Hätten Sie es gewusst ? – Details: eine gruselige Obduktion

In dieser Rubrik stelle ich immer in wenigen Worten eine Sache, eine Person, einen Vorgang oder ähnliches dar, die vielleicht nicht immer als „bekannt“ vorausgesetzt werden können. Kleine, hoffentlich für Sie, liebe Leser, interessante Schnappschüsse, aus Berlin und Brandenburg.

Wie „öffentlicher“ Druck auch Könige in die Knie zwingen kann, zeigt uns eine Geschichte aus dem 18. Jahrhundert. Aber fangen wir am Anfang an:

adam-von-schwarzenbergReichsgraf Adam von Schwarzenberg war während des Dreißigjährigen Krieges der vielleicht einflussreichste Berater des Brandenburgischen Kurfürsten Georg Wilhelm. Von Spandau aus versuchte er, während die Soldateska plündernd durchs Land zog, Kurbrandenburg ein Überleben zu ermöglichen. Nachdem 1640 Georg Wilhelms Sohn Friedrich Wilhelm den Kurhut übernahm, sank der Stern Schwarzenbergs aber schnell. Schließlich sollte er sich wegen dubioser Geldgeschäfte und Veruntreuung vor Gericht verantworten. Bevor es dazu kam, verstarb der Reichsgraf am 16. März 1641 in Spandau.

ErnstLudwigHeimDass sich noch über 100 Jahre später Gerüchte um diesen Tod rankten, zeigt eine selbst durch den „Wanderer durch die Mark Brandenburg“, Theodor Fontane, kolportierte Geschichte. So soll auf Druck katholischer Untertanen der „alte Fritz“ 1777 dem Rat der Stadt Spandau den Befehl erteilt haben, Schwarzenbergs Leichnam zu exhumieren und untersuchen zu lassen. Der später in Berlin ungeheuer populäre „Stadtphysikus“ Ernst Ludwig Heim wurde damit beauftragt, das Gerücht, Friedrichs Vorfahr, der „Große Kurfürst“, habe Schwarzenberg per Enthauptung ermorden lassen, zu widerlegen.

So musste die unter dem Taufbecken der Spandauer St. Nikolaikirche gelegene Gruft Schwarzenbergs geöffnet werden. Heim fand übrigens keinerlei Hinweise darauf, dass Adam von Schwarzenberg enthauptet worden wäre. Ein Schlaganfall war wohl wie zuvor angenommen die tatsächliche Todesursache des katholischen Adligen.

Was lernen wir daraus ? Unruhige Geister konnten selbst den „alten Fritzen“ noch dazu bringen, seinen eigenen Vorfahren verteidigen zu müssen. Mit geradezu gruseligen Mitteln notfalls. Haltlose Vorwürfe sorgten letztlich für eine überflüssige Störung der Totenruhe. Manchmal denke ich, dass sich seit 1777 vielleicht nicht so viel verändert hat.

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