Mitte: der „große Tiergarten“ – Park, Passage, Freiluftgalerie

Berlin verfügt über ein großes Plus, das es vielleicht nicht immer ausreichend gewürdigt hat. Mit dem „Großen Tiergarten“ in der Nähe der absoluten Stadtmitte finden wir einen Park vor, der als „grüne Lunge“ und Erholungsgebiet oft genug ausgebeutet, ab und an geradezu missachtet wurde. Seine Bedeutung hat er deshalb aber nie verloren.

Mir ist der 210 ha große Tiergarten vor allem deshalb immer wieder einen Besuch wert, weil sich hier diverse Standbilder und Plastiken anfinden, die des Nachdenkens über ihre Motive, über die Zeit, in der sie erstellt wurden und über ihre Schöpfer wert sind. Wenn auch viele Passanten achtlos daran vorbeihetzen, den Tiergarten lediglich als „Durchmarschgebiet“ für ihren Weg vom Arbeitsplatz zur Uni, oder nach Hause nutzen, so halte ich bei aller Belästigung durch rücksichtslose Radfahrer, achtlose Touristen oder pöbelige Großfamilien, derer man hier immer ausgesetzt sein kann, einen Spaziergang durch den Tiergarten immer wieder für interessant. Diese Grünfläche, die ebenso ans Brandenburger Tor wie an die Spree grenzt, verdient nicht zuletzt aufgrund der hier zu besichtigenden Statuen und sonstigen Plastiken eine genauere Betrachtung.

Schloss Bellevue
Schloss Bellevue

Zur Geschichte des Tiergartens sei nur soviel angemerkt, dass er einstmals vor den Toren der Stadt Berlin lag, von den Kurfürsten als Jagdrevier genutzt wurde und daher seinen Namen trägt. Als im 18. Jahrhundert der „Große“ Friedrich kein rechtes Interesse mehr an der Jagd hatte, ließ er dieses Revier zum Park umgestalten. Ein Schloss ließ sich dann dessen jüngerer Bruder Ferdinand am Rande dieses Parks auch noch erbauen. Heute residiert hier der Bundespräsident Deutschlands. Es heißt von Anfang an „Bellevue“. Ein kleines Stück des südlichen Tiergartens wurde dann im 19. Jahrhundert noch abgetrennt und tatsächlich wieder in einen Zoologischen Garten umgewandelt. Heißt auch heute noch so.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Park schwerst verwüstet, später wieder aufgebaut und gestalterisch wiederhergestellt. Seine historische Gestalt wurde noch einmal seit der Wiedervereinigung der beiden Stadthälften nach 1990 auch im Detail ergänzt. Die diversen „love parades“ und „Fanmeilen“ sowie wildes Grillen mit dementsprechenden Schäden an Rasen und Gesträuch und anfallendem Müll haben über die Jahrzehnte hinweg aber den Park demoliert. Immense Kosten für Reparaturen und Begrünung sind dadurch entstanden.

DSCF0051_compressedDennoch wurde und wird auch immer daran gearbeitet, den Großen Tiergarten in Berlin zu verschönern. Der Rosengarten, der Goldfischteich und ähnliche wiederhergestellte und gepflegte Bereiche weisen das nach. Auch die Akribie, mit der die diversen Skulpturen wiederaufgestellt bzw. gepflegt wurden, ist nicht zu verachten. Und dabei rede ich noch gar nicht mal über den sowjetischen Soldatenfriedhof, der die ehemalige und längst nicht mehr vorhandene „Puppenalle“ abriegelt und ebenfalls zumeist in Tip-Top-Zustand ist. Ist ja auch vertraglich mit Russland so gesichert.

Warum sollte man den Tiergarten also besuchen ? Na, da denke ich, es reichen Stichpunkte: Siegessäule, Rosengarten, Carillon, „Englischer Garten“, sowjetisches Ehrenmal, „Musikerofen“, Wagner-Denkmal,  etc. Gerade die Lage macht ihn bei schönem Wetter ebenso attraktiv, wie überlaufen. Ich empfehle dennoch einen Besuch. Wer sonst nicht viel Zeit hat, sollte die Gegend um den „Großen Stern“ zumindest mal ein wenig abspaziert haben. Aber auch andere Bereiche lohnen den Fußweg.

Erreichbar:
Mit diversen Linien des öffentlichen Bus-Nahverkehrs. Etwa der bekannten „Panoramalinie 100“. Z. Bsp. ab „Zoologischer Garten“. Mögl. Ausstieg „Großer Stern“.
Auch über den S-Bahnhof „Tiergarten“.

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