Ausflug nach Glienicke – Prinzen, Parks und Spione

Die Glienicker Brücke hat ihre Bedeutung eindeutig der Lage zu verdanken. Gut, dass auch ein kleiner „Schlosspark“ hier gleich nebenan zu finden ist, so lohnt ein Ausflug nach „Klein-Glienicke“ immer. Ganz besonders, wenn das Wetter mitspielt.

Die Kulturlandschaft „Schlösser und Gärten in Berlin Brandenburg“ gehört seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Nicht grundlos, denn in der Hauptstadtregion gibt es nichts Vergleichbares, nichts, was dem Ensemble von ehemaligen Preußen-Schlössern, Parks aus der Hand von Meistern wie Pückler und Lenné sowie der malerischen Wasserlage an der Havel gleichkäme.

Den ganzen Spaß verdanken wir wohl vor allem der Tatsache, dass das alte Brandenburg ab 1660 über zwei Fürstenresidenzen mehr oder minder gleichen Ranges verfügte: Potsdam und Berlin. Da die Kurfürsten und Könige aber eben regelmässig „shuttleten“, also zwischen ihren Residenzen hin- und herpendelten, mussten auch Verbindungswege geschaffen werden. Erstaunlicherweise verdankt auch der „Kurfürstendamm“ seine Entstehung diesem Gedanken, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

DSCI1804_compressedDie „Königsstraße“ von Berlin nach Potsdam führte in jedem Falle auch durch Glienicke. Hier wurde und wird bis heute die Havel überquert und damit ist auch schon die Existenz der „Glienicker Brücke“ erklärt. Langer Vorrede, kurzer Sinn: als 1824 der Preußenprinz Carl den Landsitz Glienicke kaufte, begann er damit, diesen im Sinne seiner durch eine Italienreise geweckten Leidenschaft für die Antike und deren Renaissance (Überraschung: während der „Renaissance“, 🙂 ) umgestalten zu lassen. Davon profitieren Besucher bis heute.

Dem Wirken des Gartenbau- und Landschaftsarchitekten Peter-Joseph Lenné kann man mühelos auf einem Spaziergang durch den „pleasureground“ am eigentlichen „Schloss“ nachgehen. Das Schloss selbst, eigentlich eher eine Art Landhaus im italienischen Stil, bietet dem Besucher noch immer einen Einblick in die Welt des Prinzen Carl. Kein Wunder, dass ich auch schon früh am morgen einer französischen Reisegruppe begegnete, die das Areal bereits wieder verließ, während ich erst mit dem Besuch begann. Der Reisebus auf der anderen Straßenseite hätte mich vorwarnen sollen.

"Große Neugierde"
„Große Neugierde“

Dennoch verliefen sich die Besucher, trotz angenehmem Wetter, doch im Park und so konnte ich in aller Ruhe nach Fotomotiven forschen. Interessant ist, dass man hier aller Orten auf Skulpturen, Mosaike oder sonstige Kunstwerke trifft, die sich einst zu Prinz Carls privatem „Arkadien“ zusammenfügten. Aber, da die „Königsstraße“ nicht weit war, hatte man als Gast des Prinzen auch „große Neugierde“ auf die Passanten, die hier zur Brücke unterwegs waren. Erinnern wir uns: es ist die Zeit vor der Erfindung des Fernsehens und des Internets. Man saß also in der „Großen Neugierde“ (s. Foto) schaute auf die Straße hinaus und lästerte über die Kutschen und Fuhrwerke ab, die vorbeirumpelten. Alles in allem mein Fazit: idyllisch hier, wenn es nicht zu überlaufen ist.

Die Glienicker Brücke, die vom Schloss aus nur einen „Katzensprung“ weit entfernt ist, hat im Jahre 2015 als „bridge of spies“ eine mächtige „Wiederentdeckung“ erlebt. Steven Spielbergs Agentendrama mag nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, dass sich Besuchergruppen in beträchtlicher Anzahl und aus mindestens drei verschiedenen Sprach-Regionen (Spanisch, Englisch, Deutsch…) hier gegenseitig auf die Füße traten, als ich vorbeikam.

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Glienicker Brücke

Verständlich, denn wo einst die Grenze durch Deutschland verlief und die Agenten (nach meiner Zählung offiziell von beiden Seiten: 38) ausgetauscht wurden, kann man heute lässig von Potsdam nach Glienicke spazieren und umgekehrt. Für mich als „altem Sack“, der noch die Mauerzeiten erlebt hat, ist das bis heute noch beeindruckend. So genoss ich auch den Ausblick von der Brücke, der von Sacrow nach Babelsberg reicht. Havellandschaft, so weit das Auge reicht. Kein Wunder, dass sich die Prominenz vergangener Zeiten hier ansiedeln wollte. Bestimmt gibt es auch heute noch den ein oder anderen Oligarschen oder Ölscheich, der gerne Schloss Babelsberg oder Cecilienhof kaufen würde, um dort herumzuprotzen.

Gut, dass diese alten Hohenzollern-Wohnhäuser aber heute von der „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten“, SPSG, verwaltet werden und (noch ???) nicht zum Verkauf stehen. Mit diesem Gedanken und ein paar hübschen Fotos von Schloss Glienicke und der Glienicker Brücke im Gepäck trat ich die lange Heimreise an, denn die S-Bahn weigerte sich mal wieder hartnäckig, die für mich wichtigen Linien zu betreiben. Na, vielleicht musste mal wieder etwas repariert werden.

In diesem Sinne: bis zum nächsten Mal. Immer schön die Termin-Seite überprüfen, wenn Sie beim nächsten Male mit dabeisein wollen. Es könnte sich lohnen, sich von mir ein bischen die Region erklären zu lassen ! 🙂 Oder zumindest auf „Foto-Safari“ zu gehen.

Ihr

Clemens Kurz

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5 Kommentare zu “Ausflug nach Glienicke – Prinzen, Parks und Spione”

    1. Nee, das ist mehr „Havellandschaft“, also Abschnitte der Havel, die z. T. recht eigenwillige, eigene Namen tragen. Zwischen Sacrow und der Potsdamer Innenstadt wären das etwa: „Jungfernsee“, „Glienicker Lake“ und „Tiefer See“. Aber, es ist möglich, mit dem Boot oder Ausflugsschiff über Großen- und Kleinen Wannsee, Pohlesee, Stölpchensee und Griebnitzsee zur Glienicker Lake zu schippern und dort eben unter der Glienicker Brücke durchfahren. Zur Sacrower Heilandskirche rüberschauen kann man von dieser Brücke ohnehin. 🙂 Hab ich die Frage korrekt beantwortet ? Wenn ja: dann wars ein Vergnügen !

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