Persönlichkeiten: Johann Heinrich Strack – der Vollender

Berlin hat viele Architekten erlebt. Viele Meister ihres Faches haben in der Hauptstadt ihre Spuren hinterlassen. Manche etwas unauffälliger und manche sehr wohl erkennbar und plakativ. Viele Namen werden oft genannt: Schinkel, Stüler oder Hoffmann. Einer wird dabei immer etwas stiefmütterlich behandelt: Johann Heinrich Strack. Vielleicht zu Unrecht…

Johann Heinrich Strack war so etwas wie der „letzte Mohikaner“ der „Schinkelschule“, bevor in Berlin und reichsweit das eklektizistische Bombast-Bauen zu dominieren begann, dessen Bauten wir heute vielleicht nicht immer als wirklichen, ästhetischen Genuss wahrnehmen. (Stichwort: Carl-Julius Raschdorff, Franz Schwechten) Und wie so oft, wenn jemand in Berlin Spuren hinterließ, wurde Strack gar nicht hier geboren.

strackStrack wurde nämlich 1805 in Bückeburg geboren. Was ihn aber keinesfalls davon abhielt, sich an der Berliner Bauakademie das Handwerkszeug seines Berufes zu holen. Zwischen 1824 und 1838, in der Phase, als Schinkel dort der Direktor war, studierte Strack in Berlin und absolvierte diverse Prüfungen. Vermutlich hat er hier bereits die Kontakte geknüpft, die ihm später nützlich wurden. Zumindest mit Friedrich August Stüler verband ihn nachweislich schon bald eine Freundschaft, die zu gemeinsamen Studienreisen nach Russland, Frankreich und England führte.

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Schloss Babelsberg

Einen Namen machte sich Strack später dann vor allem als „Vollender“ von Bauprojekten, die aus verschiedenen Gründen von ihren Architekten nicht mehr beendet werden konnten. So ist er u. a. der letzte Planer, der Hand an das Projekt „Schloss Babelsberg“ anlegte, nachdem Ludwig Persius 1845 verstorben war. Strack bringt also trotz permanenter, altkluger Besserwisserei und Einmischung der Prinzessin Augusta den letzten Umbau Babelsbergs zu Ende und das Aussehen, welches wir heute hier erkennen, ist auch seiner Hand zu verdanken.

Alte Nationalgalerie
Alte Nationalgalerie

Später gestaltete er auch die Säulenhallen der Torhäuser am Brandenburger Tor und sorgte auch hier für einen Anblick, den wir bis heute kennen, der sogar weltweit bekannt ist. Auch die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel ist von Strack erbaut worden, nachdem sein Freund und Förderer Stüler 1865 verstarb. Die Planungen hatte Stüler noch maßgeblich beeinflusst, den gesamten Bau dieses „Tempels der Kunst“ jedoch überwachte Strack. Sein gestalterischer Einfluss soll sich vor allem auf das Treppenwerk im Zugangsbereich erstreckt haben.

der "Große Stern" im Tiergarten
der „Große Stern“ im Tiergarten

Am bekanntesten ist aber vielleicht ein Auftragswerk Stracks, welches weder der Kunst noch der Beherbergung von Hohenzollern diente: die Siegessäule im Tiergarten. Die zwar bis 1938 noch zwischen Reichstag und „Krolloper“ zu finden war, aber seis drum. Dieses Werk der nationalen Identifikation nach den Einigungskriegen Deutschlands (eingeweiht 1873) sollte Strack gegen Ende seiner Laufbahn sogar noch den Titel: „Architekt des Kaisers“ einbringen.

dsci2805_compressed_sepiaDiesen erhielt Strack, als er sich 1876 zur Ruhe setzte. Am 13. Juli 1880 verstarb Johann Heinrich Strack in Berlin. Er wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Mitte beigesetzt, wo sein Grabmal noch heute zu den ansehnlichsten seiner Art gehört.

Stracks Werk wurde von Architekturkennern und solchen, die sich dafür halten, lange Zeit als „blutarme und phantasielose“ Wiederholung Schinkelscher Ästhetik bezeichnet. Ob das seinem Werk gerecht wird, mögen Sie, liebe Berliner, Berlin-Besucher und -Freunde selbst beurteilen. Immerhin verweigerte sich Strack konsequent dem eklektizistischen Zusammenbasteln von Renaissance- und Barock-Elementen in seinen Bauten, welches schon zu seinen Lebzeiten so manchem Architekten ratsam und angebracht erschien. Johann Heinrich Strack ist m. E. n. der Mann, der in Berlin deutliche Spuren hinterließ, ohne, dass sein Name heute noch vertraut wäre.

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