Ausflugstip: Fort Hahneberg – Festung im Niemandsland

Die Bedeutung Spandaus im 19. Jahrhundert kann man daran ermessen, dass man diese kleine Havelstadt einst durch vier Außenforts befestigen und schützen wollte. Der Rüstungsstandort war seit dem 18. Jahrhundert für das preußische Militär wichtig geworden. Das einzige Überbleibsel des geplanten Festungsgürtels lockt noch heute Besucher an: Fort Hahneberg.

In Deutschland gab es einst ein „Reichsfestungsgesetz“. Es war im Jahre 1873 erlassen worden und sollte dazu beitragen, bestimmte Schlüsselstellungen in Deutschland besonders zu befestigen. Dafür wurden die Reparationszahlungen Frankreichs aus dem vorausgegangenen Krieg von 1870/71 „angezapft“. Zweiundsiebzig Millionen „Thaler“ waren dafür vorgesehen. Profitieren sollten von dieser Befestigung u. a. Köln, Mainz, Ulm, Ingolstadt, Stralsund, Danzig, Wilhelmshaven und eben auch Spandau.

biehler_fortDie Bauarbeiten in Spandau begannen allerdings erst 1882, was sich letztlich auf das gesamte Projekt „Festungsgürtel Spandau“ auswirken sollte. 1886 war das erste Spandauer Fort auf dem nahe Staaken gelegenen „Hahneberg“ im Rohbau fertig. Zwei Jahre später konnte das Militär die Anlage dann in Betrieb nehmen. Der Rüstungswettlauf des 19. Jahrhunderts hatte allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits die Artillerie-Reichweiten und die Durchschlagskraft der Geschosse so weit verbessert, dass dieses nach seinem Konstrukteur „Biehler-Fort“ genannte Gebäude einem direkten Beschuss kaum noch hätte standhalten können und auch seine Abschreckungs- und Schutzwirkung für das benachbarte Spandau war bereits so sehr infrage gestellt, dass man auf eine Armierung des Forts (vorgesehen waren zuvor acht 15-cm-Kanonen) verzichtete.

DSCI2157_compressedAuch die drei vorgesehenen, restlichen Forts wurden nicht mehr errichtet. Fort Hahneberg selbst wurde als Kaserne genutzt und überstand den Ersten Weltkrieg unbeschadet. Im Zweiten Weltkrieg wurde hier ein Feldlazarett eingerichtet. Die Rote Armee konnte 1945 das Gelände widerstandslos einnehmen. In der Zeit der deutschen Teilung lag Fort Hahneberg im Sperrgebiet um Westberlin und so verfiel die Anlage zwar schrittweise, blieb im Kern jedoch weitgehend erhalten, was paradox klingt, es aber nicht ist. Die Teilung des Ortsteiles Staaken war übrigens dafür verantwortlich.

In der Nachwendezeit wurde Fort Hahneberg 1991 in die Landesdenkmalliste aufgenommen. Seit 1993 kümmert sich ein Verein um den Erhalt der Anlage und dessen Präsentation für Interessierte. Dieser Verein organisiert auch Führungen durch Fort Hahneberg und nimmt am jährlichen „Tag des offenen Denkmals“ teil.

Adresse:

Fort Hahneberg
Hahnebergweg 50
13591 Berlin
web: http://www.forthahneberg.de

Öffnungszeiten:

Vom 1. April bis 31. Oktober:
Führungen jeweils Sonnabends,
Sonntags und Feiertags
um 14 und um 16 Uhr,
Besuch nur mit Führung möglich !
Festes Schuhwerk und Taschenlampen mitbringen !

Anfahrt:

über Heerstraße. Jedoch sind nur wenige Parkplätze vorhanden.
Ansonsten: Bus M37, M49 bis „Hahneberg“

 

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