Friedrichstadt: zwischen „Anhalter“ und Brandenburger Tor

Immer wieder bin ich fasziniert davon, wieviele Geschichten die alte Berliner „Friedrichstadt“ bereithält. Hier war die Bühne für Bonvivants und Militärs, für Regierungsbeamte und Künstler. Heute sind mehr oder minder nur noch die alten Geschichten übrig, denn die Friedrichstadt präsentiert sich dem Stadtspaziergänger heute eher „skurril“.  Hier treffen nämlich die letzten Brachen des Zweiten Weltkrieges auf „moderne“ Architektur, protzige Regierungsbauten und die wie Monolithen wirkenden Überreste des „alten Berlin“. 

dsci2877_compressedIch wollte einfach mal am „Askanischen Platz“ beginnen. Eigentlich eher am „Anhalter Bahnhof“, aber den gibt es ja gar nicht mehr. Die Bomben des letzten Weltkrieges ließen nur dessen Außenmauern zurück und die Abrisswut der Nachkriegsjahre beseitigten sogar diese. Bis auf einen Teil des Portikus, der mehr oder minder als Mahnmal bis heute überdauert hat. In der Luftbrücken- und späteren Mauerstadt war ohnehin der Bedarf an Fernbahnhöfen eher gering.

dsci2890_compressedWer jetzt die Stresemannstraße ein wenig hinaufschlendert, kommt bald zum „Martin-Gropius-Bau“. Eine beliebte Stätte für Ausstellungen diverser Art. Und auch noch direkt gegenüber dem Abgeordnetenhaus von Berlin gelegen. Übrigens verlief die Berliner Mauer direkt hinter dem Gebäude. Was tatsächlich an Hand einiger verbliebener Betonteile noch heute erkennbar ist. Diese Tatsache hatte zu Mauerzeiten übrigens die Konsequenz, dass der Eingang zum Martin-Gropius-Bau von der Nord- und „Mauer“-Seite weg an die Südfront verlegt wurde. Ich selbst habe auf diesem Weg das Gebäude in den 80er Jahren noch betreten. Aber fragen Sie mich nicht, welche Ausstellung ich damals sah. Sie kann nicht wirklich erinnernswert gewesen sein.

Direkt neben dem MGB in der Niederkirchnerstraße ist übrigens die bekannte „Topographie des Terrors“ zu finden. Das „Prinz-Albrecht-Palais“, welches sich einst hier befand, war nämlich die Zentrale der Gestapo und damit Ausgangsort des NS-Terrors über Berlin, Deutschland und Europa. Ein Besuch der „Topographie“-Ausstellung gehört heute fest zum seriösen Besuchsprogramm in Berlin mit dazu.

Hab meinen Mini-Trabi schon seit 1990.
Hab meinen Mini-Trabi schon seit 1990.

Der „Weltballon“, welcher hier in der Nähe „verankert“ ist, ist vielleicht nicht unbedingt ein „Muss“. Bei schönem Wetter ist er aber auch beliebt und von oben bietet sich Passagieren ein hübsches Panorama der Berliner City. In der Zimmerstraße finden wir übrigens auch das „Trabi-Museum“ in welchem den kleinen „Stinkern“ aus Zwickau noch heute gehuldigt wird. Offen gestanden hätte ich bis vor Kurzem googlen müssen, wo das Museum ist, jetzt muss ich es nicht mehr.

dsci2918_compressedMuss ich noch etwas zum „Checkpoint Charlie“ sagen ? Der dürfte hinreichend bekannt sein, das nahegelegene „Mauer-Panorama“ aber vielleicht noch nicht so sehr. Unter der Leitung des Künstlers Yadegar Asisi wurde hier ein weiteres Großpanorama-Bild erstellt, welches eine fiktive Szene aus dem Berlin der 80er abbildet. Um sich ein anschauliches Bild von der „Mauerstadt“ Berlin zu machen, vielleicht nicht die schlechteste Idee.

dsci2925_compressedJetzt kann man die „Mauerstraße“ hinaufspazieren, die ihren Namen allerdings nicht von der letzten, ab 1989 dann sinnlosen, Mauer erhielt, sondern von der „zweiten“ Mauer Berlins, der sog. „Akzisemauer“. Welche im 18. Jahrhundert eine Art Zollgrenze für Handelswaren darstellte, deren Besteuerung der Stadt Berlin zu Gute kam. Am Bethlehemskirchplatz finden wir eine Rohrinstallation, welche die Dimensionen der gleichnamigen barocken Kirche aufzeigt, welche 1943 bei einem Bombenangriff schwer beschädigt und später komplett abgetragen wurde. Sie diente einst der „Böhmischen Gemeinde“ als geistliches Zentrum.

Am „Museum für Kommunikation“ vorbei und über die bekannte „Leipziger Straße“ hinweg, kann man jetzt den „Zieten-/Wilhelmplatz“ umrunden und sich über den geradezu absurden Gegensatz zwischen den historischen Generalsstandbildern und der „brutalistischen“ Architektur der Tschechischen Botschaft wundern. Oder darüber nachgrübeln, was im nicht mehr vorhandenen „Hotel Kaiserhof“ so alles passiert ist.

dsci2968_compressedWer jetzt der Mauerstraße weiter folgt, passiert nicht nur das letzte Wohnhaus des Dramatikers Heinrich von Kleist sondern sichtet auch bald die alten „Blöcke“ der ehemaligen Deutsche-Bank-Zentrale. In Teile des lange unvermieteten Blocks I dieser Bundesimmobilie ist vor wenigen Monaten eine Filmproduktion eingezogen. Besser als Leerstand allemal.

Jetzt ist es nicht mehr weit bis zur Straße „Unter den Linden“, wo man an der Russischen Botschaft vorbei dann bald den Pariser Platz erreicht. Auf Höhe der damals noch nicht vorhandenen Botschaft wurde auf dem Boulevard übrigens einst ein Attentat auf Bismarck verübt. Die Geschichte habe ich aber an anderer Stelle schon erzählt.

dsci2981_compressedSomit findet sich der Stadtspaziergänger am Pariser Platz wieder, wo Botschaften, Touristen und Droschkenkutscher anzufinden sind. Gekrönt vom Brandenburger Tor als vielleicht beliebtestem Fotomotiv Berlins. Hier beende ich meinen voraussichtlich letzten Herbstspaziergang 2016. Das Wetter im November schaut derzeit auch mehr nach „Winter“ aus, wenn man mal ehrlich sein will. Wer aber auch jetzt noch die Friedrichstadt erkunden will, kann sich ja mal bei mir melden. Ich bin gerne mit interessierter Begleitung unterwegs, solange mir noch keine Eiszapfen von der Nase hängen.

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