Spaziertip: der Dorotheenstädtische Friedhof

Berlin ist reich an innerstädtischen Friedhöfen. Wohl kaum eine dieser Ruhestätten für die Ewigkeit ist aber reicher an „Promi“-Grabstätten, als der Dorotheenstädtische Friedhof in der Chausseestraße in Mitte. Auf einem kleinen Rundgang streifen die Augen nicht nur die Namen diverser bekannter Namen aus der Geschichte Berlins.

Ich gebe es zu: Friedhofs-Spaziergänge gehörten bislang nicht zu meinem Repertoire an Freizeitbeschäftigungen. Nicht, dass mir diverse Mythen oder Gruselstories zu schaffen machten, aber bislang gaben mir Grabstätten und die Nähe des Todes persönlich nichts. In gewisser Weise ändert sich das aber gerade, denn ich beginne damit, auch Friedhöfe als Orte der Ruhe für mich zu entdecken, als eine Art gepflegte Parks, deren Bäume im Sommer Schatten spenden und die über Sitzbänke verfügen, auf denen man sich niederlassen und seinen Gedanken nachgehen kann.

Grabstelle Ernst Litfaß
Grabstelle Ernst Litfaß

Vor allem im Innenstadtbereich, im Trubel des Straßenverkehrs, der Werbebotschaften, der singenden smartphones, des Baustellenlärms und der nervigen Radfahrer, die dir über die Füße fahren, ist ein Ort relativer Ruhe hochwillkommen. Mir zumindest. Und so ging ich letztlich mal über den Dorotheenstädtischen Friedhof spazieren, angeregt durch meinen Artikel über Ernst Litfaß, der hier begraben liegt.

Und welchen Namen man hier sonst noch begegnet ! Schriftsteller, Politiker, Bildhauer und Architekten, deren Namen regional und z. T. auch überregional Bedeutung haben, fanden die letzte Ruhe hier. Die Stadt Berlin lässt die prominentesten dieser Grabstellen auch als sog. „Ehrengrabstätten“ nie ablaufen sowie ausgiebig hegen und pflegen.  Mit Ausnahmen allerdings, wie z. Bsp. dem Grab des Architekten Johann Heinrich Strack, dessen Name auf dem Pedestal seiner Büste praktisch kaum noch korrekt zu lesen ist. 😦 Was denn, der Name „Strack“ sagt Ihnen spontan nichts ? Ich nenne dann schnell zwei Stichworte: „Siegessäule“ und „Alte Nationalgalerie“ auf der Museumsinsel.

Der Friedhof selbst besteht seit 1762 und ist nicht sonderlich groß (ca. 17.000 qm), was seine Vorteile hat. Man kann hier in einem überschaubaren Zeitrahmen ein wenig über „Leben und Tod“, über die Vergänglichkeit des menschlichen Strebens nach Ruhm, Geld und weltlichen Ehren nachdenken und hat dennoch danach noch Zeit, den Rest des Tages wieder mit ebendiesem Streben zu verbringen, wenn man will. Der Großstadttrubel erwartet uns weiterhin und unverändert vor den Toren.

Grabstätte August Borsig
Grabstätte August Borsig

Interessant übrigens, in welcher Eintracht eingefleischte Kommunisten wie die Schriftstellerin Anna Seghers und gottesfürchtige Kapitalisten wie der Lokomotiv-König August Borsig  hier auf demselben Friedhof ihre letzte Ruhe fanden. Ideologien spielen scheinbar nach dem Tod keine Rolle mehr. Vielleicht sollten sie es vor dem Tod auch nicht tun… Borsig übrigens hatte in der gleichen Chausseestraße auch einst seine Fabrik erbaut. Praktisch „auf der anderen Straßenseite“. Erst seine Enkel verlegten sie später nach Tegel. So wurde August Borsig also letztlich in unmittelbarer Nähe seiner Fabrik beigesetzt. Das muss man auch erst einmal hinbekommen.

Viele solche Geschichten verbergen sich hinter den Grabsteinen, aber für diesen Beitrag soll es jetzt mal genug sein. Vielleicht machen Sie ja selbst mal einen Herbstspaziergang (oder wann immer es Ihnen einfällt) auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof.

Adresse:

Chausseestraße 126
10115 Berlin

Öffnungszeiten:

Täglich ab 08.00 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Serie „Friedhöfe in Berlin“:

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