Ausflugstip: der „Grunewaldturm“

Berlin-Brandenburg ist relativ flach. Die Alpen und selbst die Mittelgebirge sind weit weg. Aber vielleicht gerade deshalb sind Orte mit gutem Aus- und Überblick hier sehr beliebt. Funk-, Fernseh- und Zitadellen-Türme werden gerne zum Hochkraxeln, oder mit dem Fahrstuhl erklimmen und „einen-Blick-riskieren“ genutzt. In diese Kategorie fällt auch der Grunewaldturm im gleichnamigen Forstgebiet. 

Wussten Sie, dass wir dem Grunewald indirekt die Existenz des Kurfürstendamms verdanken ? 🙂 Richtig, die Kurfürsten von Brandenburg wollten vom Berliner Stadtschloss aus ihr „Jagdschloss“ im „grunen Walde“ einigermaßen komfortabel erreichen können. Dafür wurde ein Knüppeldamm geschaffen, auf dem man zumindest einigermaßen bequem daherreiten konnte. Daraus entwickelte sich dann im Laufe der Zeit die Repräsentiermeile des Charlottenburger Südwestens.

Wie komme ich nur gerade darauf ? Ach, ja, im Grunewald steht seit 1899 ein Turm, der einem Nachfahren dieser Kurfürsten gewidmet wurde. Das Projekt dieses Aussichtsturmes mitten im Wald stammt noch aus der Zeit, als der Grunewald dem Brandenburger Landkreis Teltow unterstand. Berlin reichte damals gerade mal bis zum Charlottenburger Tor am Zoo.

Also der Landkreis Teltow beschloss 1897, zum 100sten Jahrestag seines Geburtstages, dem ersten, deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern zum Gedächtnis etwas Symbolisches Errichten zu wollen.  Da die Gedächtniskirche schon existierte, stand ein Kirchenbau also nicht mehr zur Auswahl, da kam man auf die Idee, im Berlin-nahen Grunewald einen Turm zu errichten, der zwar nicht „babylonisch“ sein sollte, aber dennoch hübsch repräsentativ zu sein hatte.

FRANZ_SCHWECHTEN
Franz Schwechten

Der Architekt Franz Schwechten (richtig, der Kerl, welcher den alten „Anhalter Bahnhof“ und die o. e. Gedächtniskirche entworfen hatte) wurde für das Projekt gewonnen und dieser zauberte dann einen aus dem landestypischen, roten Backstein zu bauenden, 55 m hohen Turm, dessen Aussichtsplattform auf 36 m Höhe liegt. Dieser „Kaiser-Wilhelm-Turm“ schmückt die Landschaft und ist seitdem auch vom Wasser her immer gut zu erkennen.

Zum Thema „Fassadenschmuck“ schreibt wikipedia folgendes, was ich mir hier mal „klaue“:

Geschmückt ist der Turm mit einem umlaufenden Gurt, in den auf der West- und Ostseite Inschriften integriert wurden, und zwei Wappen, die sich jeweils oberhalb der Inschriften befinden. Das der Havel zugewandte Wappen zeigt den roten brandenburgischen, das dem Wald zugewandte den schwarzen preußischen Adler. Die Inschriften lauten „Koenig Wilhelm I. zum Gedaechtniss“ und „Der Kreis Teltow baute mich 1897“.

Mein alter Grundschul-Klassenlehrer fragte uns Schüler immer frech, warum hier auf den „König“ Wilhelm Bezug genommen wurde, obwohl der Turm „Kaiser-Wilhelm-Turm“ hieß. Was für ein ausgefuchster Hund dieser Mann doch war. Ruhe er in Frieden. Ups, ich weiche schon wieder ab. Also die Antwort war ebenso banal, wie einfach: Die Deutschen Kaiser waren und blieben bis 1918 auch immer Könige von Preußen. Auf welchen Titel man sich bezog, war wohl für die Teltower und Schwechten eine „Geschmacksfrage“.

Grunewald, Unterhavel und Turm
Grunewald, Unterhavel und Turm

Nun, alte Türme müssen auch ab und an restauriert werden, was dem seit 1948 „Grunewaldturm“ benannten Gebäude 1953 und 2007 passierte. Sonst wäre er vielleicht schon zusammengefallen. Das hätte dem seit 1902 in der Empfangshalle stehenden, übergroßen „Kaiser Wilhelm“ des Bildhauers Ludwig Manzel sicher gar nicht gefallen.

Wer also nach dem Ersteigen von 204 Stufen mal auf 86 m über dem Wasserspiegel der Havel einen Blick über die Landschaft werfen möchte, der kann dies bis heute vom Grunewaldturm aus tun. Vielleicht lohnt es sich, ein Fernglas o. ä. mitzunehmen ! 🙂

Informationen:

  • Adresse: Havelchaussee 61, 14193 Berlin
  • Anreise mit den „Öffentlichen“: Bus 218 bis Haltestelle „Grunewaldturm“.
  • Eintritt: 3 Euro
  • Öffnungszeiten: täglich ab 10.00 Uhr bis ca. 22.00 Uhr
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