Persönlichkeiten: Jakob von Keith

Liebe Freunde der Berlin-Brandenburger Stadtspaziergänge, wann immer ich mit Gästen oder als „einsamer Wanderer“ am Zietenplatz in der Berliner Friedrichstadt unterwegs bin, frage ich mich, wer hinter den dort platzierten Statuen steckt. Offensichtlich sind alle vier Männer Militärs gewesen, was dem aktuellen Zeitgeist und den Stadtverschönerungs-Idealen der Gegenwart widerspricht. Und dennoch habe ich genügend Respekt vor unseren Vorfahren um die Frage zu stellen: Was machte diese Herrschaften so einzigartig, dass man ihnen früher in Form dieser Standbilder die Ehre erwies ? Hier ein paar Zeilen zu einem interessanten Leben: James Keith (in Preußen: Jakob von Keith).

James Francis Edward Keith, dessen Statue an der Südwestecke des Zieten-Platzes steht, wurde 1696 in Peterhead, Schottland, geboren. Seine Familie sympathisierte mit den englandfeindlichen Jakobiten und so musste James nach der Niederschlagung des Jakobitenaufstandes von 1719 die britische Insel verlassen. Seine Familie wurde anschließend enteignet und somit wartete in der alten Heimat nichts anderes auf ihn als verbrannte Erde.

James Keith 1724
James Keith 1724

Auf dem „Kontinent“ angekommen, wanderte der heimatlose Kämpfer durch Frankreich, Italien und Spanien. Er suchte Anstellung als Soldat, die ihm aber wegen seiner protestantischen Konfession verwehrt wurde. Für die „allerkatholischsten“ Monarchen sollten nur ebensolche Offiziere und Unteroffiziere ins Feld ziehen. So musste Keith bis nach Russland ziehen, bevor er wieder eine feste Anstellung fand.

Diesem „Arbeitgeber“ dankte Keith dessen „Konfessionsblindheit“ mit gutem Dienst. In Schlachten gegen die Osmanen und die Schweden bewährte er sich und stieg an Rang auf, bis er schließlich 1740 sogar auf Anordnung der Zarin Anna Iwanowna Gouverneur der Ukraine wurde. Nachdem diese Gönnerin jedoch im selben Jahr verstarb, wendete sich das Glück für James Keith in Russland. Ein „Neues Management“ wollte neue Hüte haben und so beantragte der mittlerweile im Range eines Generals der Infanterie stehende Schotte schweren Herzens den Abschied aus russischem Dienst, der ihm 1747 gewährt wurde.

Zwar waren die ersten zwei „Schlesischen Kriege“ schon Geschichte, aber sie hatten der Armee Friedrichs des Zweiten, der noch nicht „der alte Fritz“ war (als solcher würde er später aus dem dritten, schlesischen Krieg zurückkehren) einen guten Ruf eingebracht, so dass James Keith um Dienst für den Hohenzollern bat. Er erhielt diesen und wurde praktisch umgehend zum Generalfeldmarschall ernannt. Friedrich mochte den welterfahrenen, etwas unkonventionellen Keith gern. Interessante Leute hatten beim neugierigen König immer gute Chancen.

Eine bekannte Anekdotensammlung über die Geschichte Brandenburg-Preußens (die von Friedrich Syben) will immerhin wissen, dass Keith als echter Freigeist dem König auch mal Paroli bot. Auf die Zuverlässigkeit der russischen Infanterie angesprochen, soll er sehr zum Verdruss Friedrichs folgendes geäußert haben:

Die Preußen sind die schulgerechtesten Soldaten in der Stunde der Wachtparade, von 10 bis 11 Uhr morgens, außer dieser Zeit aber wie andere Menschen.  Der Russe hingegen, einmal Soldat, ist nichts anderes mehr und ist es in jeder Stunde.
(Friedrich Syben, „Preußische Anekdoten“, reprint, Arani-Verlag, 2001)

Keith, etwa 1755
Keith, etwa 1755

Keith folgte dem König ab 1756 in den dritten schlesischen Krieg und bewährte sich auch hier als Kommandeur. In Sachsen und Böhmen führte er seine Truppen anständig und verteidigte später in fast hoffnungsloser Unterzahl das von Preußen besetzte Leipzig. Nach einigen Rückschlägen und gesundheitlichen Problemen wollte sich Keith 1758 ins Privatleben zurückziehen. Der Feldmarschall, der in „wilder Ehe“ mit der Bürgerlichen Eva Mertens zusammenlebte, hatte hier die Chance, sich aus dem Militärdienst endgültig zu verabschieden und den Lebensabend zu genießen.

Tragischerweise nutzte er diese Chance nicht, sondern schloss sich im Herbst 1758 wieder der kämpfenden Armee an. Dies ausgerechnet vor der Schlacht von Hochkirch, wo eine katastrophal schlecht angelegte Feld-Position zu einer vernichtenden Niederlage Preußens gegen die Österreicher führte. James Keith wurde dabei am 14. Oktober 1758 durch einen Kopftreffer getötet. Sein Leichnam wurde zunächst in der Gruft der alten Garnisonkirche zu Berlin beigesetzt. Seit 1949 befindet er sich im Sammelgrab der Garnisonkirche auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf.

Ihm zu Ehren wurde 1786 ein marmornes Standbild am Wilhelmplatz in Berlin aufgestellt, welches 1862 durch eine neue, optisch veränderte, Version in Bronze ersetzt wurde.  Nach Kriegswirren und Umgestaltung des Wilhelmplatzes findet sich seine Statue seit 2009, wie schon erwähnt, an der Südwestecke des Zietenplatzes wieder.  Eine Straße in Schöneberg ist ebenfalls nach ihm benannt. Diese Keithstraße wird sogar in Fontanes Roman „Effi Briest“ erwähnt.  Auch die Gedenksäule Prinz Heinrichs für die verdienten Militärs des Siebenjährigen Krieges in Rheinsberg trägt u. a. seinen Namen.

Die vier Statuen vom Zietenplatz:

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