Verschollene Orte: das „Prinz-Heinrich Palais“ in Spandau

Mit dem preußischen Landadel war das ja immer so eine Sache. Einerseits ließ er sich es auf den Landgütern gut gehen und bewirtschaftete sie mehr oder minder seriös. Andererseits wollte man aber auch gerne, wenn man konnte, einen „Fuß in der Hofgesellschaft“ haben und baute sich kleine Winterwohnungen in Berlin. Als bestes Beispiel sei mal das Palais Blücher genannt, auf dessen Grundstück wir heute die Botschaft der USA in Deutschland finden.

AmtsgerichtSpandauAber erstaunlicherweise gab es auch kleinere, unscheinbarere Palais in der havelländischen Kleinstadt Spandau. Welche Geschichte wiesen sie auf ? Über das ursprüngliche  „Palais Lynar“ aus dem 16. Jahrhundert gibt es z. Bsp. viele Dokumente, aber keinerlei Zeichnungen oder Grundrisse aus dieser Zeit sind mehr auffindbar. Das Palais des Prinzen Heinrich hingegen kann man besser nachvollziehen, obwohl es ebenfalls als Gebäude nicht mehr existiert. Holen wir dazu aber mal etwas aus:

Spandau war seit 1630 de facto eine „Festungsstadt“. Die nahe der Altstadt gelegene Zitadelle Spandau wurde unter dem Einfluss des 30-jährigen Krieges um weitere Befestigungswerke erweitert, so dass auch der Stadtkern eine gewisse „Sicherheit“ erhielt. Dass es um diese nicht allzugut bestellt war, sei einmal dahingestellt, aber eine „Festungsstadt“ benötigte auch immer einen Stadtkommandanten. Zu Zeiten Friedrichs des Großen vertraute man solche Positionen (immerhin sollte Spandau auch das nahegelegene Berlin „mitbeschützen“) gerne Angehörigen der Monarchenfamilie selbst an. So nimmt es nicht Wunder, dass wir zur Mitte des 18. Jahrhunderts zwei Brüder Friedrichs als Stadtkommandanten aufgeführt finden.

Da war zunächst einmal August-Wilhelm von Preußen, der den Spandauern vor allem deshalb im Gedächtnis blieb, weil er den Friedhof der St. Nikolaikirche einebnen und zum Aufmarschplatz für seine Garnisons-Soldaten machen ließ. Auf seine Initiative wurde auch an der sog. „Plantage“ auf dem Stresow ein Wohngebiet für Offiziere angelegt.

PRINZ_HEINRICH_VON_PREUSSENUnd dann war da der Prinz Heinrich von Preußen, der aus der Wohnung des Spandauer Stadtkommandanten, die unmittelbar gegenüber der St. Nikolaikirche gelegen war (ungefähr Adresse: Carl-Schurz-Straße 49) ein gefälliges Stadtpalais machen ließ. Das Grundstück selbst wurde vermutlich von Patrizierfamilien schon seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts benutzt, wie archäologische Untersuchungen alter Gewölbe ergaben. Später wohnten hier Adlige und Bürgermeister Spandaus. Vom letzten Bürgermeister, der dieses Haus als Wohnsitz nutzte, kaufte Anfang des 18. Jahrhunderts die Stadtkasse die Immobilie, um sie zur Wohnung des jeweiligen Regimentskommandeurs umzubauen.

Von 1764 – 1778 ließ sich Prinz Heinrich von Zeit zu Zeit hier blicken, wenn die Manöver seiner Truppen anstanden oder er Inspektionen seines „Leibregiments“ durchführte.  In dieser Zeit soll auch sein Bruder, der König, mit ihm im Spandauer Palais diniert haben. Heinrichs Residenz und Lieblingswohnung war aber in Rheinsberg, so dass er sich nach 1778 nicht mehr in Spandau aufhielt. Um 1800 wurde die Immobilie dann verkauft und in der Folge wurde das Gebäude als Gastwirtschaft genutzt. Zwei Eigentümer-Familien können in den Archiven ausgemacht werden.

Amtsgericht Rückseite, beim Abriss 1954
Amtsgericht Rückseite, beim Abriss 1954

1850 wurde das Gebäude wieder an den Staat zurückverkauft und das „Kreisgericht“ hier eingerichtet. Ab 1879 dann „Königliches Amtsgericht Spandau“. Damit einher ging die Errichtung von Arrestzellen auf dem Hof des Gebäudes. Ab 1936 war dann die „Reichsjustizverwaltung“ Eigentümerin des Grundstückes, aber das Amtsgericht blieb bestehen. Im Zweiten Weltkrieg erhielt auch dieses Gebäude bei dem schweren Angriff auf Spandau im Oktober 1944 Schäden. Allerdings stand es in weiten Teilen noch bis 1950, als es dann, samt des Arrest-Traktes, abgerissen wurde.

In der Folge baute man auf den Grund und Boden ein Kino (das „Forum“), dessen Betrieb aber bereits 1968 wieder eingestellt wurde. Der einfallslose Flachbau, in dem es untergebracht war, wurde in der Folge als Discounter und Buchladen genutzt. Ich selbst habe dort noch eingekauft. Sowohl ein paar brauchbare „Remittenden“ im Buchladen, als auch Lebensmittel nebenan. Im November 1987 schließlich schlossen die Geschäfte  und der 50er Jahre Flachbau verschwand zu Gunsten einer optisch „passenderen“ Bebauung durch Häuser, in deren Erdgeschossen bis heute jedoch weiterhin Einzelhandel betrieben wird.

So bleibt also heute keine Erinnerung mehr an Bürgermeister und Prinzen, an Gastronomen und Gefangene in der Carl-Schurz-Straße 49. Oder finden wir noch ein paar  Gewölbe aus uralter Zeit ? 🙂

Serie „Stadtpalais in Berlin und Brandenburg“:

Folge 2: das Stadtpalais des Prinzen Carl in Berlin
Folge 3: das Prinz-Albrecht-Palais in Berlin

 

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