Verschollene Orte: Das Palais des Prinzen Carl am Wilhelmplatz

Als Berlin Residenzstadt wurde, war es für den Hochadel natürlich auch geboten, sich in der Nähe des Fürsten anzusiedeln. Später schien es auch für den Dienst- und Verdienstadel ein Privileg, in Berlin ein Stadtpalais zu unterhalten. Viele davon haben jedoch die Stadtentwicklungspläne und Kriegseinflüsse nicht überstanden. So wie das ehemalige „Ordenspalais“ am Wilhelmplatz.

1738 erbaute sich der Johanniter-Orden eine Dependance in Berlin. In der Berliner Friedrichstadt, in der Wilhelmstraße erbaute Jean de Bodt für sie einen zweigeschossigen Barockbau mit Walmdach. 1811, als der Johanniter-Orden in Preußen zunächst aufgelöst wurde, fiel das Gebäude an den Staat.

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Prinz Carl von Preußen

1829 kaufte Prinz Carl von Preußen die Immobilie als Stadtpalais. Er konnte eben nicht permanent in seinem privaten, kleinen Italien in Klein-Glienicke wohnen. Für die Modernisierung, vor allem des Inneren, engagierte Carl natürlich Preußens Vorzeige-Architekten Carl-Friedrich Schinkel. Dessen Idee einer gußeisernen Treppe im Gebäude war damals „revolutionär“. Ironischerweise wurde Carl 1853 zum Herrenmeister des wiedererstandenen Johanniter-Ordens ernannt und war so praktisch schon „am richtigen Ort“. Carl und seine Nachfahren bewohnten das Palais bis 1918.

Nach einem längeren Rechtsstreit zwischen diesem Zweig der Hohenzollern und dem Land Preußen konnte schließlich das Reichspresseamt während der Weimarer Republik das Gebäude nutzen. In der NS-Zeit wurde hier die Zentrale des „Reichministeriums für Volksaufklärung und Propaganda“ eingerichtet. Ein Erweiterungsbau zur Mauerstraße hin wies auf die Bedeutung von Joseph Goebbels Phrasenmaschine hin. Dieses Gebäude wurde übrigens später zum Sitz der „Nationalen Front der DDR“ und ist heute Sitz des Arbeitsministeriums.

ADN-ZB/Archiv II. Weltkrieg 1939-45 Blick auf das während eines alliierten Luftangriffes zerstörten Reichspropagangaministerium am Wilhelmplatz in Berlin; aufgenommen am 13. März 1945. (Hoffmann) 320-45
ADN-ZB/Archiv
II. Weltkrieg 1939-45
Blick auf das während eines alliierten Luftangriffes zerstörten Reichspropagangaministerium am Wilhelmplatz in Berlin; aufgenommen am 13. März 1945.
(Hoffmann)
320-45

Das Hauptgebäude wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und schließlich 1949 komplett abgetragen. Schinkels Ideen fielen also ein weiteres Mal den Folgen der NS-Diktatur zum Opfer. Dass aber auch das demokratische Deutschland mit Schinkels Hinterlassenschaft sträflich leichtfertig umgeht, beweist die Friedrichswerdersche Kirche, die letztlich ab und an wieder in der Presse auftauchte. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, die nichts mit dem Palais des Prinzen Carl zu tun hat.

Es bleibt ein bitterer Beigeschmack, eine Mischung aus „Recht geschehen, dieser Bau musste verschwinden.“ und „Warum muss klassische Architektur den Preis für den Nazi-Wahn bezahlen ?“ Wenn ich bedenke, wie viele NS-Bauten den Krieg überstanden haben… Heute steht auf dem Grund und Boden übrigens eine ästhetisch wenig ansprechende“Europa“-Grundschule aus der DDR-typischen Betonplatte.

In diesem Sinne, bis bald

Ihr

Clemens Kurz

Serie „Stadtpalais in Berlin und Brandenburg“:

Teil 1: das Prinz-Heinrich-Palais in Spandau,
Teil 3: das Prinz-Albrecht-Palais in Berlin

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