Rückblick: auf der Suche nach den „Gebeinen der Hohenzollern“

Der Herbst ist da und mit ihm die kühleren Tage. Dennoch oder genau deshalb machen Spaziergänge jetzt noch immer Spaß. „Herbstspaziergänge“ eben. Und davon bieten sich so einige an. Wer die sich verändernde Stadtmitte, vor allem die Museumsinsel dabei „erobern“ will, sollte sich vielleicht mal auf die Spuren der Hohenzollern begeben. 

dsci2213_compressedEin wolkenverhangener Tag mit Regenschauern und frischem, wechselhaftem Wind. Nicht jedermanns Sache, um „draußen“ herumzustreifen. Nun, als Allergiker freue ich mich, dass jetzt die Pollen aus der Luft gespült werden und auch die sich verfärbenden Blätter der Bäume erfreuen durchaus mein Auge. An so einem Tag wollte ich in der historischen Stadtmitte Berlins mal auf die Suche nach den Hohenzollern gehen.

Man mag sie für „Vampire“ halten, welche „das Volk jahrhundertelang ausgesaugt“ haben oder sich nach der „guten, alten Kaiserzeit“ sehnen, in der wir noch nicht über Klimawandel oder weltweiten Terror diskutieren mussten. So oder so, die Fakten stehen für sich, egal wie wir sie heute interpretieren: das Haus Hohenzollern regierte Brandenburg etwas über 500 Jahre lang. Das hinterlässt Spuren, auch wenn diese zu verblassen scheinen.

So spazierte ich zunächst mal durch den „Monbijou“-Park, der bis zum nächsten Frühjahr ohne die sommernächtlichen Tango-Tänzer auskommen muss. Na, sie werden wohl in „Clärchens Ballhaus“ weitermachen oder anderswo. Der Park selbst hat seinen Namen aber nicht von ungefähr: hier stand bis 1959 das Schloss Monbijou, dessen Geschichte ich Ihnen hier im Blog schon kurz erzählt habe. Ein eleganter Bau, in dem das Haus Hohenzollern einst seine Geschichte präsentierte.

dsci2236_compressedÜber die Monbijou-Brücke hinweg erreichen wir das ehemalige „Kaiser-Friedrich-Museum“, welches seit 1956 den Namen des Kunsthistorikers und geistigen Vaters der staatlichen Museen Berlin, Wilhelm von Bode trägt, den ich Ihnen auch schon vorstellen durfte. Das Reiterstandbild des Monarchen, welches einst die Brücke zierte und direkt vor dem Museum stand, ist seit 1945 zerstört. Stattdessen finden wir hier seit 2014 die Statue „Hektor“ des zeitgenössischen Künstlers Markus Lüpertz.

James - Simon - Galerie
James – Simon – Galerie

Das Bodemuseum war dem wachsenden Anspruch der Berliner Sammlungen geschuldet, die schon zu Kaisers Zeiten mehr Platz für ihre Exponate benötigten. Um diesen Kunstgenuss und seine Horte aber auch finanzieren zu können bedurfte es eines Mäzenen-Clubs, der hier finanzkräftige Unterstützung gewährte. Dieser „Kaiser-Friedrich-Museumsverein“ existiert erstaunlicherweise bis heute. Einer seiner renommiertesten Mäzene war übrigens der Stoffhändler James Simon, dessen Name durch den Bau der „James-Simon-Galerie“, eines zentralen Zugangsgebäudes für die Museumsinsel, derzeit gerade geehrt wird.

Diesen Neubau passierend, komme ich schließlich am „Lustgarten“ an, einem im Sommer vor Touristen und Passanten strotzenden, ehemaligen Zerstreuungs-Park des „Großen Kurfürsten“ Friedrich – Wilhelm. Der „Berliner Dom“ dominiert optisch den Raum, wird aber bald schon Konkurrenz bekommen, wenn die Baupläne für das „Humboldtforum“ eingehalten werden sollten. Hier ist bereits zu erkennen, wie weit die Arbeiten an den historisierenden Fassaden fortgeschritten sind, welche drei Seiten des Gebäudes schmücken werden. Auch die gewaltigen „Portale“ des alten Stadtschlosses werden hier wieder zum Leben erweckt. Aller Voraussicht nach noch im Jahr 2017. Der „dunkle, alte Kasten“ für den selbst der „alte Fritz“ dieses Gebäude hielt, wird aber eben voraussichtlich ab 2019 Museen eine Heimat bieten, es wird also kein „Schloss“ wiederaufgebaut.

