Rathenower Rundgang – ein Tag in der Havelstadt

Die „Optikstadt“ Rathenow an der Havel bietet sich für einen Tagesausflug von Berlin aus geradezu an. Mit dem Zug fix erreichbar, wartet hier einiges an interessanter Stadtgeschichte auf den Besucher. Ich hab mir mal den Spaß gegönnt. Hier mein ganz persönlicher Eindruck:

Mehrere Städte in Brandenburg feierten im Jahre 2016 ihre 800-jährigen Stadtgeburtstage. Eine Urkunde aus dem Dezember 1216, in welcher der Bischof von Brandenburg seine Besitztümer im Bereich von Ober- und Unterhavel auflistet, macht dies möglich. Oranienburg gehört ebenso zu dieser Liste, wie das westhavelländische Rathenow. Beide Städte habe ich nun besucht.

Havelblick über Rathenows Altstadt
Havelblick über Rathenows Altstadt

Rathenow im West-Havelland liegt an der Havel. Wer etwas Glück hat, bekommt dies unmittelbar nach dem Verlassen der Bahn bereits zu spüren. In Form eines böigen, im Sommer aber doch z. T. erfrischenden Windes, der vom Wasser her über die Stadt weht. Ab der Mittagsstunde mag es zwar nur noch bewegte, warme Luft sein, aber besser als stehende Hitze ist es allemal.

A propos „Bahnhof“. Dass sich Rathenow als „Stadt der Optik“ versteht und diesen Ruf Johann Heinrich August Duncker verdankt, wird bereits deutlich, wenn man den Bahnhof verlässt. Auf dem Platz vor dem Bahnhofsgebäude steht eine Büste des „Begründers der optischen Industrie“ in Preußen. Durch die Erfindung einer besonderen Schleifmaschine hatte er zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Fertigen von Linsen für diverse optische Nutzungen vereinfacht.

Jetzt steht ein kleiner Stadtspaziergang an, wenn man den historischen Stadtkern Rathenows erreichen will. Dabei passiert man u. a. das malerische Landratsamt am „Platz der Freiheit“ und das Rathenower Rathaus. Schon bald danach ist man im historischen Zentrum der Stadt angelangt, wo den Besucher die schmale Stadtschleuse, ein wuchtiges Denkmal für den „Großen Kurfürsten“ Friedrich-Wilhelm, die alte „Hafenpromenade“, die Kirche St. Marien-Andreas und das Geburtshaus des schon erwähnten Johann Heinrich Duncker erwarten. Wie ich finde, lohnenswert. Und vergessen Sie um Himmels willen ihre Kamera (notfalls im smartphone) nicht !

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Seerose im Optikpark

Vielleicht größtes Plus der Stadt ist aber der „Optikpark“ Rathenow. Hier finden Veranstaltungen statt, hier kann man bei schönem Wetter flanieren, auf einer Bank sitzend sinnieren oder eine Sonnenliege benutzend etwas für die „gesunde Bräune“ tun. Ein nettes, kleines Café lädt auf ein Bierchen ein und wer gerne auf einem Karpfenteich spazierengeht, kann dies hier tun, während er die verschiedenen, extra hier gepflanzten Seerosen betrachtet.

Ich gestehe es: ich habe den Optikpark hauptsächlich dafür genutzt, um den bisherigen Spaziergang ein wenig abzuschütteln, um hier, wo an diesem Tag glücklicherweise nur wenige Leute unterwegs waren, ein gehöriges Stück zu entspannen. Hab ein „Picknick“ mit Brötchen, Limonade und Keksen eingelegt und das schöne Nichtstun genossen. Ein kleiner Kritikpunkt: der Eintritt im Optikpark erscheint mir im Verhältnis zu dem, was man als Gegenwert bekommt, ein wenig zu hoch zu sein, sorry, liebe Rathenower.

Davon abgesehen aber, kann man aus dem Park noch einen flotten Spaziergang auf den „Weinberg“ hinauf machen. Über die Weinbergbrücke, eine insgesamt 348 m lange Stahlkonstruktion, die zur Bundesgartenschau 2015 errichtet worden war, gelangt man dann auf die ehemaligen Friedhofsauen, die heute einen etwas gruselig wirkenden Park ergeben, weil hier noch immer einzelne Grabsteine zu finden sind.

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Bismarckturm

Den Stadtspaziergänger erwartet dann aber der „Bismarckturm“ auf dem Weinberg. Das Gebäude, welches seinen Namen aber ein wenig irritierenderweise noch immer trägt, obwohl die Bismarck-Statue, die hier einstmals überdacht wurde, schon seit 1942 nicht mehr existiert. Also ein Bismarckturm ohne Bismarck, was die Damen, die hier das Eintrittsgeld kassieren, jedoch leider humorlos zur Kenntnis nahmen. Mein Humor ist offensichtlich nicht ansteckend. 🙂 Der Blick von hier oben nach Süden und Westen über die Stadt hinaus ist aber beeindruckend. Insofern absolut zu empfehlen!

Jetzt tippelte ich wieder den Berg hinab zum „alten Hafen“ und der „Kirchberg-Brücke“, welche mich sicher zum alten Stadtkern brachte. Hier findet sich u. a. das örtliche Büro des westhavelländischen Tourismus-Vereins. Großzügige Öffnungszeiten ermöglichen es dem Rathenow-Besucher, sich hier Informationen vielseitiger Art zu erfragen oder zuallermindest einen hübschen, kostenfreien Stadtplan zu erhalten. Damit man sich nicht verläuft.

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Kirchbergbrücke, Wasservorhang und Stadtkanal

Hier am alten Hafen und der Stadtschleuse konnte man auch den Bootskorso, der anlässlich der 800-Jahrfeier ausgerichtet wurde und an dem 70 Boote teilnahmen, verfolgen. Ein echtes Fest mit „Musike“ einem Feuerwehr-Löschfahrzeug, das einen Wasservorhang über den „Stadtkanal“ legte und…jeder Menge Leute fand hier statt. Ich blieb noch bis die ersten Schiffe durch die Stadtschleuse gefahren kamen und machte mich dann wieder auf den Weg heim.

Einziges, aber leider markantes Manko von Rathenow ist leider die Tatsache, dass dort niemand zu „müssen“ scheint. Öffentliche Toiletten sind leider nicht existent und ich meine das wörtlich so. Die klassische oder neumodische „Bedürfnisanstalt“ fehlt komplett im Stadtbild und ich begann mich bereits zu fragen, ob die Rathenower vielleicht allesamt biologische Phänomene seien, die ihre Nahrung in Form von Kohlendioxid oder Sonnenlicht ausscheiden. Einzig im kostenpflichtigen Optikpark gab es Toiletten und ich bin mir nicht sicher ob der Gang zur Porzellanschüssel tatsächlich mehrere Euro wert sei, sollte man sonst nichts im Park zu tun haben. In meiner Stadt ist diese Freude irgendwo zwischen 20 und 50 Cent zu haben.

Ansonsten aber ist Rathenow einen Ausflug wert. Wer Zeit und Ruhe mitbringt und bereit ist, sich auf Lokalgeschichte einzulassen, der kann hier was erleben ! 🙂

Adresse der Touristinformation Rathenow:

 

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