verschollene Orte: die Denkmalskirche am Berliner Dom

Der Berliner Dom ist neben einem Gotteshaus vor allem auch die „Grablege der Hohenzollern“. Es mag der Domgemeinde heute ein wenig unbehaglich deshalb sein, aber diese weiß sehr wohl, dass sie von der Gruft des Fürstenhauses als Sehenwürdigkeit und touristischem Ziel sehr wohl profitiert. Ich habe es selbst im Jahr 2016 erlebt. Der Abriss der Denkmalskirche durch die DDR im Jahre 1975 riss vor diesem Hintergrund betrachtet eine schmerzliche Lücke, die aber von (fast) Jedermann achselzuckend hingenommen wird.

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Berliner Dom MIT Denkmalskirche ca. 1930

Machen wir uns nichts vor, der Berliner Dom war ein Politikum von dem Moment an, wo sein Neubau geplant wurde. Als Grablege des Hauses Hohenzollern in der Berliner Stadtmitte musste er unweigerlich  in die verworrenen Zeitläufte hineingeraten und bewegt sich bis heute darin. So wurde vor nicht allzulanger Zeit der Vorschlag gemacht, die Denkmalskirche wieder aufzubauen. Deren Fundamente sind wohl noch immer vorhanden, einige Bruchstücke des gesprengten Gebäudes liegen  in Ahrensfelde und werden dort malerisch von Grünpflanzen überwuchert. Hier ein Video-Beitrag aus dem Archiv des RBB dazu.

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Nordfront des Berliner Domes OHNE Denkmalskirche. 2016

Natürlich wird es in absehbarer Zeit nicht zu einem Wiederaufbau kommen, wenn auch der „Berliner Dombau Verein“ in diese Richtung immer mal wieder argumentiert. Der politische Zeitgeist (der sich seiner Definition gemäß aber immer mal wieder ändern kann, oder wo kämen denn sonst der Potsdamer Landtag und das Humboldtforum her ?) würde es derzeit nicht zulassen. Die enge Verbindung dieses Anbaus an den Berliner Dom mit dem Haus Hohenzollern und der weitgehend negativ rezipierte Begriff „Preußen“, der damit wieder ins Gespräch geriete, verhindern dies auf mittlere und lange Sicht. Was mich aber nicht daran hindert mal zu schauen, wie dieser „verschollene Ort“ denn aussah und was er aussagte.

204Die Denkmalskirche war ein Ort der Repräsentation. Hier ruhten seit der Eröffnung des Domes am 27. Februar 1905 die vielleicht schönsten Sarkophage der Hohenzollern-Gruft in einem repräsentativen Rahmen. Der Prunksarkophag des „Großen Kurfürsten“ Friedrich-Wilhelm und der seines Sohnes Friedrich I. (König „in“ Preußen) waren hier zu finden. Sogar der „Eiserne Kanzler Bismarck“ durfte die Ruhenden hier bewachen. Als Marmorsitzbild natürlich nur, von dem seit der Sprengung 1975 ausschließlich der Kopf erhalten ist. Dieser findet sich bis heute auf einem Podest in der Hohenzollerngruft unter dem Dom. Ich sah ihn selbst dort im Jahre 2016.

Der Berliner Dombauverein (s. link oben) schreibt zur Denkmalskirche das Folgende. Ich hätte es nicht besser machen können, deshalb erlaube ich mir, zu zitieren:

Die Denkmalskirche des Berliner Domes war
ein relativ großer, eingeschossiger Bau mit
einer flachen Kuppel mit Oberlicht, der wie
eine übergroße Apsis auf der Nordseite aus
dem Bau hervorragte. Sie war ein Teil des
Gebäudeensembles Berliner Dom mit der
großen Predigtkirche im Zentrum, um das
sich in zwei Achsen die weiteren Bauten
gruppieren. In einer Ost-West-Achse folgen
aufeinander die breitgelagerte Säulenhalle
am Lustgarten, der Zentralraum in der Mitte
und im Osten zur Spree der besonders reich
ausgestattete Chor. Die Predigtkirche im
Zentrum ist nach außen kenntlich gemacht
durch die alles überragende Kuppel über ei-
nem hohen Tambour.

Das zeigen alte Fotos von vor 1945. Das Innere wird so beschrieben:

Im Inneren waren an einem zentralen Raum
unter einer ovalen, flachen Kuppel, die auf
einem breiten zum Tambour erweiterten Ar-
chitravkranz über raumhohen Säulen ruhte,
fünf Konchen angeordnet, fünf Kapellen,
gleichsam kleinere Zentralräume.

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Predigtkirche des Berliner Doms, Innenraum, links unten unter der Orgelempore die Nischen für die Sarkophage des Großen Kurfürsten und seiner Frau Dorothea

Wie man also sehen kann, sehr aufwändig und zielgerichtet angelegt. Der Domarchitekt Carl-Julius Raschdorff hat hier vielleicht eine seiner schönsten, für begrenzten Raum gedachten, Arbeiten überhaupt abgeliefert. Allein schon deshalb ist es eben bedauerlich, dass dieses Kleinod  uns Zeitgenossen heute nicht mehr für die Betrachtung zur Verfügung steht. Die Sarkophage des „Großen Kurfürsten“ und seines Sohnes, des „schiefen Fritzen“ sind heute längst in die Predigtkirche umgezogen. Die Bismarck-Sitzplastik ist, wie schon erwähnt, enthauptet und der gerettete Kopf in der Hohenzollerngruft, schlecht ausgeleuchet und an den Rand gedrängt, heute fast nur noch Makulatur. Immerhin gibt es Hoffnung für die Fürstengruft, die in den kommenden Jahren überarbeitet und ihre thematische Zugänglichkeit für die Besucher verbessert werden soll.

Die Denkmalskirche ruht aber sanft in Ahrensfelde. Vermutlich auf absehbare Zeit…

Fotos:

  • verwaltet vom „Berliner Dombau Verein“, der an einer Verbreitung der Bilder vom Inneren und Äußeren der Denkmalskirche sehr interessiert ist ! Bei Nutzung informieren Sie bitte den DBV und verlinken zu ihm (siehe link im Text oben).
  • von mir, Geknipst 2016. Wie immer liegen alle diesbezüglichen Rechte bei mir, die ich aber gerne freigebe, wenn man mir vermittelt, wie und wo das Foto verwendet werden soll und ich diese Nutzung befürworte. Einfach Kontakt aufnehmen…

Quellen:

  1. wikipedia,
  2. DBV-Zeitung Nr. 10, Berliner Dombau Verein,
  3. „die Geschichte des Berliner Doms“, Dr. Peter Goralczyk, Rüdiger Hoth, Berliner Dombau Verein
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