Persönlichkeiten: Ernst-Ludwig Heim, der „Heiler“

Wie so viele andere Persönlichkeiten, die in Berlin ihre Spuren hinterlassen haben, stammte der berühmte Arzt Ernst – Ludwig Heim gar nicht aus Brandenburg. Er war gebürtiger Thüringer, der erst drei Jahre nach seiner Zulassung als Mediziner seinen Wohnsitz in Brandenburg nahm. Hier aber ist er unvergessen und gibt Straßen und Schulen auch heute noch seinen Namen.

330px-Julius_Hübner_Bildnis_Ernst_Ludwig_Heim_1833Ernst-Ludwig Heim ist ein „Berliner Original“ des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Gebürtiger Thüringer, studierte er Medizin an der Universität Halle und promovierte 1772 als Doktor der Medizin. Eine Zeit umfangreicher Studien und Studienreisen vervollständigte seine Ausbildung bevor er 1775 nach Spandau umzog und dort nicht nur praktizierender Arzt, sondern auch „Stadtphysikus“ wurde, also eine Art „Amtsarzt“. Was später sogar auf den ganzen Landkreis Ost-Havelland ausgeweitet wurde.

Sein Ruf als Heiler mit an der Natur orientierter Methodik, schneller und effizienter Diagnose, großem, aus christlicher Motivation gespeistem Herzen und trockenen Sprüchen verbreitete sich schnell, so dass Heim 1783 nach Berlin umzog, wo er eine Praxis in der Nähe des Gendarmenmarktes eröffnete. Als Mediziner, der immer nur den Patienten sah und nie die gesellschaftliche Stellung desselben, wurde er bald sehr populär. Noch heute werden einige seiner Sprüche kolportiert. Den Kurfürsten von Hessen-Kassel soll er kurz und knapp abgefertigt haben:

Durchlaucht sind genau so steifpetrig, wie ich mir einen richtigen Kurfürsten immer vorgestellt habe.

Während er einem preußischen Leutnant, der ihn wegen Atemwegsbeschwerden aufsuchte, die Diagnose gestellt haben soll:

Husten kommt entweder aus der Lunge oder er kommt vom Saufen. Aus der Lunge kommt Ihr Husten aber nicht.

Berliner liebten solche ebenso gutherzigen, wie schlagfertigen Personen und so erhielt Heim schon zu seinen Lebzeiten die Ehrenbürgerschaft der Stadt (1822). Zumal er auch als Armenarzt Anerkennung erhielt, weil er Patienten ohne Vermögen regelmässig zum „Nulltarif“ behandelte und gelegentlich sogar ihre Arzneikosten übernahm.
Zu seinen Patienten sollen aber ebenso Hofkreise gehört haben. Heim gilt z. Bsp. als der letzte, behandelnde Arzt der Königin Luise von Preußen. Er führte 1799 auch die Pockenschutzimpfung in Brandenburg ein.

Heimia salicifolia
Heimia salicifolia

Heim zeichnete sich ebenso als Botaniker aus, weshalb ihm schon 1777 der botanische Lehrstuhl der Viadrina in Frankfurt/Oder angetragen wurde, den er aber ablehnte. Den jungen Alexander von Humboldt unterrichtete er immerhin in Botanik und gab ihm das Grundwissen für dessen Südamerika-Expeditionen mit. Eine in Mexiko entdeckte Pflanze wurde zu seinen Ehren „Heimia“ benannt.

Ernst – Ludwig Heim, nach dem in Berlin eine Grundschule, sowie diverste Straßen benannt sind, verstarb 1834 und wurde auf dem Friedhof der Jerusalem-Gemeinde begraben. Seine Grabstätte wurde in die Liste der Ehrengräber des Berliner Senats übernommen. Das offizielle Berlin hat ihn nicht vergessen.

Heim-Zitat1

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