Persönlichkeiten: Luise-Henriette – die tatkräftige Fürstin

Die Ehefrauen der Hohenzollern waren oftmals nur Nebenfiguren im Spiel der politischen Allianzen und Konflikte. Selten gelang es ihnen, aus dem Schatten ihrer Ehemänner hervorzutreten. Aber jede Regel hat ihre Ausnahmen. Einige Fürstinnen und Königinnen haben eigene Akzente gesetzt, die man heute natürlich gerne betrachtet und würdigt.

Eine der Ehefrauen der Hohenzollern, die sich in der kurzen Zeit ihres Lebens ein eigenes Profil zu schaffen verstanden, war Luise-Henriette von Nassau-Oranien. Als Prinzessin aus niederländischem Fürstenhause hatte sie vielleicht auch einen anderen Blickwinkel auf „ihr“ vom 30-jährigen Krieg zerstörtes Brandenburg und die Möglichkeiten, die ein Neuanfang auf der Asche der Zerstörung bot.

Friedrich-Wilhelm und Luise-Henriette
Friedrich-Wilhelm und Luise-Henriette

Begonnen hatte ihr Abenteuer eigentlich als typische, arrangierte Fürstenhochzeit. Holland und Brandenburg wollten ihre gegenseitige Verbindung stärken und da bot sich diese Verbindung an. Luise-Henriette (geb. 1627 in Den Haag) und ihr Mann Friedrich-Wilhelm hatten eigentlich andere „Ziele“ als Ehepartner favorisiert. Aber weder die Hochzeit Luise Henriettes mit dem Englischen Thronfolger Charles, noch die Ehe Friedrich-Wilhelms mit der eigenwilligen Kronprinzessin Christine von Schweden ließen sich verwirklichen. Als Luise Henriette 1646 mit 19 Jahren Friedrich-Wilhelm von Brandenburg heiratete, sah ihre Zukunft im vom Krieg verwüsteten Brandenburg mit dem ihr nicht gerade vertrauten Ehemann eher deprimierend aus.

Aber das Großartige an dieser Fürstin war u. a. ihr calvinistischer Pragmatismus. Wenn man vom Leben Zitronen bekommt, macht man eben Limonade draus, so sagt man heute noch in den auch vom Calvinismus angehauchten USA. Und das hätte auch Luise-Henriettes Motto sein können. Denn die kleine, schwarzhaarige, kränkelnde, schmal gebaute und kreidebleiche Kurfürstin packte ordentlich an, sobald sie Brandenburgischen Boden betrat. Das ihr 1650 von Friedrich-Wilhelm überlassene, ehemalige Hohenzollern-Jagdschloss Bötzow gestaltete sie in Nullkommanichts in einen Musterbetrieb nach holländischem Vorbild um. Ein neues Schlossgebäude, dort drinnen eine Keramik-Sammlung, von Experten gezogene Entwässerungskanäle, eine Stiftung für Waisenkinder, sie ließ nichts aus, um für positive Veränderungen zu Sorgen. Kein Wunder, dass Bötzow schon bald (und bis heute) Oranienburg hieß, nach der Familie, aus der Luise-Henriette stammte. In dieser Stadt steht seit 1858 auch das Denkmal, dessen Foto ich hier als „Beitragsbild“ im Kopf benutze. Oranienburg liebt Luise Henriette noch heute, benennt sein Gymnasium nach ihr. Und das nach Jahrhunderten. Das muss man erstmal hinbekommen.

Dass bedingt durch ihre Familienbande auch viele ihrer niederländischen Landsleute als Fachleute und Künstler ins Land strömten, hat Brandenburg ebenfalls nicht geschadet. Ganz im Gegenteil. Insbesondere von der holländischen Kunst, Sumpflandschaften sinnvoll zu entwässern und damit für landwirtschaftliche oder andere Nutzung vorzubereiten, profitierte Brandenburg nachhaltig. Guter Boden ist schließlich selten in der „Streusandbüchse“. Bis heute.

