Mitte: ein „verschollener Ort“ – das Hotel „Kaiserhof“

Am Beispiel des Grandhotels „Kaiserhof“ kann man die Bergspitzen und Abgründe deutscher Geschichte so beispielhaft festmachen, wie an kaum einem anderen Ort. So konzentriert zeigen sich hier Modernität und Rückschritt, Luxus und Naziwahn an einem Platz. Aber erstmal ganz langsam und alles auf „Anfang“:

Berlin wurde 1871 „Reichshauptstadt“. Das bedeutete einen weiteren Prestigegewinn für die ohnehin schon recht stolzen Berliner Bürger. In den kommenden Jahren, nennen wir sie mal nicht ganz 100 %ig zutreffend „Gründerzeit“, wird in Berlin gebaut und geschaffen, wie nur selten danach. Vermögen wurden gemacht und verspielt, die Bevölkerung Berlins wuchs schnell und Unternehmen verlegten ihre Zentralen zu Hauf nach Berlin oder wurden gleich hier gegründet.

Berlin 1928 Das Hotel Kaiserhof am Wilhelmplatz
Berlin 1928
Das Hotel Kaiserhof am Wilhelmplatz

Eine Auswirkung dieses „Booms“ war auch der Bedarf nach zusätzlichem Luxus. Es mussten „Grand-Hotels“ her! Glaubte man zumindest. Und so wurde dann 1875 am Wilhelmplatz in der Berliner Friedrichstadt der „Kaiserhof“ eröffnet. Dass dieser Bau aber unter keinem guten Stern stand, wurde bereits klar, nachdem er nur wenige Wochen nach der Eröffnung komplett ausbrannte und bis ins kommende Jahr 1876 hinein wiederaufgebaut werden musste.

Der Kaiserhof kann mit Fug und Recht als „erstes Grandhotel“ der Stadt bezeichnet werden, dem dann später weitere Häuser wie das „Esplanade“ oder das „Adlon“ folgten. Zur Zeit seiner Eröffnung galt der Kaiserhof als eines der modernsten Häuser seiner Zeit. 260 Zimmer waren z. T. mit eigenen Vor-, Empfangs- und Badezimmern, mit elektrischem Licht sowie später auch mit Telefonen ausgestattet. Damals stellte das schon etwas dar. Dampfheizungen sowie Fahrstühle rundeten den Komfort des Hauses ab.

Festsaal im Kaiserhof, ca. 1903
Festsaal im Kaiserhof, ca. 1903

Schon früh etablierte sich der Kaiserhof auch als Konferenz- und Tagungsstätte und geriet so in den direkten Sog der politischen Ereignisse seiner Zeit. Bereits 1878 war er ein Schauplatz des „Berliner Kongresses“ auf dem Reichskanzler Bismarck sich darum bemühte, eine Friedensordnung für den Balkan zu etablieren und dafür die Großmächte mit dort liegenden Interessen nach Berlin einlud.

Am ersten Oktober 1908 wurde direkt vor dem Hotel ein U-Bahnhof der heutigen Linie 2 eröffnet. Er wurde weder nach dem Wilhelmplatz, noch nach der nahegelegenen Reichskanzlei benannt, sondern erhielt den Namen „Kaiserhof“ (heute „Mohrenstraße“). Noch einmal machte der Kaiserhof im Jahre 1926 Geschichte, als in einem Konferenzraum die Fusion der „Aero Lloyd“ mit der „Junkers Luftverkehr“ besiegelt wurde. Daraus entstand ein Unternehmen, das wir seitdem als „Deutsche Lufthansa“ kennen !

In der Endphase der Weimarer Republik geriet der Kaiserhof dann in den Dunstkreis der Nazis. Hier gingen Goebbels und Göring ein und aus. Vor allem, weil Hitler hier residierte und die Berliner NSDAP hier ihre Wahlkampfzentrale einrichtete. Auch die Einbürgerung Hitlers 1932 (bis dahin war er weiterhin Österreicher) wurde hier im Kaiserhof fixiert.  Später, nach der Machtübernahme durch die Nazis, heiratete Göring hier 1935 zum zweiten Male.

Ruine des "Kaiserhofs" 1946
Ruine des „Kaiserhofs“ 1946

1943 erhielt der Kaiserhof schwere Bombentreffer und wurde zur Ruine, die schließlich in der Nachkriegszeit ebenso wie die benachbarte „Drei-faltigkeitskirche“ abgerissen wurde. Existierende Fotos der Ruine vor dem Abriss wurden von alliierten Soldaten oftmals mit dem höhnischen Kommentar „Hitler´s Hotel“ versehen, was ja objektiv gesehen völlig korrekt war.
Heute stehen auf dem Gelände die Botschaft Nordkoreas (das Böse lebt weiter !) sowie ein Jugendhotel, das aber in keiner Weise die Tradition von Prunk und Luxus des alten „Kaiserhofs“ fortführen kann und will.

P.S.: Lustigerweise gibt es heute im Berliner Bezirk Spandau ein Restaurant namens „Tony´s Kaiserhof“. Aber auch das ist eher rustikal als „prunkvoll“. 🙂

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