Verschollene Orte: der Flugplatz Johannisthal

Die Geschichte der Fliegerei im Raum Berlin kann ohne einen Hinweis auf den ehemaligen Flugplatz Johannisthal gar nicht geschrieben werden. Hier begann der Erfolgszug, der erst durch die „neverending story“ um den Flughafen BER gestoppt werden konnte. 

42937006-64de-458f-b4c1-064f00150903Zugegeben: Johannisthal war nicht der älteste, deutsche Flugplatz für Motorfliegerei. Diese Ehre gebührt einem privaten Flugplatz in Darmstadt-Griesheim, der bereits ein Jahr vor Johannisthal eröffnet wurde. Dennoch ist Johannisthal für die deutsche Fliegerei wichtig geworden.

Aber zunächst mal einen Schritt zurück. Wir wissen alle, dass die Motorfliegerei…ja eben nicht mit den Wright – Brüdern sondern mit Carl Jatho in Hannover begann. Nein, das war Ihnen unbekannt ? Vielleicht deshalb, weil „die Amis“ eben immer besser beim Vermarkten ihrer Ideen sind, weshalb auch heute noch viele Menschen auf der Welt glauben, Henry Ford hätte das Automobil erfunden und nicht das Fließband. Vielleicht lag es auch daran, dass Jatho, der wenige Wochen vor den Wright-Brüdern seine Flugversuche abhielt, wohl mehr eine Art „Hüpfer“ hinlegte, während Orville und Wilbur Wright tatsächlich eine gewisse Strecke flogen und somit mehr Anspruch auf diese Pioniertat erheben konnten.

Sei es, wie es sei, in jedem Falle „verschlief“ Deutschland den Trend zur Motorfliegerei zunächst. Ob Otto Lilienthal, wenn er noch gelebt hätte, sich mit Motoren im Segelflieger angefreundet hätte ? Während man in Frankreich und Großbritannien begeistert den Gedanken aufgriff, Segler nun auch mit Motoren auszustatten, setzte man im Kaiserreich eher auf das „Starrluftschiff“, den nach seinem großzügigsten Verfechter benannten „Zeppelin“. Erst um 1907 herum regte sich das Interesse am Flugzeug erneut, als sich Enthusiasten im „Deutschen Aero Club“ zusammenfanden.

Irgendwann kam dann auch der Gedanke auf, die Trabrennbahn Karlshorst als Flugplatz zu nutzen. Da aber den Pferden der Lärm der Motoren nicht zugemutet werden sollte, wurde diese Idee verworfen und Johannisthal bekam seine Chance. Da zeigt sich, dass in Deutschland einem Tier kein Schaden zugefügt werden darf, während Menschen der Fluglärm eben seit 1909 (in Darmstadt seit 1908) zugemutet wird.

bild5grAb 1909 gings dann aber hier los und mit einem „Wettfliegen“ internationaler Piloten (der einzige deutsche Pilot, Hermann Dorner bekam seine Konstruktion nicht recht in die Lüfte) eröffnete man den Flugbetrieb. Unter den Zuschauern soll der Legende nach auch der Schriftsteller Karl May gewesen sein. Einen „Old Fliegerhand“ schrieb er aber danach nicht mehr.

In der Folgezeit sammelten sich hier Flugpioniere, mit dem Flugzeugbau befasste Firmen und andere „bunte Hunde“ ihrer Zeit. U. a. hatten auch die Brüder Wright hier eine Dependance als Schule für Flugzeugbau und Fliegerei. An Flugtagen wimmelte es von Besuchern, die aber nicht alle Eintritt zahlen wollten. Von diesen Geldern aber war der Betrieb des Flugplatzes Johannisthal abhängig, so dass der Direktor Georg von Tschudi auch schon mal mit einer „Browning“ oder einem Gehstock die über den Zaun gekletterten, keinen Eintritt zahlenden Flieger-„Fans“ vertrieb.

Ab 1914 wurde die Anlage dann militärisch genutzt. Und zwar als „Flugerprobungsstelle“ für neue Maschinen. Am 05. Februar 1919 begann dann hier die Geschichte der deutschen Luftpost. Ab diesem Tage wurden Briefsachen auch per Flugzeug durch Deutschland befördert. Mit der Eröffnung des Flughafens Berlin-Tempelhof verlor Johannisthal dann aber ab 1923 seine Bedeutung als ziviler Flughafen. Die militärische Nutzung lief jedoch weiter. Die Erprobung von Flugzeugen fand auch weiterhin hier statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die sowjetische Siegermacht Johannisthal noch für ca. ein Jahr, bevor man sich auf günstiger gelegene Flugfelder im Berliner Umland zurückzog. Endgültig geschlossen wurde Johannisthal dann aber erst 1995. Eine letzte Flugshow sollte am 09. September 1995 an die Anfänge der Flugplatzes erinnern. In der Folge dieser Flugshow stürzte der deutsche Astronaut Reinhard Furrer, ein begeisterter Hobbyflieger, in einer traditionellen Me-108 ab und verstarb dabei. Ein Ende mit traurigem Gesicht für Johannisthal.

1132524.169fa4f7.640Heute finden sich auf dem Areal des ehemaligen Flugplatzes ein Forschungs- und Industriecampus, der sog. „Wissenschafts- und Industriepark“, einige Wohnbauten und ein unter Naturschutz stehender „Landschaftspark“ (mit Namen „Adlershof“ nicht einmal „Johannisthal“). Man hat also einen guten Teil des einst der Natur abgerungenen Monumentes der Fluggeschichte dieser Natur wieder zurückgegeben. An die Pioniere der Luftfahrt erinnern nur noch angrenzende Straßennamen wie „Hermann-Dorner-Allee“ oder „Igo-Etrich-Straße“. (Etrich war der österreichische Konstrukteur des bekannten Eindeckers „Taube“, der in Deutschland von der Fa. „Rumpler“ ab 1911 im Lizenznachbau vertrieben wurde. Eine Etrich – Taube steht u. a. im Militärhistorischen Museum Flughafen Gatow, Hangar 3.)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s