Das gemeinsame, calvinistische Bekenntnis und die geteilte Sorge um das Wohlergehen Brandenburgs ließen auch die Ehe mit dem Kurfürsten eine positive Wendung nehmen. Aus zeitgenössischen Quellen wird nämlich deutlich, dass sich diese beiden Eheleute schon bald wirklich zugetan waren. Was bei den unterschiedlichen Charakteren (Friedrich Wilhelm galt als ausgesprochen jähzornig, eine Hohenzollern-„Krankheit“, die sich noch öfter im Herrscherhause zeigen sollte, man denke an seinen Enkel, den „Soldatenkönig“ gleichen Namens) sicher nicht zu erwarten gewesen war. Immerhin war die Oranierin eine besonnene, ruhige, aber letztlich ebenso wie ihr Mann sehr zielstrebige Frau.

LUISE_HENRIETTE1Diverse politische Schachzüge des Kurfürsten hat sie mit Rat und Tat begleitet. Friedrich-Wilhelm war ja mit der Kunst Oranienscher Staatsführung aus seinen Jahren als „Exilant“ (1634-38) in den Niederlanden vertraut. So wird ihr etwa auch eine wichtige Rolle beim Abschluss des Vertrages von Oliva von 1660 zugerechnet, der die Lehnshoheit Polens über Friedrich-Wilhelms Provinz Preußen aufhob. Der „Herzog von Preußen“ war jetzt zwar in dieser Funktion noch kein deutscher Reichsfürst geworden, aber dem polnischen König auch nicht mehr zur Rechenschaft verpflichtet. Eine Tatsache, die Friedrich-Wilhelms und Luise Henriettes Sohn später eiskalt lächelnd ausnutzen wird.

Aus der Ehe Luise Henriettes gingen sechs Kinder hervor, von denen aber nur der „schiefe Fritz“, das Sorgenkind und der eben erwähnte lächelnde Sohn, den Vater überlebte und somit den Kurhut von ihm erben konnte. Es ist jener „Friedrich I. IN Preußen“, der sich 1701 in Königsberg die Krone selbst aufsetzen wird. Ohne den Frieden von Oliva undenkbar, aber das ist aber eine andere Geschichte. Immerhin konnte Friedrich sich dafür posthum bei beiden Eltern bedanken.

Aber zu diesem Zeitpunkt im beginnenden 18. Jahrhundert ist seine Mutter bereits verstorben. Luise Henriette von Nassau-Oranien, immer kränklich, was ihr aber nie die Energie für Ausritte und Staatsbesuche im Gefolge ihres Mannes nahm, starb bereits 1667, im zarten Alter von nur 39 Jahren, in Cölln an Tuberkulose. In direkter Nähe zu diesem Ort, in der Grablege der Hohenzollern unter dem heutigen Berliner Dom, fand sie ebenso wie Friedrich-Wilhelm ihre letzte Ruhestätte. Ein Augenzeugenbericht über ihren Todestag, den 16. Juni, endet mit folgenden Worten:

Wir haben verloren, was wir auf dieser Welt nicht werden wieder finden.

In diesem Sinne, gedenken wir doch (auch am 16. Juni) dieser Fürstin, die es sich nicht nehmen ließ, ihr Leben anzupacken, die ihre Rolle als Ehefrau eines den Niederlanden aus eigener Anschauung sehr gewogenen, deutschen Fürsten intelligent und aktiv zu spielen wusste. Eine Frau, die immer auch das Wohl „ihres“ Brandenburg, dessen Dialekt sie zeitlebens nicht so recht beherrschte, im Auge behielt.

P.S.: Die große Verehrung der Niederlande durch den Kurfürsten schlug sich übrigens auch in seiner Kumpanei mit dem holländischen Freibeuter Benjamin Raule nieder. Diese Geschichte können Sie HIER NACHLESEN ! 🙂

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