HSeg: Detail über Schinkel

Carl-Friedrich Schinkel ist sicher allen Berlinern, Brandenburgern und Berlin-Brandenburg-Besuchern ein Begriff. Der Architekt, Stadtplaner, Vater der Denkmalpflege, Maler und Industrie-Designer war offensichtlich ein Multitalent. Vielleicht sollte man darüber nachdenken, ihm ein weiteres Attribut zuzuordnen…

Schinkel2Denn, hätten Sie es gewusst: Schinkel war auch in einer Grauzone unterwegs, als er sich 1826 auf Bildungsreise ins Ausland begab. Hier ein paar Denkanstöße:

  • Schinkel bereiste 1826 Frankreich, England und Schottland.
  • Sein Reisepartner dabei war der Ministerialbeamte Peter Beuth,
  • der Mann, dem Preußen maßgeblich den Übergang vom reinen Agrar- und Manufaktur-Staat zum Industrieland verdankt.
  • Schinkel machte detaillierte Aufzeichnungen dieser Reise, die heute noch erhalten sind.
  • Aus diesen geht hervor, dass Schinkel, der sich im Auftrage des Monarchen um die Modernisierung der Museumslandschaft Preußens kümmern sollte, in England und Schottland jedoch mehr mit Beuth in Sachen „Technologie-Transfer“ unterwegs war.

Sogar „wikipedia“ schreibt dazu folgendes im Beitrag über Beuth:

Import von Kenntnissen

Der Transfer technologischer Neuheiten aus den fortgeschrittenen Volkswirtschaften Englands und Westeuropas nach Preußen war ein besonderer Programmpunkt in Beuths vielfältigen Tätigkeiten. Er warb ausländische Experten an und er finanzierte die Informationsreisen eigener Ingenieure und Techniker, die im Ausland modernste Maschinen und die Organisation der erfolgreichen Betriebe studierten. Manche dieser Aktivitäten gerieten zumindest in die Nähe dessen, was man heute Industriespionage nennt. Aufschlussreich für den Charakter solcher Exkursionen sind die Tagebuchaufzeichnungen, die Schinkel während der Reise von 1826 in England gemacht hatte. Er selbst sollte im Auftrag des Königs vor allem neue Museumsbauten studieren, war aber auch lebhaft an allen technischen Neuerungen interessiert und begleitete Beuth bei dessen Erkundungen. Beide besichtigten beinahe täglich Fabriken und technische Anlagen unterschiedlichster Art. Beuth kaufte auf und schickte in die Heimat, was ihm für die Entwicklung Preußens nützlich erschien – Maschinen oder Konstruktionszeichnungen, Saatgut und neue Nutztierzüchtungen. Ausfuhrverbote für bestimmte Maschinen wurden dadurch umgangen, dass man sie über Zwischenadressen nach Berlin dirigierte, wo sie dann zerlegt, nachgebaut und womöglich verbessert wurden. Wenn man das Gewünschte nicht kaufen konnte, versuchten Schinkel und Beuth technische Details wenigstens nachzuzeichnen. Mehrmals notierte Schinkel aber auch Sätze wie: „Die Maschine ist verdeckt und wird nicht gezeigt“.

Grabstätte Beuth
Grabstätte Beuth

Ich plädiere also dafür, Schinkel auch als „Industriespion“ im „Auftrage seiner Majestät“ zu bezeichnen. 00Schinkel musste dabei jedoch auf sein Zeichentalent zurückgreifen, da es mit der Fotografie noch nicht soweit war. Von „Minikameras“ oder Abhöranlagen ganz zu schweigen. Beuth und Schinkel also als Spionage-Duo. Kein Wunder, dass sie am Berliner Schinkelplatz (siehe Beitragsbild) als Standbilder weiterhin nebeneinander stehen. Und selbst im Tode konnten sich diese zwei Preußen nicht voneinander trennen, denn beide liegen relativ nahe zu einander auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin begraben.

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