Tage der Luftbrücke in Gatow

Ein Besuch auf dem ehemaligen Flugplatz Gatow ist manchmal eine einsame Angelegenheit. Außerhalb der Sonderveranstaltungen und Flugplatzfeste verlaufen sich hier oft nur wenige Besucher auf dem Gelände. Am Samstag, der zur „Woche der Luftbrücke“ gehörte, war dies jedoch anders. Die Sonderführung durch das Gelände und die Ausstellung zur Geschichte Gatows als Schauplatz der Geschichte war gut besucht und äußerst interessant.

Die Berlin-Blockade endete an einem 12. Mai (1949). Deshalb wird dieser Tag auch „Tag der Luftbrücke“ genannt und wurde jahrelang dementsprechend in Berlin groß gefeiert. Die Bedeutung der Luftbrücke im historischen Bewusstsein Deutschlands schwindet aber. Warum das so ist, sei dahingestellt, aber genau deshalb sind Initiativen wie die „Tage der Luftbrücke“ auf dem ehemaligen Flugplatz Gatow in Berlin-Spandau so wichtig. An einem authentischen Ort vermitteln sie dramatische Ereignisse der Vergangenheit, an denen unsere Eltern und Großeltern noch teilhatten. Sie geben uns ein Gefühl der Kontinuität, des Kontextes und der Wurzeln von denen wir leben.

DSCI1738_compressedDementsprechend freute ich mich schon auf die geführte Tour über das Gelände des „Militärhistorischen Museums Flugplatz Gatow“ in Berlin-Spandau. Erfreulicherweise erwies sich der freundliche, junge Mann, der diese Führung leitete, als ausgesprochen kompetenter Historiker, der die Hintergründe, Zusammenhänge und auch die Daten und Details der Luftbrückenzeit Gatows sofort parat hatte und auf interessante Weise darzustellen verstand. Geschichte lebendig zu machen am Ort, an dem sie sich abspielte, ist keine leichte Aufgabe, aber für mein Verständnis gelang dies unserem Museumsführer sehr gut.

Für Fragen stand der Herr ebenfalls zur Verfügung und konnte so manche Information vermitteln, die bei uns Besuchern Wissenslücken stopfte. Obwohl ich bereits mit dem Thema „Luftbrücke“ vertraut war und sogar bereits Besuchergruppen zum Museum gebracht hatte, lernte sogar ich noch einiges dazu und nahm die Gelegenheit wahr, auch einige Detailfragen loszuwerden. Soweit zum guten und interessanten Teil des Besuches.

Da ich aber, wie erwähnt, seit einigen Jahren schon immer mal wieder das Museum „Flugplatz Gatow“ besuche, ist mir natürlich auch etwas aufgefallen. Und zwar, dass das Museum sowohl im Außengelände als auch in den vom Museum genutzten Gebäuden seit ein paar Jahren starke Verluste erleidet. Groß-Exponate verschwinden und kehren scheinbar nicht mehr nach Gatow zurück.

DSCI1765_compressedDies ist natürlich nur ein subjektiver Eindruck, der durch (Dauer-?) Leihgaben des Museums an befreundete Institutionen im In- und Ausland, die dringend notwendigen Restaurierungen rostender Flieger auf der Außenanlage usw. entsteht. Aber auch die Tatsache, dass einige, herausragende Exponate der Hangars z. T. auf Jahre hinaus verschwinden (He-111, Me-109 aus Hangar 3 z. Bsp.) schmälert die „Erlebnisqualität“ Gatows leider mittlerweile in durchaus spürbarer Art und Weise. Eine frisch restaurierte Iljuschin-28 wird z. Bsp. bald nach Finowfurt ausgeliehen, weil man dort ein Schutzdach für dieses Großexponat errichten wird und somit die Schäden durch Wettereinflüsse deutlich reduziert werden können.

Kurz gesagt: die Tatsache, dass dies einstmals private Museum noch immer über viel zu geringe Mittel verfügt, um auch nur die prächtige Ausstattung aufrechtzuerhalten, die es noch vor ca. 10 Jahren besaß, ist mittlerweile evident. Viele, der über die Jahre hinweg von mir dort gemachten Fotos, dokumentieren dies leider. Wenn nicht viele, freiwillige und damit ehrenamtliche Helfer hier mithelfen würden, hätte das Museum vermutlich längst schließen oder zumindest seine Öffnungstage massiv einschränken müssen. Das ist bedauerlich, denn „plastisch erfahrbare Geschichte“ gibt es meiner Ansicht nach nicht mehr allzuviel in Berlin. Und schon gar nicht an einem so authentischen Ort. Das macht Gatow einzigartig.

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Wind im Gesicht und „Rosinenbomber“ im Hintergrund. 🙂

Leider wird demnächst auch der Hangar 3 umgestaltet werden, da das pädagogische Element des Museums stärker in den Mittelpunkt gestellt werden soll. Dann wird dieser Museumsteil erstmal auf unabsehbare Zeit gesperrt werden und die Gesamtanlage damit weiter an Attraktivität einbüßen. Aber eben nur zeitweise, der Umbau wird ja auch mal wieder beendet sein.

Fazit ? Dieser „Samstag der Luftbrücke“ war ein angenehmer Tag sogar trotz des böigen Windes, der über die ehemaligen Flugbahnen wehte. In anderen Kultureinrichtungen oder Museen hätte man für Eintritt und kompetente Museumsführung zwischen 20 und 25 Euro zahlen müssen. In Gatow gibts das alles am Wochende ZUM NULLTARIF ! 🙂 Im Sinne der Zukunft dieses Museums möchte man fast hoffen, dass sie doch bald damit beginnen werden, etwas Geld zu verlangen, damit dieses dann wieder in die Ausstellung gesteckt werden kann.

In diesem Sinne: Besuchen Sie Gatow, bevor das letzte Flugzeug verrostet oder an andere Museen ausgeliehen ist !

Mehr Information, hier:
http://www.mhm-gatow.de/

Vielleicht sehen wir uns bald mal auf einem „Clemens Kurz Stadtspaziergang“ in Berlin und Brandenburg.

Ihr

Clemens Kurz

 

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