsinsel“ gelegene, heutige „Bodemuseum“. Nun erklärt sich auch die Namensgebung desselben ab 1956. 1905 wird Bode zum Generaldirektor der Berliner Museen ernannt, 1920 wird er diese Aufgabe dann abgeben.

Wilhelm von Bode wurde schließlich 1913 für seine Tätigkeit geadelt. 1925 wurde er Ehrenmitglied der „Preußischen Akademie der Wissenschaften“. Seine Abhandlungen zu Themen wie der Niederländischen Malerei oder der Italienischen Plastik galten lange Zeit als Standardwerke in Deutschland. Das u. a. auch von ihm entwickelte Konzept der „Disziplin-übergreifenden Präsentation“, wobei Gemälde, Kunsthandwerk und Plastiken aus einer Epoche gemeinsam in einem Raum gezeigt wurden, erlangte weltweite Anerkennung und war vor allem in den USA lange Zeit hindurch sehr populär.

Wilhelm von Bode, 1928
Wilhelm von Bode, 1928

1929 verstarb Wilhelm von Bode in Berlin. Er hinterließ das, was wir heute als „Museumsinsel“ kennen, denn er nahm auch massiven Einfluss auf die Sammlungen der Gemäldegalerie und die archäologisch-historischen Präsentationen. Ohne ihn wäre das jetzt nach ihm benannte Museum kaum vorstellbar. Auch auf die Errichtung des Pergamonmuseums nahm er noch Einfluss.

Sein „Erbe“ wurde dann durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und die massive „Ausräumung“ der Museumsinsel durch die Siegermacht Sowjetunion letztlich unwiederbringlich beschädigt. Auch die Rückführungen eines großen Teiles der ehemals königlichen Sammlungen aus der Sowjetunion in die DDR von 1956-1959 konnte die Qualität der Vorkriegsausstellungen nicht wiederherstellen. Selbst die Zusammenlegung der verschiedenen Sammlungen von „Ost“ und „West“ hat bis heute noch nicht dafür gesorgt, dass die einstmals erstklassigen Sammlungen, die Bode angeregt hatte, wieder mit den großen Museen der Welt konkurrieren könnten. Dafür sind zuviele Stücke bis heute nicht aus den Nachkriegswirren aufgetaucht und müssen als „verschollen“ gelten, oder werden bewusst von Verantwortlichen in anderen Ländern zurückgehalten bzw. gar nicht erst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nur die Architektur der Museumsinsel gibt ihr heute ein einzigartiges Gepräge, die Sammlungen müssen da noch etwas nachziehen. Hier zeigt sich aber: auch die Versammlung des „Schönen“ ist vergänglich, unterliegt den „Zeitläuften“ stärker, als wir es wahrhaben möchten.

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