Verschollene Orte: Schloss „Monbijou“ in Mitte

Schlösser und Landsitze verschwinden. „Monbijou“ macht da keine Ausnahme. Das elegante, kleine Schlösschen in der Stadtmitte wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und von den Bilderstürmern der Nachkriegszeit dann abgeräumt. Was aber war Monbijous Bedeutung und Geschichte für Berlin und Brandenburg?

Es erstaunt mich immer wieder, wieviele alte Hohenzollern- oder sonstige Landsitze, Schlösschen, Residenzen etc. sich heute noch in Berlin und Brandenburg finden lassen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn die Beschädigungen des Zweiten Weltkrieges gaben Egalitaristen und Monarchieverächtern in Ost UND WEST die Gelegenheit, Architektur endgültig zu vernichten, die nicht in ihr Weltbild zu passen schien. Sozusagen „Geschichtsklitterung durch Abriss“ zu betreiben.

Dass diese Chance oftmals NICHT genutzt wurde, ist erstaunlich, wenn man den soeben beschriebenen Zeitgeist dieser Jahre bedenkt. Immerhin ist eine Restaurierung und Wiederherstellung von historischer Bausubstanz ja auch eine kostspielige und langwierige Angelegenheit. Dass z. Bsp. Schloss Charlottenburg noch existiert, grenzt an ein „Wunder“. Meine Mutter selig hat mir in meinen Kinderjahren oft davon erzählt, wie sie mit meinem Onkel gemeinsam nach 1945 noch in den Trümmern dieser heute unzweifelhaft zu den Touristenattraktionen Berlins gehörenden Residenz gespielt hat.

Andere Schlösser hatten nicht soviel Glück. Das durchaus noch restaurable „Stadtschloss“ wurde auf Anweisung aus Moskau zu Gunsten eines „Aufmarschplatzes“ 1950 gesprengt (zumindest, wenn man Aussagen des damaligen Ostberliner Bürgermeisters Friedrich Ebert Glauben schenken will) und ersteht heute für sehr viel Geld als „Humboldtforum“ wieder. Auch das nahegelegene Schloss Monbijou (franz.: „mein Schmuckstück“) ereilte wenige Jahre später der Abriss. Seine Substanz war wohl auch tatsächlich schwerst geschädigt und kaum restaurierbar.

Monbijou hat aber, anders als das Berliner Stadtschloss oder die ehemalige Residenz der Hohenzollern in Potsdam, keine Chance auf eine Wiederauferstehung. Was, offen gestanden, bedauerlich ist, da das kleine, elegant dimensionierte Schlösschen  architektur-ästhetisch mehr hergab, als der Schlütersche Monumentalklotz des Stadtschlosses. Aber zu den Fakten:

MONBIJOU2Monbijou lag ungefähr dort, wo sich heute gegenüber dem Bodemuseum der gleichnamige Park mit Kinderschwimmbad befindet. Für uns also heute „mitten in der Stadt“. Für unsere Vorfahren im 17. Jahrhundert jedoch, als die Stadt Berlin noch immer in ihren Babyschühchen steckte, war diese Lage „Rand“. So sehr, dass man noch bis an die Grenze zum 18. Jahrhundert hier Landwirtschaft betreiben konnte. Erst durch die Übernahme des Geländes durch den Reichsgrafen zu Wartenberg 1706 konnte die Umgestaltung zu einem repräsentativen Stadtpalais beginnen. Aber selbst dieser Diplomat legte sich hier noch eine Menagerie mit Tieren der Region an. Von der Tierhaltung kam man also so schnell nicht weg. 🙂

Die Details des Fortgangs von Monbijou kann man in den einschlägigen, historischen Stadtführern oder Datenbanken nachlesen, weshalb ich hier nicht mit allzuvielen Details langweilen will. Es sei aber darauf hinzuweisen, dass Monbijou im Laufe der Zeit zwei Königinnen als Sitz diente und auch später als Museum vom „einfachen Volk“ gern besucht wurde. Als 1717 der russische Zar Peter I. in Preußen zu Besuch war, ließ er sich hier unterbringen, was zur Folge hatte, dass nach seiner Abreise die Gärten verwüstet waren und die Inneneinrichtung entweder geklaut oder zerstört war. Plündernde Russen sind also kein neues Vorkommnis der Jahre nach 1945 sondern haben eine lange Tradition.

Monbijou wurde im Laufe der Zeit immer wieder erweitert und umgebaut. So legte u. a. der Architekt Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff zwischen 1738 und 1742 hier Hand an und erweiterte den Zentralbau um diverse Seitenflügel. Auch Friedrich der Große besuchte Monbijou, oder vielmehr seine dort residierende Mutter öfters. Letzte „feste“ Bewohnerin war dann die Königin Friederike – Luise, die sich hier von den diversen Demütigungen „erholte“, die die Mätressenwirtschaft ihres Mannes, Friedrich-Wilhelms II. , ihr zufügte. Als sie 1805 verstarb, war Monbijou letztlich nur noch eine, neudeutsch gesprochen, „Event-Location“.

MONBIJOU31877 wird im Gebäude dann das „Hohenzollern-Museum“ gegründet, ein Museum, das weniger der Verklärung dieser Dynastie, als vielmehr der Weiternutzung ihrer kurz zuvor aufgelösten, königlichen Kunstsammlungen und der Nachlassverwaltung diverser Angehöriger dieser Familie diente. So hinterließ z. Bsp. Kaiser Friedrich III. (der „99-Tage-Kaiser“) seine private Bibliothek und Kupferstichsammlung diesem Museum.

Nach einem Bombenangriff 1943 brannte Schloss Monbijou aus und so wurde 1959 schließlich mit dem Abriss begonnen. Die Tage der Königinnen, Prinzen, der Museumsbesucher und Sommerkonzerte im Garten waren damit endgültig vorüber. Heute erinnern zwar noch die Namen einer Brücke, des hier zu findenden Parks und eines Platzes an „Monbijou“, aber die Bedeutung dieses Begriffes verliert sich langsam aber sicher im Bewusstsein derer, die hier zwischen Oranienburger Straße und Museumsinsel herumstreifen. Das nicht mehr sichtbare Schmuckstück verliert sich in Fotoarchiven und Geschichtsbüchern…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s