Rückblick: Herbstspaziergang – Klosterviertel

Der Herbst 2016 ist bislang kein bischen „golden“. Schade, aber dennoch kann man in Berlin spazierengehen und Spaß dabei haben. Wie etwa im historischen „Klosterviertel“. 

dsci2487_compressedBerlin baut. Unübersehbar. Baukräne allerorten. Gerüste, Baufahrzeuge, Bauzäune, Baulärm. Das historische, Berliner Stadtzentrum wird baulich „verdichtet“. Und das mit rasendem Tempo. Jede Parzelle, auf der sich das anbietet, bekommt einen Komplex aus „Lofts“, Büros oder ein Einkaufszentrum. Und optisch ansprechend müssen die keinesfalls sein, siehe Beispiel „Schinkelplatz“.

Diese Entwicklung ist auch im Klosterviertel erkennbar. Der Spaziergang ist also bis zum Ende der Bauarbeiten ein Dahingleiten zwischen Bauzäunen, Containern und Kränen. Dennoch kann man mit etwas Phantasie und Offenheit für den „genius loci“ auch hier mit Gewinn unterwegs sein.

Zwar ist das namensgebende Kloster seit 1540 aufgelöst und seit  1571 endgültig außer Betrieb, aber als Gymnasium „zum Grauen Kloster“ erhielt es eine Nachnutzung, die bis heute fortwirkt. Denn diese Schule wurde nach der Abtragung des Schulgebäudes im Bezirk Wilmersdorf weitergeführt und existiert noch heute.

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Klosterkirchenruine, Klosterstraße, Berlin

Im Gegensatz zu weiten Teilen der ehemaligen Klosterkirche, die nur noch als Ruine existiert, aber derart malerisch ist, dass sie als Fotokulisse gut geeignet erscheint. Immerhin kann man daran erinnert, dass in diesem Gebäude einst der Burggraf Friedrich V. von Nürnberg die Huldigung der Stände Brandenburgs entgegennahm und somit als Kurfürst von Brandenburg bestätigt wurde. 1415 soll dies gewesen sein.

Nun, wir müssen keine weiteren 600 Jahre warten, bis die nahegelegene Parochialkirche ihre 1944 durch Brandbomben-Einschläge verlorene Kirchturmspitze und das berühmte Glockenspiel zurückerhält. Denn das ist bereits passiert. Wann und wie das Glockenspiel jedoch in Zukunft zu hören sein wird, darüber wird die Kirchengemeinde noch entscheiden. Aber schon das Erklingen der Stundenglocke ist für das Quartier ein Gewinn. Die Beamten der im benachbarten „alten Stadthaus“ arbeitenden Innenverwaltung bekommen so angezeigt, dass die Zeit vergeht.

altes Stadthaus im Herbst
altes Stadthaus im Herbst

Das „alte Stadthaus“ aus der Feder des Architekten Ludwig Hoffmann sieht aus, wie ein komplettes Rathaus. Sein Turm, der an die Türme der Kirchen des Gendarmenmarktes angelehnt ist, ist immerhin auch 6 m höher, als der Turm des Roten Rathauses. Letztlich war das alte Stadthaus aber nur als Bürogebäude einer im späten 19. Jahrhundert angewachsenen Stadtverwaltung gedacht. Wenn ich an die phantasielosen Fassaden heutiger Bürogebäude denke, gefällt mir Hoffmanns „Wuchtbrumme“ übrigens immer besser.

Heute finden wir hier die Innverwaltung und das Büro des Innensenators von Berlin. U. a. deshalb, weil einst Helmut Kohl in Wendezeiten dies Gebäude als Kanzleramt ablehnte. Es war ihm zu weit vom Reichstag entfernt, stattdessen durften Steuergelder für die „Waschmaschine“ im Spreebogen herausgehauen werden. So kanns gehen.

So gibt es noch viele, weitere Geschichten aus dem Klosterviertel und dessen Nachbarschaft zu erzählen. Über den „Jüdenhof“, die „letzte Instanz“, über Frau von Bock, den „Krögel“, das „Waisenhaus“ und die „Waisenbrücke“…

Aber das verschieben wir mal auf einen gemütlichen Spaziergang im Jahr 2017, wenn der Winter hinter uns liegt, die Sonne lacht und die Temperaturen wieder erfreulich werden.

bis dahin,

Ihr

Clemens Kurz

 

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