Rückblick: 130 Jahre Fort Hahneberg

Fort Hahneberg, am westlichen Stadtrand von Berlin gelegen, könnte ein sagenumwobener Ort sein. Wenn er nicht so gut erforscht wäre. Immerhin sieht man von außen fast nichts von diesem Festungsbau, der 1886 fertiggestellt wurde. Er ist nämlich in eine kleine Bodenerhebung eingelassen, die von Bäumen bewachsen ist. 

DSCI2157_compressedMein Vater selig immerhin erzählte mir als Kind zu Mauerzeiten noch von dem alten „Fort“, welches sich da im Grenzgebiet verborgen hielte. Welche Assoziationen ich damals mit dem Wort „Fort“ hatte, muss ich Ihnen, liebe Leser, wohl nicht weiter erklären. Man wuchs ja schließlich damals noch mit Westernfilmen und Karl-May-Romanen auf. Wie lange ist das schon her…

Aber Fort Hahneberg hat seinen Dornröschenschlaf hinter sich. Mit dem Mauerfall drangen auch die ersten „Zeitgeschichtsarchäologen“ auf das ehemalige Grenzgebiet vor, begannen bald damit, es zu sichern und für die spätere historische Bearbeitung vorzubereiten. Aus dieser kleinen Enthusiasten-Gruppe entstand dann 1993 der Verein „Arbeits- und Schutzgemeinschaft Fort Hahneberg e. V.“, welcher am 130. Jubiläum der Fertigstellung nun eine kleine, bunte Festivität abhielt, die den Besuch lohnte.

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Leierkasten-Frau mit Sonnenschutz.

Das Wetter meinte es ebenfalls gut mit dem Veranstalter, so dass der Besuch durchaus angenehm verlief. Zunächst mal bemerkte ich, dass die völlig politisch unkorrekte Beflaggung des Geländes in den Farben Schwarz-Weiß-Rot bzw. mit der inzwischen hierzulande eigentlich gesetzlich verbotenen „Reichskriegsflagge“ des Kaiserreiches (s. Anm. unten !) mich ein wenig irritierten, so sehr sie auch ins Ambiente des Ortes und des Anlasses passten. Ob der Verein dafür eine Sondererlaubnis einholen musste, habe ich lieber gar nicht erst gefragt. Ich vermute, dass auf „Privatgelände“ das Zeigen bestimmter Symbole zum Zwecke der „Brauchtumspflege“ noch legal ist. Aber seis drum.

Stattdessen staunte ich lieber über die vielen, freiwilligen Uniformträger, die sich hier versammelten. Da waren Traditionsvereine aus Berlin und Nauen mit dabei, denen man ansah, wie akribisch sie die Tradition historischer Regimenter des alten Brandenburg-Preußen pflegten. Die benachbarten Nauener hatten gar gleich eine kleine Kanone mitgebracht, die sie zum Salut dann mehrfach abfeuerten, was mir die Ohren klingeln ließ. Immerhin wurde man durch den Veranstalter jedes Mal vorgewarnt, wenn das kleine Ungetüm losknallte. Wieviele derjenigen Damen und Herren, die hier ihre Traditionsuniformen trugen, wohl sonst zum Pazifismus neigen oder jegliches „martialisches Getue“ eigentlich ablehnen ? Auch dieser Gedanke verließ mich bei meinem Besuch nicht mehr.

DSCI2185 (2)_compressedWie dem auch sei: Als dann auch noch der Fürst Bismarck leibhaftig vor mir stand, dachte ich, ich wäre in einer Art Zeitparadox gefangen. Ich musste mir sehr genau überlegen, in welchem Jahrhundert ich gerade bin, denn immerhin begleiteten den Ex-Reichskanzler auch noch Damen in historischen Kleidern. Es hatte der Bezirksbürgermeister von Berlin-Spandau, Herr Kleebank, dann allerdings auch keine Berührungsängste mit dem Fürsten, so dass er sich zu einem Besuch und ein paar freundlichen Worten zur Eröffnung der Feierlichkeiten herabließ. Sichtlich darum bemüht, dem militärischen Abiente eine zivile Komponente abzugewinnen, sprach der Bürgermeister denn auch von der Umwandlung Hahnebergs zum Ort von zeitgeschichtlicher Bildung und Öko-Tourismus.

Ich erlebte noch, wie der „Spielmannszug Pankow“ (, der zu nicht unerheblichen Teilen aus Damen bestand, als nix „SpielMANN“) musizierend das Fort betrat und vom Veranstalter freudig begrüßt wurde. Da machte es auch nicht so viel aus, dass der Grillstand, der die Besucher mit jahreszeittypischen Fleisch-Delikatessen versorgte, z. T. den kleinen Hof dermaßen vollrauchte und vollstank, dass man immer ein wenig auf die Windrichtung achten musste, um nicht permanent zu husten. Ich bemerkte auch die angenehme Kühle im alten Gemäuer, wo eine sehr interessante Foto-Reihe aufzeigte, wie bestimmte Teile des Forts vor 1945, unmittelbar nach der Wende 1990 und nach 2010 aussahen. Die Tatsache, dass immer der Blickwinkel der Fotos anhand einer Übersichtskarte des Forts dargestellt war, half sehr dabei, sich zurechtzufinden.

DSCI2223_compressedAlles in allem ein amüsanter Ausflug an einen historischen Ort, der sich heute als Rückzugsgebiet von Fledermäusen auch als ökologisch wertvolles Biotop präsentiert. Von den Ziegen, die sich am Hang des Hahneberges tummelten um sozusagen als „ökologisch einwandfreie“ Rasenmäher zu dienen, mal ganz zu schweigen. Nachdem ich so ein paar Stunden in diese lustige Subkultur voller selbstgenähter Uniformen (meine Bewunderung für jeden, der das kann und auch noch historisch akkurat hinbekommt), Kleider aus dem 19. Jahrhundert und Drehorgelmusik eingetaucht war, machte ich mich schließlich wieder auf den Heimweg. Ich hörte, erst 1888 hätte das Fort dann seinen Betrieb aufgenommen. Vielleicht feiert der ASG Fort Hahneberg e. V. dann in zwei Jahren ja wieder… 🙂

Anm.: Ich wurde durch einen Vertreter der ASG Fort Hahneberg unlängst per mail darauf hingewiesen, dass nur das Zeigen der kaiserlichen Reichskriegsflagge auf politischen Demonstrationszügen und bei vergleichbaren Veranstaltungen illegal sei. Im Rahmen der Traditionspflege und aus passendem Anlass gibt es scheinbar keine juristischen Einwände. So lernt man immer dazu ! 🙂

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