der alte Garnisonfriedhof – Begegnungen in Ruhe

Der alte Garnisonfriedhof in Berlin-Mitte ? Ja, der existiert noch obwohl die dazugehörige alte Garnisonkirche es nicht mehr tut. Wie der Name schon andeutet, finden sich hier die Grabmäler von Stadtkommandanten, Offizieren und deren Angetrauten. Ein Besuch lohnt vielleicht weniger wegen besonders ausgefallenem Grabschmuck, sondern vielmehr wegen der Namen, denen man begegnet. Sie regen zum Versenken in „alte Zeiten“ an. 

dsci2539_compressedDer alte Garnisonfriedhof gehört zu den ältesten „Gottesackern“ Berlins. Seine Anfänge lassen sich auf das frühe, 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Und der Name ? Na, klar, er ist der Tatsache geschuldet, dass in Berlin seit dem 17. Jahrhundert Truppen stationiert waren. Diese „Garnison“ benötigte, da sie letztlich außerhalb der Jurisdiktion der Stadtverwaltung stand, eine eigene „Kommandantur“ und auch eine eigene, geistliche Betreuung. Inklusive Kirche und Friedhof. Beides entstand so zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Die alte Garnisonkirche stand etwa im Bereich des „Litfaß-Platzes“ auf dem Gelände des heutigen, sog. „Hackeschen Quartiers“ in Mitte und wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, später abgerissen.

Der Garnisonfriedhof überstand die Kriegswirren und Bomben. Er wurde offiziell 1951 geschlossen, obwohl auf privaten Grabstellen noch bis 1961 Beerdigungen vorgenommen werden konnten. Danach wurde das Gelände dem Magistrat von Berlin überantwortet. Die üblichen Querelen um Schließungen und Abrisse begannen. Letztlich räumte man viele, auch in gutem Zustand befindliche Grabmäler ab, behielt das Gelände aber als öffentlichen Park, der in Nachwendezeiten der Obhut des Grünflächenamtes von Berlin-Mitte übergeben wurde, in der er sich noch heute befindet.

Ich selbst schlenderte an einem kalten Wintertag über das Gelände. Wie immer auf der Suche nach vertrauten Namen. Eine Suche, die nicht erfolglos bleiben sollte. So stieß ich etwa auf den Gedenkstein für Friedrich von Minutoli, der zehn Jahre lang Erzieher des Prinzen Carl von Preußen war. Dieser Adlige mit Wurzeln bis nach Italien hat das Interesse Carls am Altertum und dessen Liebe zum Mediterranen Raum geweckt. Indirekt verdanken wir ihm also das Landhaus Klein-Glienicke, welches sich Prinz Carl als „italienisches“ Anwesen an die Havel bauen ließ. Dort versammelte der Hohenzoller auch die antiken Trümmer, die er im Laufe des Lebens zusammenkaufte oder kaufen ließ.

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Grabstätte von dem Knesebeck

Wer zwischen alten Grabkreuzen herumschlendert, was an diesem Tag auffällig viele Zeitgenossen taten, entdeckt irgendwann auch Namen wie den des Generalfeldmarschalls Karl Friedrich von dem Knesebeck. Dieser Heerführer der Befreiungskriege, welcher in einem heutigen Ortsteil von Neuruppin geboren wurde, fand hier ebenso seine letzte Ruhe, wie seine Gattin. Bis heute ist ihr Grabfeld eine Ehrengrabstätte des Landes Berlin.

Den vielleicht bekanntesten Namen trägt der Stein des Barons Friedrich de la Motte Fouqué. Dieser herausragende Schriftsteller der deutschen Romantik, Zeitgenosse Kleists und Autor etwa der „Undine“, war auch Soldat und Offizier in den Befreiungskriegen. Ansonsten wäre seine Beisetzung auf einem Soldatenfriedhof auch kaum zu erklären. Immerhin wurde er im Range eines Majors aus dem Dienst entlassen, als Napoleon geschlagen war. Offen gestanden hatte ich mit dieser Begegnung nicht gerechnet, da ich mir im Voraus keine Übersicht über die noch vorhandenen Grabmäler durchgelesen hatte. Überraschung hat ja auch etwas für sich.

Grabstätte Lützow
Grabstätte Lützow

Und so staunte ich auch nicht schlecht, als ich auf die eingezäunte Grabstätte des „wilden, verwegenen Jägers“, des Ludwig Adolf Wilhelm Freiherrn von Lützow, stolperte. Dieser Freikorps-Kommandeur aus den Befreiungskämpfen gegen Napoleon und seine „schwarzen Scharen“ waren zu unser Vorväter Zeiten geradezu sprichwörtlich. Zumindest aber legendär.  Auch wenn sie, wie selbst konservative Historiker offen bemerkten, militärisch vielleicht weniger wichtig waren, so hatte die mediale Aufmerksamkeit, die sie durch Gedichte, Zeitungsartikel etc. erhielten, durchaus aufrüttelnde Wirkung. Aber das ist eine lange, andere Geschichte. Stellen wir zu Lützow also vor allem fest, dass die Uniformen seiner Reiterei, schwarzer Rock-goldene Knöpfe-rote Verzierungen, heute die Farben der Bundesrepublik Deutschland abgeben. Nicht zufällig. (Ja, ich kenne die Theorie, nach der diese Farben einem alten, kaiserlichen Wappenschild entstammen und aus dem Mittelalter herrühren sollen. Sorry, zu weit hergeholt, diesem Gedanken ist nur schwer zu folgen. Ich bleibe, wie die Mehrzahl aller Publizisten und Historiker, Anhänger der „Lützow-Theorie“. 🙂 )

Eine Anmerkung: Nein, ich predige hier keinen Personenkult um die Kämpfer der Befreiungskriege. Mir ist durchaus bewusst, dass etwa ein Freiherr von Lützow, der zuerst mit dem Schillschen und dann dem eigenen Freikorps unterwegs war, in den gedanklichen Parametern vieler, heutiger Historiker wohl ein „Kriegsverbrecher“ wäre. Ich merke nur an, dass unsere Vorfahren das anders sahen und dass selbst heute noch ab und an Kerzen und Blumen auf dessen Grab hinterlassen werden. Die Legende des „wilden, verwegenen Jägers“ lebt also noch.

Auch ein Förderverein kümmert sich übrigens darum, den Friedhof „lebendig“ zu halten (ironisch, nicht wahr ?):
https://www.garnisonfriedhofberlin.de

So verließ ich den alten Garnisonfriedhof also wieder nachdenklich aber angeregt zur Recherche über diverse Verstorbene. Wer selbst einmal einen kleinen Rundgang dort unternehmen will, dem empfehle ich die Anfahrt über den U-Bahnhof „Rosenthaler Platz“. 🙂

Öffnungszeiten:

durchgehend

Adresse:

Kleine Rosenthaler Straße 3
10119 Berlin

Serie „Friedhöfe in Berlin“:

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