Persönlichkeiten: Reinhold Begas, der „Stadtverschönerer“

Wer durch die Berliner „historische Mitte“ spaziert und dabei die repräsentativsten Sehenswürdigkeiten passiert, hat bestimmt auch bereits das Werk des Bildhauers Reinhold Begas begutachtet. Wissentlich oder unwissentlich, denn dieser „Meister des Neobarock“, wie ihn manche Fachleute nennen, hat im Berliner Stadtbild Spuren hinterlassen, wie kaum einer der bekannteren Bildhauer Berlins. 

Ein Beitrag der Zeitung „die Welt“ von vor ein paar Jahren will wissen, dass noch heute 33 Originalplastiken aus der Hand von Reinhold Begas in Berlin dem Publikum zugänglich sind. Entweder im Straßenbild oder in öffentlich zugänglichen Museen o. ä. Nun, ich selbst habe nicht nachgezählt.
Dennoch scheint der Name des Künstlers heute ein wenig in den Hintergrund getreten zu sein. Seine Vorgänger und Kollegen Schadow (Quadriga auf dem Brandenburger Tor) oder Rauch (Luisen-Grabmal in Charlottenburg) sind dem Beobachter eher präsent, wenn man an Skulpturenschmuck in Berlin denkt.

Schillerdenkmal, Gendarmenmarkt, Reinhold Begas, 1871
Schillerdenkmal, Gendarmenmarkt, Reinhold Begas, 1871

Vielleicht liegt das daran, dass die soeben erwähnten Künstler noch zum „Klassizismus“ oder dessen Ausläufern gezählt werden können, während das Hauptwerk von Reinhold Begas in den Augen vieler Kunstkenner einen Rückgriff in die Opulenz des Barock darstellt. Dies war im Berlin seiner Zeit vielleicht erwünscht und wohlgefällig, gilt aber heute oftmals als zu oberflächlich und seicht. Sei es wie es sei, einige Werke des Künstlers Begas haben immerhin dennoch ganz sicher den „Test der Zeit“ bestanden und erfreuen heute noch immer sowohl die Augen von Touristen wie von Berlinern selbst.

Reinhold Begas war, wie so viele Künstler, EIGENTLICH gar kein Berliner, denn er wurde 1831 in Schöneberg geboren, bevor dieses in die Hauptstadt „Groß Berlin“ eingemeindet wurde. Da haben wirs wieder: die „Auswärtigen“ sorgen für ästhetische Glanzpunkte ! 🙂 Begas hatte das Glück noch in den „Sog“ der Rauchschen Spätzeit der „Berliner Schule“ zu kommen. Christian Daniel Rauch nahm den jungen Begas noch in seinen letzten Lebensjahren unter die Fittiche. Auf Ausstellungen verschiedener Werke der „Akademie der Künste“ bekamen die frühen Werke Begas bereits Anerkennung, was ihm letztlich ein Stipendium für einen Rom-Aufenthalt einbrachte.

"Pan tröstet Psyche", Reinhold Begas, 1858
„Pan tröstet Psyche“, Reinhold Begas, 1858

Und hier scheint sich sein Kunstsinn an den Formen und der Pracht barocker Plastiken und barocker Architektur geformt zu haben, denn Rom war ihm immer wieder eine Reise wert. Er kehrte in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts immer wieder dorthin zurück. Aus dieser Phase stammen einige seiner bekanntesten Plastiken wie „Amor und Psyche“, „Pan als Lehrer des Flötenspiels“ oder „Pan tröstet Psyche“. Die Antike spielt im Werk Begas immer wieder eine Rolle, wie der weltberühmte „Neptunbrunnen“, welcher einst den Schlossplatz südlich der Hohenzollernresidenz in Berlin zierte, bis zum heutigen Tage beweist.

Diese Brunnenplastik mit Dreizack und diversen Verzierungen ausgestattet, verrät vielleicht am deutlichsten den Einfluss des italienischen Barock auf das ästhetische Empfinden Reinhold Begas. Wie viele Spätwerke des Bildhauers dient auch diese Plastik der gezielten „Stadtverschönerung“ Berlins, das sich, als neugewonnene „Reichshauptstadt“ auch repräsentative, öffentliche Ensembles gönnen wollte. Auch die „Schillerstatue“ vor dem Schauspielhaus am Gendarmenmarkt (heute „Konzerthaus Berlin“) ist in gewisser Weise diesem Zeit-Trend zu verdanken, auch wenn sie nicht vom Staat oder dem Königshaus, sondern einem Verbund Berliner Kunstfreunde finanziert wurde.

Bismarck-Nationaldenkmal, Reinhold Begas, 1901
Bismarck-Nationaldenkmal, Reinhold Begas, 1901

Auf Anregung des Monarchen Wilhelm II. beaufsichtigte Begas auch von 1895 – 1901 die Ausführung der „Siegesallee“ im Berliner Tiergarten, für die er auch das Gesamtkonzept erstellt hatte. Er steuerte ebenfalls zwei Gruppen zu dieser Anlage bei. In dieser Zeit arbeitete Begas aber auch am „Bismarck-Nationaldenkmal“, welches einst am „Königsplatz“ zu finden war und das wir heute noch am „Großen Stern“ besuchen können. Auf Bitten der Schwester Adolph von Menzels nahm übrigens Begas diesem 1905 die Totenmaske ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte er es sich mit dem Kaiser bereits „verscherzt“, weil Begas nicht gewillt war, die unter ästhetische Kritik geratene „Puppenallee“ (Berliner Spottname der „Siegesallee“) medial wirksam zu „verteidigen“.

Zeitgenossen schilderten Begas als ausgesprochenen Kunstkenner und Fachmann, der von klassischer Literatur bis zu moderner Kunst über alles sachkundig und teils auch leidenschaftlich zu diskutieren verstand. Sein Werk hingegen wurde und wird von Journalisten bis heute als „auffällig unauffällig“ bezeichnet, was aber vielleicht nicht das schlechteste Urteil sein mag.

Reinhold Begas starb 1911 in Schöneberg und blieb somit bis zum Ende ein „Nicht-Berliner“, da Schöneberg erst 1912 in den „Zweckverband Groß Berlin“ aufgenommen wurde und erst 1920 komplett eingemeindet war. Begas Werk jedoch gehört bis heute zur Stadt, wie der Fernsehturm oder das Brandenburger Tor. Vor allem sein Neptunbrunnen, das Bismarck- und das Schillerdenkmal gehören ganz sicher nicht ganz grundlos zu den am meisten fotografierten Monumenten der Hauptstadt.

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