Persönlichkeiten: Hans Carl von Winterfeldt

Oftmals gehen wir durch Straßen oder über Plätze, über deren Benennung wir wenig wissen. Wir passieren Büsten oder Standbilder, also Straßenschmuck,  deren Inspiration uns heute nicht mehr vertraut ist. Vor einiger Zeit brachte ich Ihnen bereits einen der Männer hinter den vier Statuen vom Zietenplatz näher.  Jakob von Keith. Heute nun der „Teil Zwei“ sozusagen, Hans Carl von Winterfeldt…

Winterfeldt-Statue am Berliner Zietenplatz
Winterfeldt-Statue am Berliner Zietenplatz

Am Berliner Zietenplatz stehen seit 2009 wieder vier Statuen. Sie verkörpern preußische Offiziere, die im sog. „Siebenjährigen Krieg“ gefochten haben. Das mag uns Menschen im 21. Jahrhundert nicht mehr viel sagen oder bedeuten, aber unseren Vorfahren war es doch wichtig genug, um diesen vier Männern im wahrsten Sinne des Wortes Denkmäler zu setzen. Und zum Straßenbild der verlängerten Mohrenstraße gehören sie eben auch wieder. Warum also nicht ein wenig in ihre Biographien hinabsteigen ?

Interessant an diesen „Big Four“ ist, dass sie zwar alle mindestens den Generalsrang innehatten, jedoch nur einer von ihnen den schon erwähnten, europäischen Konflikt überlebte. Und es war nicht der in diesem Artikel behandelte Hans Carl von Winterfeldt, so viel darf ich Ihnen schon einmal verraten, liebe Leserinnen und Leser. „Spoiler“ ? 🙂

So wie Jakob von Keith ein Weitgereister, ein stolzer Schotte, ein unabhängiger Geist und Musteroffizier war, so ist Winterfeldt in gewisser Weise der Gegenentwurf zu ihm. Winterfeldt war ein gebürtiger Pommer. Weiß heute noch jemand, was das bedeutete ? Pommern, ihre Leidensfähigkeit, ihre ganz eigene Mundart und ihre zumeist ärmliche Existenz zwischen Ostsee und „Scholle“ gibts heute nur noch in Geschichtsbüchern (sorry, liebe Vorpommern, aber ihr seid nur noch ein Schatten des echten Pommern, auch wenn Winterfeldts Geburtsort dort liegt). Glauben Sie es mir: ich bin selbst ein halber Pommer, da meine Mutter noch in „Hinterpommern“ geboren wurde.

img_4450_compressedNun, ärmlich lebte der 1707 in Vanselow zur Welt gekommene Hans Carl jedenfalls nicht. Sein Vater war Grundbesitzer mehrerer Landgüter, seine Mutter eine geborene „von Maltzahn“. Muss ich noch mehr sagen ? Er nahm schon als Teenager die übliche Laufbahn für junge Adlige ins Visier: er wurde Offizier. Um 1730 erregte der hochgewachsene, junge Mann die Aufmerksamkeit des Soldatenkönigs, der ihn nach Potsdam zu den „Langen Kerls“ versetzen ließ. Schon bald gehörte er zum persönlichen Stab des Monarchen, der ihn 1732 an die russische Zarin auslieh, damit er mithelfe, die dortigen Truppen zu reorganisieren.

In Russland lernte Winterfeldt seine Frau Julie kennen und lieben. Die Heirat erfolgte schnell. Nach seiner Rückkehr wurde auch der Kronprinz auf den Pommern aufmerksam. Eine ebenso glückliche, wie langfristig problematische Fügung. Denn Hans Carl von Winterfeldts unverbrüchliche, manchmal vielleicht gar zu unkritische Loyalität zum späteren „Großen Friedrich“ erregte schon früh den Neid erfahrenerer Offiziere und Adliger. War Winterfeldt also ein Opportunist oder einfach nur eine treue Seele ? Wir wissen immerhin, dass König Friedrich das Letztere annahm. Ein dementsprechendes Zitat ziert nämlich Winterfeldts Grabstätte auf dem Invalidenfriedhof in Berlin.

