gefährlicher Boulevard – die „Linden“

Die „Linden“ sind seit Kurfürstens Zeiten der Vorzeigeboulevard Berlins. Zwischen Schlossbrücke und Brandenburger Tor wurde und wird auf knapp 1,5 Kilometern repräsentiert und flaniert. Aber gefährlich wars hier auch. 

Denn im 19. Jahrhundert wurde „Unter den Linden“ auch zum Schauplatz von politischen Attentaten. Das vielleicht skurrilste davon erfolgte am 7. Mai 1866. Dabei machte der „Eiserne Kanzler“ diesem Spitznamen alle Ehre, denn Otto von Bismarck überlebte den Anschlag mit nur geringen Blessuren.

altes Palais, Unter den Linden
altes Palais, Unter den Linden

Gegen 17.30 Uhr des besagten Tages nämlich, kam der preußische Ministerpräsident von einer Audienz beim König. Vermutlich in dessen Dauerwohnung im Alten Palais neben der „Kommode“ am heutigen Bebelplatz. Bezeichnend ist, dass ein Spitzenpolitiker, selbst ein zu diesem Zeitpunkt in weiten Kreisen der Bevölkerung  so umstrittener wie Bismarck, zu diesem Zeitpunkt noch ohne Leibwächter mitten in der Hauptstadt unterwegs sein konnte.

So schlenderte Bismarck also die Linden hinab, um sich zu seiner Dienst-Residenz in der Wilhelmstraße zu begeben, als der 22-jährige Student Ferdinand Cohen-Blind von hinten an ihn herantrat und zweimal aus einem Kleinkaliber – Revolver auf den Ministerpräsidenten feuerte. Während sich Bismarck umdrehte, feuerte Cohen-Blind ein drittes Mal. Der spätere „eiserne Kanzler“ ging nun auf den kleineren Mann los, hielt dessen Arm fest, während dieser den Revolver in die andere Hand nahm und noch zweimal aus nächster Nähe abdrückte.

Mittlerweile war genug Tumult entstanden, so dass Passanten auf das Geschehen aufmerksam wurden und dabei halfen, den Attentäter festzusetzen. Soldaten eines zufällig vorbeimarschierenden Garde-Bataillons führten Cohen-Blind dann zur nächsten Polizeiwache ab. Da kann niemand sagen, die Bürger hätten „weggeschaut“.

dsci0065_fotor_compressedBismarck übrigens setzte seinen Weg zur Wilhelmstraße fort und wurde schon kurze Zeit später von besorgten Hofschranzen besucht, die wissen wollten, ob er nun verletzt, tot (vielleicht hofften einige darauf) oder wohlbehalten angekommen war. Die Presse wollte später wissen, dass Bismarck, der einen dicken Mantel trug, weil er eine Erkältung ausschwitzen wollte, vom festen Stoff dieses Kleidungsstückes beschützt worden wäre. Ausschließlich ein paar Blutergüsse an der Brust hätte er zurückbehalten. Ich persönlich tippe ja darauf, dass die Waffe des Attentäters wohl mit minderwertiger Munition bestückt gewesen sein muss. Mieses Treibmittel oder so.

Warum das Attentat erfolgte ? Schwer zu sagen. Cohen-Blind entstammte einem „48er“ – Hintergrund, sein Stiefvater war ein demokratischer „Revoluzzer“, der später nach England geflohen war. Ferdinand jedenfalls schrieb in einem Bekennerbrief an eine Freundin davon, dass der „Verräter an Deutschland“ und vermeintliche Kriegstreiber Bismarck beseitigt werden müsse. Cohen-Blind konnte jedoch selbst nicht mehr eingehend befragt werden, da er sich im Polizeigewahrsam das Leben nahm. Die Polizisten hatten schlicht und ergreifend eine versteckte Klinge in Cohen-Blinds Kleidung übersehen, mit der er sich die Halsschlagader aufschlitzte.

Fazit: Leibwächter haben für Politiker einen Sinn und Zweck.

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