Mitte: ein (noch nicht) „verschollener Ort“ – der „Deutsche Bank“-Komplex

Liebe Leser, man mag es heute kaum noch glauben, aber bis 1945 lagen tatsächlich die Zentralen vieler, deutscher Traditionsunternehmen in Berlin. Siemens, die „Allianz“-Versicherung oder diverse Handels- und Lebensmittelkonzerne führten „ganz natürlich“ ihre weltweiten Geschäfte von der Hauptstadt aus. So darf es uns also auch nicht erstaunen, dass auch die „Deutsche Bank“ einst ihre Zentrale in Berlin hatte. 

DSCI1667_compressedEbensowenig erstaunlich ist es, dass dieser Gebäudekomplex, den die „Deutsche Bank“ einstmals besaß, eine bunte Geschichte hinter sich hat, seit dessen erster „Block“ im Jahre 1874 fertiggestellt wurde. „Gründerzeit“, eben ! Denn die Deutsche Bank war „auf dem Vormarsch“, also wollte sie in Berlin auch dementsprechend repräsentieren. Dafür wurde der Gebäudeblock (I.) zwischen Französischer-, Mauer-, Glinka- und Behrenstraße im Laufe der Zeit um zwei „Anbauten“ erweitert, die auch durch „Hochbrücken“ mit dem ersten „Block“ verbunden wurden.

Dieses Geldinstitut wurde 1910 bereits die umsatzstärkste Bank Deutschlands, im Jahre 1914 sogar für kurze Zeit die kapitalstärkste Bank weltweit. Das daraus erwachsende, „korporative Selbstbewußtsein“ sah man dann auch konsequenterweise in den Räumen mit Publikumsverkehr widergespiegelt. Die Schalterhallen in Block I. und II. sollen architektonische Prunkstücke gewesen sein, deren prachtvolle Ausstattung aber heute nur noch in alten Fotos existiert. 1910 erweiterte man das „Ensemble“ der Bauten um den zweiten, auf einem fast genau viereckigen Grundriss liegenden Bau mit zwei kleinen Innenhöfen. Bei der Fassadengestaltung orientierten sich die Architekten an italienischen Renaissance-Palästen.

Deutsche Bank, Schalterhalle Block II.
Deutsche Bank, Schalterhalle Block II.

Von diesem Fassadenschmuck sind heute nur noch die vier Allegorien unter der Hochbrücke zwischen den Blöcken I. und II. übrig. (siehe Beitragsbild oben) Diese stellen „Feuer“ und „Erde“ (auf der Seite des Blocks I.) sowie „Wasser“ und „Luft“ (auf der Seite des Blocks II.) dar. Der Rest des einstmals reichen Fassadenschmucks wurde bei den Restaurierungsarbeiten in der Folge des Zweiten Weltkriegs durch nüchternere Strukturen ersetzt, weshalb man die Pracht dieses gesamten Komplexes heute nicht mehr so recht nachempfinden kann und nur diese vier Schmuckelemente uns anzeigen, wie sehr die Deutsche Bank einstmals auf Repräsentation auch in der Außendarstellung ihrer Zentrale Wert legte.

Aus den Wirren des Krieges und der Nachkriegszeit ging der gesamte Komplex, der 1914 noch um ein weiteres Gebäude in der Mauerstraße 35 – 40 erweitert worden war, nur schwer beschädigt hervor. Wie schon erwähnt nahm die Restaurierung erst in den 50er Jahren wieder Fahrt auf, als der Komplex vom Innenministerium der DDR zum Dienstsitz gewählt wurde. Jegliche „Pracht“ die zum Selbstverständnis der „Deutschen Bank“ gehört hatte, wurde damit aufgegeben und es zog innen wie außen eine „Sachlichkeit“ ein, die nur kleine, monotone Büros und langweilige Sandsteinfassaden zuließ.

Heute befindet sich der Komplex in der Hand der Bundesvermögensverwaltung. Das Innenministerium des vereinigten Deutschlands sah von einer Weiternutzung ab und baute sich stattdessen von 2009 – 2014 einen neuen Dienstsitz in unmittelbarer Nähe des Berliner Hauptbahnhofes. Eine dauerhafte Nutzung des ehemaligen „Deutsche Bank Komplexes“ erfolgte andererseits bis heute nicht. Jedoch konnten Teile (im Block II.) ab und an als Kulissen für Dreharbeiten vermietet werden. Beispielsweise wurde ein Teil von Staffel fünf der US-TV-Serie „Homeland“ im Herbst 2015 hier gedreht, was man bei genauem Betrachten einiger Szenen der letzten Folgen feststellen kann.

"Erde" und "Feuer"
„Erde“ und „Feuer“

Der Gesamtkomplex steht mittlerweile unter Denkmalschutz, was aber in Berlin so gut wie nichts bedeutet, wenn Gebäude keinem „dauerhaften Nutzungskonzept“ zugeführt werden können. Sobald ein finanzkräftiger Investor dies verlangt, würden diese drei Gebäude ratz-fatz abgerissen, wie uns die Beispiele des „Ahornblattes“ auf der Fischerinsel und der Charlottenburger „Deutschlandhalle“ verdeutlichen. Aber bis auf weiteres verbleibt dieses Monument kapitalistischen Selbstbewusstseins erst einmal in seinem „Dornröschenschlaf“ und „blockiert“ damit drei Grundstücke in exzellenter Lage inmitten der Friedrichstadt.

P.S.: Eine kleine „Anmerkung“ sei mir dazu noch erlaubt, denn als „echter Berliner“ neige ich ja immer ein wenig zum „Meckern“ über alles. Wenn man ein Beispiel für die typische Verschwendung von Steuergeldern sucht, die von der „Bonner-“ in die „Berliner Republik“ herüberge“rettet“ wurde, dann kann auch dieser Komplex dafür herhalten. In bester Innenstadtlage, nahe an den Schaltzentren der Macht gelegen und ohnehin in Bundesbesitz, hätte man das ehemalige DDR-Innenministerium auch in der Bundesrepublik weiternutzen können. Stattdessen wurden nach dem Umzug der Regierung nach Berlin mehrere Bürotürme (u. a. in Berlin Moabit) für das Innenministerium angemietet, bevor schließlich im Mai 2015 der Neubau am Kanzleramt bezogen wurde. Man darf mit Sicherheit davon ausgehen, dass eine Modernisierung des ehemaligen „Deutsche Bank“-Komplexes (selbst unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes) sowohl kostengünstiger als die Anmietung der Räumlichkeiten bis 2014, als auch weniger kostspielig als der jetzige Neubau gewesen wäre. Danke für das Haushaltsdefizit, liebe Bundes-Politiker !

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s