Die diversen, militärischen Leistungen und folgenden Beförderungen Winterfeldts aufzuzählen, würde diesen Beitrag unnötig trocken machen und verlängern. Es sei daher nur erwähnt, dass er im Auftrage des seit 1740 regierenden Königs Friedrich im Januar 1756 nach England entsandt wurde, um die sog. „Konvention von Westminster“ auszuhandeln. Zur Erinnerung: England wollte so Frankreich in Europa beschäftigen, während es sich selbst Nordamerika unter den Nagel riss. (Viel Spaß später mit der Boston Tea Party, Leute !) Immerhin hatte Winterfeldt so erneut eine diplomatische Aufgabe im Ausland gelöst. Und das trotz der Tatsache, dass ihm sein Mangel an Allgemeinbildung, speziell in der Beherrschung des Französischen, nur allzu bewusst war.

Grabmal Winterfeldts auf dem Invalidenfriedhof
Grabmal Winterfeldts auf dem Invalidenfriedhof

Sein königlicher Gönner erwies sich immerhin als ebenso großzügig wie dankbar und beförderte Winterfeldt in der Folge zum Generalleutnant, womit er auch gleich noch den „schwarzen Adlerorden“ verband. Im Verlaufe des Siebenjährigen Krieges verstarb Winterfeldt dann am 08. September 1757 in der Folge einer beim Gefecht von Moys erlittenen Schulterwunde. Neid und Missgunst blieben ihm jedoch noch nach dem Tode verbunden, da etwa Friedrichs Bruder, Prinz Heinrich von Preußen, Winterfeldt die große Vertrautheit mit dem Monarchen neidete. In seinen persönlichen Memoiren beschimpfte Heinrich den Verstorbenen nach Herzenslust. Auch auf der von Heinrich in Rheinsberg errichteten Säule für die herausragenden Männer des Siebenjährigen Krieges fand sich kein Platz für Winterfeldt. Ebensowenig wie für König Friedrich übrigens. Für mich stellt sich da die Frage, wer mehr Charakter hatte: der Gescholtene, der sich wirklich ins Gefecht begab und dies nicht überlebte, oder Prinz Heinrich, der zwar ebenfalls Truppen befehligte, aber den Kugelregen mied, so sehr er nur konnte, nur um nachträglich über Winterfeldt herzuziehen. Manchmal überleben nicht unbedingt die Besten…

1857 jedenfalls wurde der Sarkophag Winterfeldts von Familienangehörigen aus Barschau in Niederschlesien, wo der Generalleutnant seit 1750 Ländereien besessen hatte, nach Berlin überführt. Für uns Heutige ist das ein Glücksfall, denn der Ort Barschau bei Lüben wurde in den späten 70er Jahren des 20. Jahrhunderts geflutet, um in dem so entstandenen See Industrie-Abfälle des „Lubiner“ (so heißt Lüben heute) Kupferbergbaus zu versenken. Eine Umweltsünde und eklige Geschichte gleichzeitig.

Fazit: Winterfeldt hat eine hervorragende diplomatische und militärische Karriere aufzuweisen. Darüber hinaus ist wenig über ihn bekannt. Er hinterließ keine direkten Nachkommen, sein Ruf wurde von Männern wie „Papa Zieten“ und Prinz Heinrich posthum  durch den Schmutz gezogen. Dennoch errichtete man ihm, vermutlich auch auf Betreiben des „alten Fritzen“, schon 1777 ein Denkmal am Wilhelmplatz. Dieses wurde 1862 durch ein neues Bronzestandbild ersetzt, dessen Kopie wir, wie erwähnt, seit 2009 wieder am Zietenplatz sehen können. Kann uns dieser (Vor-)Pommer, der sich immerhin seiner eigenen Bildungslücken nur zu bewusst war, heute noch etwas sagen ?

P.S.: Nachdem ich diesen Beitrag online gestellt hatte, kam mir noch ein Gedanke. Es gibt den Spruch: „Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich hart erarbeiten.“ Ob das wohl auf Hans Carl von Winterfeldt zutrifft ?

Statuen vom Zietenplatz.

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