Persönlichkeiten: Kurt Christoph, Graf von Schwerin

Vier Standbilder schmücken den Zietenplatz in der Berliner Friedrichstadt. Sie alle bilden Militärs ab, die „dem alten Fritzen“ gedient haben. Soweit, so bekannt. Aber wer verbirgt sich z. Bsp. hinter der vielleicht lebendigsten Plastik mit dem  Namen „Kurt Christoph, Graf von Schwerin“ ? Finden wir es an dieser Stelle einmal heraus:

kurt_christoph_graf_von_schwerinKurt Christoph, Graf von Schwerin hat mit einem seiner „Nachbarn“ am Zietenplatz, Jakob von Keith, etwas gemeinsam: er konnte bereits auf eine langjährige, erfolgreiche Militär-Karriere zurückblicken, als er 1720 „bei den Preußen“ anheuerte. Dieser Weg war ihm dabei keineswegs „in die Wiege“ gelegt worden, denn als gebürtiger Vorpommer standen seine Ländereien einst unter der Herrschaft Schwedens. (Erstaunlich, da das namensgebende „Schwerin“ eben bis heute mecklenburgisch ist). Sein Onkel Detlof von Schwerin hingegen stand im Dienste der Niederlande, als Kurt Christoph, dritter Sohn seiner Eltern, geradezu automatisch im Jahre 1697 in den Militärdienst geschickt wurde. Wie es bei den jüngeren Erben von Adelsfamilien damals so üblich war, weil nur der älteste Sohn die Ländereien erhielt.

Sein Onkel nahm den talentierten Jungen in seine Obhut und ermöglichte ihm sowohl den Militärdienst, als auch Studien an der Universität von Leyden. Ersteres gefiel Kurt Christoph aber besser und so wählte er seinen weiteren Lebensweg selbst. Überspringen wir mal die verschiedenen Dienste und Beförderungen durch die Niederlande und Schweden. Als Vorpommerns Süden 1720 zu Preußen geriet, war auch Kurt Christoph bereit, unter den schwarzen Adler zu treten.

Als Regimentskommandeur zeichnete sich Schwerin durch Effizienz und einen rationalen Führungsstil aus, der den Methoden des Drillmeisters Leopold von Anhalt Dessau nicht ganz entsprach. Seine Soldaten dankten Schwerin den Verzicht auf unnötige Brutalität jedoch immer mit ausgezeichneter Haltung, auch im Gefecht. In jedem Falle diente Schwerin selbst so zuverlässig und effektiv, dass er Auszeichnungen und Beförderungen zu Hauf erhielt. 1740 wurde er schließlich zum Generalfeldmarschall ernannt und in den Grafenstand erhoben.

Sein vielleicht bekanntester Moment ist der aus der Schlacht von Mollwitz 1741, während der er den noch jungen und unerfahrenen König Friedrich II. vom Kampfplatz entfernen lässt, damit die Truppe eine Sorge weniger habe. Übrigens eine Aktion, die der ruhmsüchtige Friedrich dem „Kavalier“ unter den Generalen nie so recht verzieh.

Aus besagtem Gefecht ist übrigens auch eine Anekdote bekannt. Nachdem er den jungen, nervösen König aus angeblicher Angst vor dessen „Gefangennahme durch den Feind“ vom Schauplatz entfernt hatte, soll er den preußischen Grenadieren folgendes Angebot gemacht haben:

Ihr werdet mich immer voran sehen, und solltet Ihr wahrnehmen, daß ich davon laufe, so gebe ich Euch hiermit öffentlich die Freiheit, ein Gleiches zu tun.
(Friedrich Syben, „Preußische Anekdoten“)

Heute nennt man so etwas glaube ich neudeutsch „leading by example“. Ist aber offensichtlich ein alter Hut…mit drei Spitzen.

Schwerin war aber, auch wenn sich das möglicherweise anders liest, kein Kriegstreiber ohne Sinn und Verstand. Er übersah sehr wohl die politische Situation Europas zu dieser Zeit und warnte zum Beispiel vor dem Dritten, Schlesischen Krieg, den er, so wörtlich, für „eine Tollheit“ hielt. Vor allem, da die Zahl der Feinde für ein erfolgreiches Bestehen Preußens zu groß erschien.

dsci0241_compressedWarum ist Schwerins Standbild die lebendigste der vier Statuen vom Zietenplatz ? Was macht sie einzigartig ? Im Gegensatz zu den drei anderen Generälen steht Schwerin nicht lässig oder entspannt herum, sondern schreitet mit hoch erhobener Fahne voran. Das Schwert in der Rechten, noch gesenkt. Das spielt natürlich auf den Tod Schwerins in der Schlacht von Prag am 06. Mai 1757 an. Sein unter schweren Druck geratenes und in Auflösung befindliches Regiment will er um sich sammeln und ergreift die Fahne des 2. Bataillons. „Heran, meine Kinder heran !“ ruft er und wird in  diesem Moment von mehreren Kugeln getroffen.

Eine vielleicht allzu schöne und zuckersüße Preußen-Legende, wer weiß. Zumal der Graf von Schwerin vom Pferderücken geschossen wurde. Soviel ist historisch verbürgt. Die Statue stellt also keinen authentischen, historischen Moment dar, sondern will nur den Geist des Moments einfangen. Kurt Christoph, Graf von Schwerin wurde übrigens in Sarnow, südlich von Anklam in Vorpommern beerdigt.

Das bronzene Standbild Schwerins am Zietenplatz, welches sowohl Ruhe als auch Entschlossenheit verkörpert, ist mir persönlich vielleicht das liebste der Viere. Es wurde 1862 in der Nähe aufgestellt und stammt aus der Werkstatt des Bildhauers August Kiß, von dem u. a. auch der Heilige Georg im Nikolaiviertel ist. 2009 kam es nach einer kleinen Irrfahrt wieder hierher. Eben an den Zietenplatz, ganz in die Nähe seines einstigen Aufstell-Ortes.

Quellen:

  1. „wikipedia“,
  2. „Friedrich Syben: Preußische Anekdoten, Nachdruck im Arani-Verlag, Berlin, 2001“ und
  3. „Karl August Varnhagen von Ense: Leben des Feldmarschalls Grafen von Schwerin, Berlin 1841“

Fotos:

  1. „Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2033874“, Abbildung Graf von Schwerin,
  2. alle weiteren Fotos stammen von mir. Aus den Jahren 2015 und 2016. Eine Weiterverwendung ist NACH ABSPRACHE MIT MIR möglich. Ich bin großzügig mit der Freigabe, möchte aber wissen, WER meine Bilder WO einsetzt und behalte mir die Rechte bis zur ausdrücklichen Erteilung der Erlaubnis vor !

Hier die anderen Folgen der Serie: „die vier Statuen vom Zietenplatz“

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