Persönlichkeiten: E.T.A. Litfaß – der „Säulenheilige“

Noch heute ist sein Name bekannt. Für die noch in manchem Stadtbild vertrauten „Anschlagsäulen“, auf denen Plakate kleben. Aber Litfaß war mehr als der Erfinder dieser Werbemaßnahme. Er war auch Drucker, Buchhändler und Verleger in „aufregenden“ Zeiten.

Ernst Theodor Amandus Litfaß. Natürlich denkt man sofort an die „Litfaß-Säulen“, die vereinzelt noch bis heute mit Werbeplakaten behängt werden, um auf Konzerte aufmerksam zu machen, uns irgendein Produkt anzupreisen oder auch unser Fernweh nach Reisezielen zu wecken. Wer aber war der Mann, der die Säulen zwar nicht nach Athen brachte, aber immerhin als Werbefläche entdeckte ?

Litfaß um 1850
Litfaß um 1850

Litfaß wurde 1816 in Berlin als Sohn eines Druckereibesitzers geboren. Der Vater verstarb aber bereits acht Tage nach Ernstens Geburt. Dennoch blieb das Unternehmen sozusagen „in der Familie“, da seine Mutter einen Kollegen ihres Mannes heiratete und diesen das Geschäft weiterführen ließ, bis Ernst 1846 schließlich übernahm. Litfaß aber war nicht „nur“ Unternehmer, sondern besaß auch immer Ambitionen im künstlerischen Bereich und als Verleger.

Zunächst aber machte der junge Litfaß auf Wunsch der Mutter eine Buchhändler-Lehre. Nach deren Abschluss dann beginnt er,  im jugendlichen Schwung, auf Reisen durch Europa zu gehen und im Anschluss seiner Leidenschaft für die Schauspielerei nachzugehen. Bedingt durch wirtschaftliche Probleme, tritt er dann 1845 ins einstmals väterliche Unternehmen ein und übernimmt dieses dann nach dem Tod seines Stiefvaters.

MÄRZGEFALLENEEr modernisiert zunächst einmal die Druckerei von Grund auf. So ersetzt er altmodische, hölzerne Pressen durch leistungsfähigere „Schnellpressen“. Litfaß sympathisiert aber auch mit der aufkommenden, National- und Demokratiebewegung und so ist es nicht verwunderlich, dass er während der „Märzrevolution“ von 1848 diverse Druckwerke, Schriften und Zeitungen herausgibt, die sich sehr positiv über die möglichen Umwälzungen äußern. Eine seiner Flugschriften z. Bsp. nennt sich „Berliner Krakehler“ und kann als Satireschrift angesehen werden. Diese wird aber von den Behörden als so „subversiv“ angesehen, dass sie bereits nach einem halben Jahr verboten wird.

Nachdem die Aufstände beendet sind und die deutsche Einigung auf demokratischem Wege nicht zustandekam, erkennt Litfaß die Zeichen der Zeit und gibt die Revoluzzer-Attitüde achselzuckend auf. Bis an sein Lebensende gibt er sich nun als patriotischer Monarchist. Vermutlich ließ es sich so leichter leben. Anpassung von Medien an den vermeintlichen Zeitgeist kennt man also nicht nur im 20. und 21. Jahrhundert.

Immerhin ist der Berliner Litfaß auch einer der wichtigen Köpfe der, man würde es heute so nennen, „charity-events“ in Preußens Hauptstadt. Zu Gunsten von Kriegerwitwen oder Kriegsveteranen gibt er Festlichkeiten, veranstaltet Konzerte oder organisiert Spendensammlungen. Als Verleger ist er außerdem der erste, der (ab 1851) in Berlin ein Stadtmagazin mit Terminen und Veranstaltungstipps herausgibt. Es heißt „Tages-Telegraph“ und darf mit Fug und Recht als Vorgänger von „zitty“ und „Tip“ gelten.

Litfaßsäule_modernDie bekannte Säule entwickelt Litfaß, weil in Berlin schon damals viel zu viel „wild plakatiert“ wurde. Um dieser Unsitte Abhilfe zu schaffen, lässt Litfaß Anschlagsäulen aufstellen, die dann exklusiv dem Anschlagen von Flugzetteln und Plakaten dienen sollen. Dazu hat er sich aller Voraussicht nach von einem Besuch in Paris inspirieren lassen, wo man seit 1839 auf öffentlichen Toilettenhäuschen das Anschlagen von Informationen gestattete. Am 15. April 1855 jedenfalls wird die erste Litfaßsäule in Berlin aufgestellt (Münzstraße/Grenadierstraße). Das Plakatieren dort ist allerdings auch damals schon kostenpflichtig. Man sieht die Anfänge der Werbe-Branche entstehen.

1863 wird Litfaß zum „königlichen Hofbuchdrucker“ ernannt. 1869 lässt er das erste Farbplakat Berlins drucken. Es bewirbt einen Auftritt des Zirkus Renz, mit dessen Direktor Litfaß bekannt ist. Am 27. Dezember 1874 verstirbt Litfaß während eines Kuraufenthalts in Wiesbaden. Am 01. Januar 1875 wird er auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt.

Der Nachlass von Ernst Theodor Amandus Litfaß gelangte übrigens 1925 an das „Märkische Museum“ in Berlin, wo noch heute an den z. T. noch von Litfaß selbst zusammengestellten Dokumenten geforscht werden kann. In seiner Heimatstadt Berlin sind eine Schule in Reinickendorf und ein Platz im Bezirk Mitte nach Litfaß benannt. Auch Denkmale in Form von…der Litfaßsäule finden sich an mindestens zwei Stellen der Stadt. Und die „Annoncier-Säulen“ finden sich auch noch allerorten. Jetzt manchmal auch in moderner Form, wo sich „Wechselplakate“ von Elektromotoren angetrieben, im Bewerben diverser Produkte abwechseln.

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