Verschollene Orte: der Flugplatz Staaken

Berlin und die Luftfahrt. Das ist eine Geschichte für sich und bestimmt haben Historiker darüber schon viele Bücher verfasst. Innerhalb der Stadtmauern gibt es bis heute nur noch einen, betriebsbereiten Flughafen: Tegel. Und auch diesen nur, bis die „neverending story“ in Schönefeld doch noch einen guten Abschluss findet. Aber die Geschichte der Stadt hält mehr Flugplätze bereit…

Schon vor einigen Monaten brachte ich hier in den Blog einen Beitrag über das älteste, Berliner Flugfeld ein, den ehemaligen Flugplatz Johannisthal. Aber Berlin und die unmittelbare Umgebung haben noch viel mehr verlassene Orte der Luftfahrtgeschichte zu bieten. Der vielleicht prominenteste, weil noch bis 2008 in Betrieb befindliche, ist wohl das heutige „Tempelhofer Feld“, der ehemalige Flughafen Tempelhof THF.

Vergessen hingegen ist der Flugplatz Staaken am westlichen Stadtrand Berlins. So gut wie nichts findet sich noch von den Anlagen des Flugfeldes. Das Rollfeld ist heute ein „Solarpark“ und nur eine kleine Straße namens „Am Zeppelinpark“ erinnert an die Existenz des Staakener Flugplatzes. Der aber eine interessante Geschichte hatte, weshalb ich hier mal ein paar Eckpunkte erwähnen möchte.

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges wurde dem Militär klar, dass man in Potsdam, Gotha und Friedrichshafen nicht genügend militärische Zeppeline bauen kann und so wird von der „Luftschiffbau Zeppelin GmbH“ 1915 ein Gelände südlich der sog. „Eichholzbahn“ im damals noch selbständigen Ort Staaken gekauft. Dort errichtet man zwei riesige Luftschiff-Hallen und beginnt mit der Produktion. Ein Jahr später, 1916 wird das erste Luftschiff, LZ-75, fertiggestellt und übergeben. Insgesamt werden in Staaken bis Kriegsende 12 Luftschiffe gebaut.

Zeppelin-Staaken R VI
Zeppelin-Staaken R VI

Im selben Jahr 1916 nutzt man die Kapazitäten Staakens dann auch zur Fertigung des „Zeppelin-Staaken R VI“-Langstrecken-Bombers. Ein Doppeldecker mit über 42 m Spannweite, der damit das größte Bombenflugzeug des Ersten Weltkrieges darstellt. Insgesamt 9 dieser „Giganten“ werden bis Kriegsende gefertigt. Sie flogen Einsätze in Frankreich und England. Staaken macht also (Militär-) Luftfahrtgeschichte.

Nach dem Krieg ist durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages erst einmal Schluss mit der Militärluftfahrt. Stattdessen werden in Staaken zivile Verbindungen mit Zeppelinen und Flugzeugen eingerichtet. 1922 etwa ein Liniendienst nach London. Da ist Staaken (komischerweise aber nicht das Rollfeld, das weiter im Brandenburger Landkreis Osthavelland liegt !) schon seit zwei Jahren ein Ortsteil im „Groß-Berliner“ Bezirk Spandau.

Szene aus "Metropolis"
Szene aus „Metropolis“

Ab 1923 werden dann in der noch verbliebenen Luftschiffhalle (eine musste auf Anordnung der Alliierten abgerissen werden) Filme gedreht. So hält sich bis heute hartnäckig das Gerücht (was ich deswegen für plausibel halte), dass Szenen für Fritz Langs bahnbrechendes Meisterwerk „Metropolis“ in Staaken gedreht worden seien. Staaken macht also wieder Geschichte. Ab 1934 ist dann aber mit dem Drehen Schluss.

sorry für das "verfassungsfeindliche Symbol" am Querruder. Ist halt ein Originalbild.
sorry für das „verfassungsfeindliche Symbol“ am Querruder. Ist halt ein Originalbild.

Aber noch einmal macht Staaken Geschichte, denn am 10. August 1938 fliegt von Staaken aus eine Focke-Wulf 200 mit der Kennung „D-ACON“ (und dem Namen „Brandenburg“) nonstop nach New York. Die erste bodengestützte Passagiermaschine, der dies gelingt. In knapp 25 Stunden. Auf der Rückreise landet sie jedoch triumphal gefeiert…in Tempelhof. Ein Zeichen dafür, dass Tempelhof längst die Nr. 1 der Flughäfen Berlins geworden ist und Staaken letztlich nur noch Schulungsflugplatz und Servicestützpunkt ist. Witziges Detail: Die FW-200 besaß mit knapp 33 m Spannweite fast 10 m WENIGER Spannweite als eine „Zeppelin-Staaken R VI“ von 1917.

Na, und nun ist das Ende Staakens als Luftstützpunkt schnell erzählt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wird Staaken aufgegeben. Die Rote Armee übernimmt die Anlage praktisch ohne Gegenwehr, kann aber aufgrund der Lage unmittelbar an der „Sektorengrenze“ zum Britischen Sektor Berlins nur wenig damit anfangen. Auch der „Gebietsaustausch“ mit den Briten, der dafür sorgt, dass die Betriebsgebäude des Flugplatzes Staaken dann komplett in die „Sowjetisch Besetzte Zone“ fallen, hilft nicht mehr viel. Gegen 1948 wird der Standort zu Gunsten anderer Flugplätze aufgegeben.

Heute erinnert, wie eingangs bemerkt, nur noch eine kleine Straße mit dem Namen „am Zeppelinpark“ an den ehemaligen Flughafen. Die Heimat der „Giganten-Bomber“, der „Metropolis-Kulissen“ und der Zeppelin-Haltetürme ist aber tatsächlich „verschollen“. Tempus fugit.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s