dsci2263_compressedEin kurzer Gang am Schinkelplatz vorbei, wo ich mich schon mal von der direkten Sichtachse vom Schinkeldenkmal zur Friedrichswerderschen Kirche verabschiedet habe, die demnächst durch Luxus-Wohnbauten verstellt wird, führte mich schließlich zum ehemaligen „Staatsratsgebäude“ der DDR. Der Staatsrat war in der DDR übrigens das kollektive Staatsoberhaupt. Nach 1960 wollte man sich keinen Präsidenten mehr gönnen und passte die Staatsspitze so der ach-so-geliebten Sowjetunion an. In das für dieses Gremium vorgesehene Gebäude integrierte man übrigens Teile des ehemaligen Portals IV des Stadtschlosses. Vom Balkon dieses Portals soll am 09. November 1918 Karl Liebknecht die „sozialistische Republik Deutschland“ ausgerufen haben. Heute findet man in diesem Bau im Stile des „neuen Realismus“ der DDR ein privates Bildungsinstitut für Wirtschaft, die „european school of management and technology“ (esmt).

dsci2253_compressedDem noch „gestaltlosen“ und somit eigentlich unkenntlichen „Schlossplatz“ folgend, biege ich dann an der Spree wieder ab, schleiche auf dem „Holzweg“ an der Baustelle des Humboldtforums vorüber und begebe mich dann zum „Berliner Dom“, der im kirchlichen Sinne eigentlich gar kein Dom ist, weil hier kein Bischof seinen Sitz nimmt. Der Evangelische Landesbischof von Berlin hat seine Predigtkirche nämlich ganz in der Nähe, in der St. Marienkirche gegenüber dem Roten Rathaus und nicht im Dom.

Aber da der Dom einst als zentrale „Grablege“ des Hauses Hohenzollern diente, musste ich zum Abschluss meines Rundgangs auf den Spuren dieses Hauses natürlich noch einmal hier hin. Außerdem gibts im Gebäude ein „Domcafé“, in dem man sich etwas aufwärmen kann, wenn das Herbstwetter gar zu arg mit einem umgesprungen ist. Das Glück war mir gewogen, ich erhielt mit meiner Eintrittskarte auch eine kurze, aber höchst präzise Einführung in die Geschichte des Gebäudes. Die kompetente Dame aus der Kirchengemeinde beantwortete auch Fragen und so erhielt man fundierte, wichtige Informationen.

dsci2332_compressedInteressant im Kontext meines „Themen-Spazierganges“ war wohl vor allem die Tatsache, dass nur sehr wenige Hohenzollern – Herrscher hier tatsächlich zur Ruhe gebettet wurden. Die meisten von ihnen haben freiwillig oder unfreiwillig (wie der letzte Kaiser Wilhelm II.) darauf verzichtet oder eben verzichten müssen. Der letzte Hohenzollern-Monarch, der hier tatsächlich zur ewigen Ruhe ging, war ausgerechnet der „dicke Lüderjahn“, Friedrich-Wilhelm II.
Den Spaß, dem Dom „auf die Kuppel“ zu steigen und dort auf dem Umgang ein wenig über Berlin hinwegzuschauen, gönnte ich mir schließlich auch noch. Ein „atemberaubendes“ Abenteuer, aber wegen der Aussicht durchaus lohnend.

Was bleibt also von solch einem Spaziergang ? Nostalgie ? Nein, eher nicht. Die Museumsinsel ist in weiten Teilen eine Baustelle. Überall drehen sich die neuen Symbole der Stadt: die Baukräne. Überall werden Dinge gebaut. Ein U-Bahnhof, ein Humboldtforum, eine James-Simon-Galerie. Das Pergamonmuseum erhält seinen vierten Flügel, um die „archäologische Promenade“ verwirklichen zu können, diverse Statuen und Kunstwerke werden restauriert oder winterfest gemacht und somit wieder eingerüstet. In solch einer Geschäftigkeit und solch einem allgegenwärtigen Lärm kommt kaum Wehmut nach dem Gestern auf. Nein, die Hohenzollern-Herrscher sind begraben, ihre Zeit seit fast 100 Jahren vorüber. Sich aber ein bischen im  Abglanz der untergegangenen Welt zu sonnen, wird wohl noch erlaubt sein.

Wer dazu übrigens Lust hat, kann mich gerne kontaktieren. Ich begleite Sie gerne so sachkundig es mir möglich ist, auf diesem Weg zu den „Gebeinen der Hohenzollern“, sollte ich Sie jetzt darauf neugierig gemacht haben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s