Persönlichkeiten: Prinz Carl von Preußen

Die Konjunktur von Adels- und Königshäusern lässt in Republiken naturgemäß deutlich nach. Die Zeiten von „Herrschern und Beherrschten“ sind vorüber. Dennoch geht noch immer eine gewisse Faszination von „altem Adel“ und dessen Hinterlassenschaften aus. Fragen Sie mal die Verleger der „yellow press“ oder die „Adelskolumnisten“ diverser Medien.

Prinz_Carl_von_Preußen
Prinz Carl mit ca. 22 Jahren

In diesem Sinne gehen wir mal etwas zurück in der Geschichte und befassen uns mit dem „vergessenen“ Bruder, dem dritten Sohn der Königin Luise von Preußen. Prinz Carl von Preußen (geb. 1801) wußte schon früh, dass er in der Thronfolge so weit hinten anstand, dass er wohl niemals in die Verlegenheit kommen würde, die Krone auf dem Haupte zu spüren. Nach allem, was man heute weiß, war Carl außerdem kein „geborener Soldat“, der im extrem militärfixierten Preußen über eine Karriere im Heer sich einen Stand in der Gesellschaft verschaffen konnte. Ganz im Gegensatz übrigens zu seinem jüngsten Bruder Albrecht, der noch im deutsch-französischen Krieg 1870/71 mit der Kavallerie „ganz vorne“ mit dabei war. Zwar bekleidete auch Carl diverse Ränge im preußischen Militär, wurde aber wohl nie ganz „warm“ mit Disziplin und Gehorsam.

Carl hatte also das Problem, sich in irgendeiner Weise zu profilieren, ohne jemals wirklich Verantwortung übernehmen zu müssen. Da kam es gerade recht, dass nach dem traumatischen, frühen Ableben der geliebten Mutter, Königin Luise, mit dem Freiherrn von Minutoli ein Hauslehrer in Carls Leben trat, der seinem jungen Geist die Schätze von Antike und Renaissance vermittelte. Carls Interesse an mediterranem Flair und künstlerischen Hinterlassenschaften antiker Meister kann heute noch in seiner ehemaligen Sommerresidenz, Schloss (Klein-)Glienicke vom Besucher nachvollzogen werden. (Hier der Bericht von einer Visite dort.)

DSCI1804_compressedKein Wunder also, dass der junge Carl, kaum dass er keinen Hauslehrer mehr brauchte, eine Reise nach Italien antrat, was für die gebildeten Oberschichten ihrer Tage sozusagen fast ein „Muss“ geworden war. Aber nicht nur das, Carl kaufte 1824, kaum zwei Jahre nach seinem ersten Italien-Aufenthalt, das ehemalige Landhaus des verstorbenen Fürsten Hardenberg in Glienicke auf und ließ den prominenten Architekten Carl-Friedrich Schinkel dieses in die Gestalt eines mediterranen Landsitzes umbauen. Er war damit der erste der Söhne Luises, der sein eigenes Sommerhaus besaß. Die Faszination Wilhelms mit dem gegenüberliegenden Babelsberg lässt sich auf diese Konkurrenz zu Carl zurückführen. Bis zu seinem Lebensende 1883 würde Carl immer wieder kleine Veränderungen an Gebäude und Park von Glienicke vornehmen lassen, die sogar oftmals auf seinen eigenen Ideen basierten. Mit Peter-Joseph Lenné arbeitete übrigens noch ein weiteres Genie seiner Zeit an Klein-Glienicke mit. Der Gartenarchitekt schuf im „pleaureground“ von Glienicke eine noch heute einzigartig zu nennende Landschaft mit Sichtachsen quer über die Havel.

Carl selbst, der innenpolitisch als konservativ galt, aber außenpolitisch eher die friedlichen Lösungen favorisierte (und deshalb mit seinem Bruder Wilhelm und mit Bismarck aneinandergeriet) wurde bereits 1853 „Herrenmeister“ des Johanniterordens in Preußen. Dieser heute überwiegend durch seine Sozialwerke bekannte, ehemalige Kreuzritter-Orden wird übrigens auch heute noch von einem Hohenzollern geleitet. (Seit 1999 Prinz Oscar von Preußen.)

Eigentlich politisch sehr wohl interessiert und als Teilnehmer an Sitzungen des Staatsrates auch recht gut informiert, zog sich Carl jedoch nach der Thronübernahme durch seinen Bruder Wilhelm 1861 immer mehr aus dem öffentlichen Geschäfte zurück. Von 1864 – 66 fungierte er noch einmal als Gouverneur von Mainz, wollte aber seitdem endgültig nichts mehr mit dem hochdramatischen, politischen Geschehen dieser Zeit zu Tun haben. Ironischerweiser erhielt er aber gerade für seine ungewollte militärische und seine ebenso erfolglose, diplomatische Karriere später im Leben diverse Auszeichnungen aus dem In- und Ausland.

MARIE_CARLVerheiratet war Carl seit 1827 mit Prinzessin Marie von Sachsen-Weimar-Eisenach. Ironie der Geschichte: diese war die drei Jahre ältere Schwester der Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, die 1829 sein älterer Bruder Wilhelm heiraten musste, nachdem dessen Avancen gegenüber Elisa von Radziwill als „unstandesgemäß“ vom preußischen Hofe verworfen worden waren. Yellow-Press-Nachrichten in Reinkultur, aber auch heute noch gerne von Schlossführern etwa in Babelsberg nacherzählt, wie ich mich vor einiger Zeit mit eigenen Augen und Ohren überzeugen konnte. Immerhin: Carl und Marie hatten drei Kinder, die ihren Zweig des Hauses Hohenzollern fortführten.

Wilhelm hingegen, dem Carls Distanz zu seinem Regiment über den preußischen Staat sehr wohl bewusst war, soll im launigen Gespräch einmal die drei ältesten Söhne seiner Mutter so beschrieben haben:

Wenn wir nicht königliche Prinzen gewesen wären, hätte Friedrich – Wilhelm einen brotlosen Künstler gegeben, ich wäre ein leidlicher Unteroffizier geworden und Carl wäre im Gefängnis gelandet.

Wilhelm spielt hier auf die oftmals in einer Art „Grauzone“ liegenden Mittel und Wege an, mit denen Carl sein Glienicker „Arkadien“ und sein Berliner Stadtpalais am Wilhelmplatz mit neuen Kunstwerken bestückte. Bestechung, Druck und andere, zweifelhafte Methoden sollen oftmals zur Überlassung von Relikten der Antike an Carl geführt haben. Das sind sicher heutigen Kunstammlern auch nicht ganz unvertraute Tricks.

Carl verstarb 1883, fünf Jahre vor seinem älteren Bruder Wilhelm, der als „Oller Kaiser Willem“ schon zu Lebzeiten eine irrationale Verehrung erfuhr, die Carl nie zuteil wurde. Er ist heute ein weitgehend vergessener Prinz, der nur noch in Klein-Glienicke ein wenig weiterlebt.

 

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