Herbstspaziergang: im Treptower Park

Mein zweiter Herbstspaziergang 2016 führte mich in den Treptower Park. Vor etwas mehr als 120 Jahren fand hier die „große Berliner Gewerbeausstellung“ statt. Eine „Weltausstellung“, die sich nicht so nannte. Aus dieser Zeit finden wir heute im Park fast nichts mehr. Und dennoch lohnt ein Stadtspaziergang hier immer.

Herbst 2016. Bislang ziemlich wenig „golden“ und mehr verregnet. Ruiniert das meine Laune und meine Lust, durch einen Park zu spazieren ? Nein. Absolut nicht. Der Treptower Park hat so viel Geschichte(-n) aufzuweisen, die vielen Passanten sicher nicht bewusst ist. Das fasziniert mich immer.

Gustav Meyer
Gustav Meyer, 1816 – 1877

Die Stadt Berlin kaufte schon im 19. Jahrhundert weite Teile der „Köllnischen Heide“ holzte sie ab, um damit Geld zu verdienen und hatte dann keinen rechten Plan dafür, was mit diesen jetzt etwas sumpfigen Spreewiesen anzufangen sei. Der Landesgartendirektor Gustav Meyer, dessen Büste bis heute im Park zu finden ist, schließlich entwarf den Plan für einen „Volkspark“, damit die Berliner in der Freizeit etwas „Grün“ genießen können.

Wie so oft, wenn ein Visionär eine Vorgabe macht, blieb dieser Entwurf Meyers aber erst einmal in der Berliner Bürokratie hängen. Dafür wurden immerhin die Wiesen entwässert. Die Ersteröffnung „seines“ Volksparkes in Treptow im Jahre 1888 erlebte Meyer schließlich nicht mehr. Er verstarb noch während der Landschaftsgestaltung im Jahre 1877.

gewerbeausstellungDie „Große Berliner Gewerbeausstellung“ vom Sommer 1896 sollte schließlich den Park vor eine große Herausforderung stellen. Die weitgehende Umgestaltung durch die Errichtung von phantasievollen Pavillons, der Errichtung eines zentral gelegenen „Sees“, der mit einer Art „venezianischer Gondel“ befahren werden konnte etc. hinterließen Spuren. Der Park war stark beschädigt und musste erst umständlich wieder in seinen „Ausgangszustand“ versetzt werden, bevor er der Bevölkerung schließlich wieder zugänglich gemacht werden konnte. Der Karpfenteich im Park ist letztlich eines der wenigen Elemente aus dem ursprünglichen Entwurf Gustav Meyers, das alle Zeitläufte überstanden hat und auch heute noch existiert.

dsci2419_compressedVon dieser Ausstellung ist praktisch nichts mehr fassbar. Außer natürlich dem Großen Spiegelteleskop in der heutigen „Archenhold“-Sternwarte. Damals ein Wunderwerk der optischen Industrie Deutschlands. Heute noch Mittelpunkt der Sternwarte, die sich die Publikumsfreundlichkeit auf die Fahne geschrieben hat. Außerdem hat an diesem Ort Albert Einstein 1915 schon einen Vortrag über seine Ideen zur Relativität gehalten. Auch das ist bis heute unvergessen.

Wer an den Treptower Park denkt, kommt natürlich um das sowjetische Ehrenmal nicht herum, dass sich auf ca. 9 ha. in seiner Mitte befindet. Der 1949 eröffnete Soldatenfriedhof, letzte Ruhe für ca. 7.000 gefallene Rotarmisten, hinterlässt bei mir immer einen zwiespältigen Eindruck. Der stalinistische „Bombast“, mit dem hier einerseits der Sieg über Nazi-Deutschland gefeiert wird, erdrückt z. T. sehr auffällig die Trauerstimmung, die andererseits einer Begräbnisstätte angemessen erscheint. Anders etwa als in vergleichbaren Orten  wie der Gedenkstätte in der „Schönholzer Heide“, überwiegt in Treptow der Siegerstolz, was heute nur noch etwas absurd erscheint.

dsci2383_compressedDer Individualität der Gefallenen wird nämlich an keiner Stelle Rechnung getragen (anders als in Schönholz oder sogar an der Straße des 17. Juni) und die schwülstigen Stalin-Zitate, die auf den 16 sog. „Sarkophagen“ eingraviert sind, machen selbst im Lichte der Zeit ihrer Entstehung keinen allzuguten Eindruck. Dennoch besuche ich diesen Ort immer wieder gerne. Und sei es nur, um mich über allzu pietätlose Jogger und Hundeausführer zu ärgern, denen die Totenruhe nichts zu gelten scheint. Wir Berliner maulen halt gerne. 🙂

Aber auch sonst ist dieser Ort ein gerne genutzer Punkt in einem Berlin-Ausflug. Die Tatsache, dass die sog. „Ehrenhalle“ unterhalb des Sockels der Riesenstatue ausnahmsweise mal offen war, als ich hier vorbeikam, zeigt mir an, dass offensichtlich die an diesem Tag in Berlin erwarteten Präsidenten Russlands und der Ukraine oder Leute aus ihrer Entourage hier ebenfalls einen Besuch abstatten wollten. Nur eben später am Tage, als ich selbst.

Interessant ist auch, das man vom Treptower Park aus mit der „Stern- und Kreisschiffahrt“ über Spree und Havel gondeln kann. Ihre Zentrale liegt unmittelbar am S-Bahnhof und hat die Adresse „Puschkinallee 15“. Im Frühjahr und Sommer immer wieder gerne genutztes Vergnügen und eine hübsche Chance, Berlin mal „von der Wasserseite her“ zu sehen. Eine oftmals den eigenen Blickwinkel erweiternde Unternehmung. Jetzt im Herbst ist es mit der „Saison“ weitgehend vorbei und die Ausflugs-Schiffe dümpeln hier vor sich hin. Aber die Hoffnung auf den Frühling 2017 bleibt ja bestehen.

Dann also, bis zum nächsten Herbstspaziergang. Wollen Sie vielleicht einmal mitkommen ? Immer gerne. Kontaktinfos hier.

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