der Invalidenfriedhof – vergänglicher Ruhm

Aller Ruhm der Welt ist vergänglich. Selten wird das einem Stadt-Ausflügler deutlicher, als wenn man Friedhöfe besucht, als wenn man hier einen langsamen, von Nachdenklichkeit geprägten „memento-mori“-Spaziergang absolviert. Die Reste des einstigen „Invalidenfriedhofes“ in Berlin-Mitte machen da keine Ausnahme:

Vor einigen Monaten war ich bereits auf einem der bekanntesten „Prominentenfriedhöfe“ Berlins für Sie unterwegs, wie Sie sich vielleicht erinnern mögen, liebe Leserinnen und Leser. Damals besuchte ich den Dorotheenstädtischen Friedhof gezielt und neugierig, wie ich nun mal so bin. Als Ausflugstip gab ich das an Sie, liebe Leser, weiter.

Über den ehemaligen „Invalidenfriedhof“ bin ich hingegen mehr oder minder zufällig „gestolpert“. Zwar hatte ich diesen auf meiner Spazier-„Liste“ schon länger vermerkt, aber erst als ich vor kurzem  in der Nähe zu tun hatte, machte ich mir auch mal die Freude, ihn zu besuchen. Ein von kaltem Nieselregen gezeichneter, windiger Tag war dabei vielleicht dem Orte angemessen. Meiner etwas zittrigen Hand an der Fotokamera wollte das Wetter aber weniger gefallen.

Wenn ich Ihnen jetzt die Geschichte dieses Ortes oder die Geschichte seiner bekanntesten „Einwohner“ erzählen wollte, würde dieser Beitrag viel zu lang werden und ich würde kaum damit fertig. Deshalb belasse ich es dabei, einige knappe Anmerkungen zu machen und Sie dazu einzuladen, doch dort einmal selbst vorbeizugehen und sich Ihr eigenes Bild zu machen, falls Sie es noch nicht getan haben.

img_4482_compressedDer Invalidenfriedhof wurde im Laufe der Zeit der Bestattungsort für die Top-Militärs ihrer Zeit. Dauerhaft oder auch nur zeitlich begrenzt beherbergte dieser Ort die sterblichen Überreste des „Roten Barons“, des Vaters des „Schlieffen-Planes“, des „Teufels Generals“ und eines „Freundes“ Friedrichs des Großen. Elitäre Gesellschaft.

Auffälligstes Grabmal ist natürlich der von Schinkel gestaltete Hochsarkophag für den in den Befreiungskriegen gefallenen General und Heeresreformer Gerhard von Scharnhorst. Der schlafende Löwe auf der Sarkophag-Decke ist kaum zu übersehen und außerdem von exquisiter Qualität. Kein Wunder, denn der bekannte Künstler Christian Daniel Rauch hatte den Entwurf gezeichnet. Für die Umsetzung des Bronzelöwen sollen übrigens Beutekanonen eingeschmolzen worden sein. img_4463_compressed

Über die Grabstätte des Jagdfliegers Ernst Udet bin ich beinahe zufällig „gestolpert“. Der Mann, den die NS-Mächtigen um Hermann Göring erst hochjubelten und zu ihrem Aushängeschild für die „neue“ Luftwaffe machten, der daran aber innerlich zerbrach und 1941 den Freitod wählte, wurde einst mit allen militärischen Ehren beigesetzt, um zu verstecken, dass er sich mit den Nazis überworfen hatte und ihrem Wahn nicht länger dienen konnte. Nicht ganz umsonst hat der Schriftsteller Carl Zuckmayer ihm in „des Teufels General“ ein literarisches Denkmal gesetzt. img_4447_compressed

Übrigens wurden 100 Jahre nach seinem Tode auf Wunsch der Familie auch die sterblichen Überreste des Hans Carl von Winterfeldt hierher überführt. Winterfeldt, ein enger, militärischer Mitarbeiter des „alten Fritzen“, bevor dieser begann, sich wirklich „alt“ zu fühlen, verstarb 1757, im Siebenjährigen Kriege, in Folge der Schlacht bei Moys. Er galt seinen Zeitgenossen als „Günstling“ Friedrichs, was seiner Beliebtheit nicht gerade förderlich war. Neider sind der Erfolgreichen „Belohnung“, damals wie heute. Immerhin war er sich als General für „echten“ Kampf an der Front nicht zu schade, denn er starb an den Folgen einer Schulterwunde, die ihm im Gefecht beigebracht worden war. Winterfeldt wird am Zietenplatz und im „kleinen“ Treppenhaus des Bodemuseums mit je einer Statue gewürdigt.
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Der eigentliche Invalidenfriedhof wurde in der Folge des Mauerbaus weitgehend abgetragen. Denn er lag unglücklicherweise wie einige andere „Gottesacker“ Berlins auch in unmittelbarer Nähe der zu errichtenden „Mauer“. Der sozialistische Abschottungswahn Ost-Berlins führte also auch hier dazu, dass einige kultur- und militärhistorisch wertvolle Denkmale unwiderbringlich geschleift wurden. Umso erfreulicher sind all die Gräber und Grab-Verzierungen, die erhalten geblieben sind und vom interessierten Stadtspaziergänger in aller gebotenen Nachdenklichkeit heute wieder besucht werden können.

Einzig der leider auch an diesem Ort in der Stadt praktizierte Vandalismus verdarb mir ein wenig den Rundgang. Über dem Scharnhorst – Grabmal z. Bsp. hing noch der Geruch von Lösungsmitteln. Offensichtlich hatten mal wieder außer Rand und Band geratene Jugendliche oder selbsterklärte „Antifas“  es für ratsam gehalten, dem „Militarismus“ einen „ordentlichen Denkzettel“ zu erteilen. Reste von roter und grüner Farbe waren jedenfalls auf diversen Grabplatten und Elementen des Grabschmuckes noch erkennbar. Bei einigen dieser Grabstätten handelt es sich immerhin auch um „Ehrengräber des Landes Berlin“, so dass hier immerhin recht zügig die Schmierereien entfernt werden. Schön ist diese Entweihung der Totenruhe aber dennoch nicht zu nennen.

In diesem Sinne, rate ich ein weiteres Mal dazu, sich selbst auf den Weg zu machen, um die durchaus interessanten Reste des ehemaligen Invalidenfriedhofs zu besuchen. Machen Sie sich doch ihr eigenes Bild !

Ihr Clemens Kurz

Adresse „Invalidenfriedhof“:

Scharnhorststraße 9
10115 Berlin

Serie „Friedhöfe in Berlin“:

 

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