Persönlichkeiten: Daniel Chodowiecki – der Illustrator

Berlin war einst eine schöne Stadt. Planvoll ausgebaut, sinnvoll verschönert, lange noch etwas „schmuddelig“, bis man schließlich ab 1873 die Kanalisation einführte, aber dennoch auch ein bischen „Spree-Athen“ und Musen-Metropole. Das war vielen Künstlern, Schauspielern,  Architekten, Mäzenen, Sammlern, Schriftstellern etc. zu verdanken. Einer von ihnen war Daniel Chodowiecki. Der „Illustrator“.

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In unmittelbarer Nähe zum Berliner Gendarmenmarkt wohnte Chodowiecki.

Muss ich es eigentlich noch betonen ? Ja, die meisten, großen Berliner stammen eigentlich gar nicht aus Berlin sondern aus Breslau oder Posen. Tucholskys dahingehende Bemerkung darf man auch getrost auf Danzig ausdehnen, denn dort wurde Daniel Nikolaus Chodowiecki 1726 geboren. Wie es uns sein Nachname andeutet, hatte er polnische Wurzeln, aber auch schweizerisch-hugenottische, mütterlicherseits. Dass er später eine Hugenottin heiratet und somit der französischen Gemeinde Berlins nahesteht, hat also eine Vorgeschichte.

Aber mal ein bischen zurück in der Biographie. Daniels Vater war Getreidegroßhändler in Danzig. Ebenso wie es sein Sohn später tun wird, hielt er viel auf seine möglicherweise adlige Abkunft. Es hätte sein können, dass der kleine Daniel beruflich in dessen Fußstapfen tritt. Nachdem sein Vater, Gottfried Chodowiecki, aber bereits im Jahre 1740 starb trat er nämlich eine kaufmännische Lehre an. Glauben Sie mir, wenn ich das sage: ich selbst habe einen kaufmännischen Abschluss, es ist nicht Schlechteste, womit man seinen Lebensweg als Erwachsener beginnen kann. 1743 jedenfalls kam Daniel Chodowiecki nach Berlin, wo er im Geschäft eines Onkels mütterlicherseits Antoine Ayrer arbeitete.

Die von diesem vertriebenen „Haushaltswaren“ umfassten damals wohl auch die populären Tabaksdosen, so dass Onkel Antoine seinem Neffen das Email-Malen beibringen ließ, womit viele Tabatieren verziert wurden. Ab 1754 machten sich Daniel und sein Bruder dann sogar als Miniaturmaler selbständig. Gleichzeitig lernte der aufmerksame Künstler auch beim Akademie-Mitglied, dem Maler Bernhard Rode. Vor allem die Kunst der Radierung. 1755 heiratete Chodowiecki dann die Tochter des holländisch-hugenottischen Seidenstickers Jean Barez, Johanna Marie. Das Paar sollte 9 Kinder bekommen. Respekt.

"Chodowiecki auf der Jannowitzbrücke" ein posthumes Gemälde von Menzel
„Chodowiecki auf der Jannowitzbrücke“ ein posthumes Gemälde von Menzel

Als Kupferstecher und Illustrator für diverse Druckwerke, wie Kalender, Almanache etc. machte Daniel sich bald einen Namen. Im Laufe seiner Karriere sollte er ebenso die Werke diverser Schriftsteller seiner Zeit illustrieren. Goethe, Schiller, Lessing sowie die Übersetzungen von Cervantes bekamen von ihm etwas mehr „Bildlichkeit“ verliehen. Johann Wolfgang von Goethe selbst hat sich mehrfach positiv zu Chodowiecki als Künstler und zu und dessen Illustrationen geäußert. Viele seiner Zeichnungen befassen sich aber auch mit der bürgerlichen Lebenswelt des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Heute ein unschätzbare Quelle für Lokal- und Kunsthistoriker.  Chodowiecki war zu dieser auch Zeit in der Lage, sich eine „Werkstatt“ anzulegen, ähnlich wie wir sie später u. a. bei den Architekten Gilly oder bei Schinkel finden. In dieser Werkstatt brauchte er die Arbeit von Angestellten nur noch zu leiten und zu beaufsichtigen. Mindestens 2.300 hinterlassene Zeichnungen von Chodowiecki erklären sich u. a. auch dadurch, dass er sie nich alle persönlich anfertigte, sondern nur andere Maler, Radierer und Kupferstecher dazu anleitete.

1764 wurde Chodowiecki in die Akademie der Künste zu Berlin aufgenommen, die zu diesem Zeitpunkt, u. a. dank der Verachtung Friedrichs des Großen für alle nichtfranzösische Literatur und Kunst, ein wenig in der Bedeutungslosigkeit herumruderte. Daniel Chodowiecki und sein Mentor Bernhard Rode werden sich dafür einsetzen, dass sich an diesem Zustand etwas ändert.

„Academie ist ein Wort, das eine Versammlung von Künstlern bedeutet, die an einem ihnen angewiesenen Ort, zu gewissen Zeiten zusammen kommen, um sich mit einander über ihre Kunst freundschaftlich zu besprechen, sich ihre Versuche, Einsichten und Erfahrungen mitteilen, einer von dem andern zu lernen, sich mit einander der Vollkommenheit zu nähern suchen.“
Chodowiecki

Kein Wunder, dass die Salon-Kultur in dieser Zeit ebenfalls blühte und gedieh ! Aber das ist ein anderes Thema. In jedem Falle arbeitete Chodowiecki hart am Renommee der Akademie. Von 1797 – 1801 leitete er sie sogar.

Chodowiecki und Familie
Chodowiecki und Familie

Am 07. Februar 1801 verstarb Daniel Chodowiecki in Berlin. Der Mann, der Zeit seines Lebens ähnlich wie der „Große König“ besser Französisch als Deutsch sprach (und nebenbei bemerkt kaum ein Wort Polnisch konnte) wurde auf dem Friedhof der Französisch-Reformierten Gemeinde zu Berlin beigesetzt. Seine Grabstätte ist noch heute eine Ehrengrabstätte des Berliner Senats. Im Stadtteil Prenzlauer Berg ist eine Straße nach ihm benannt.

Im Nachwirken muss man Chodowiecki als Künstler erkennen, der ebenso wie später Menzel und andere, am „Friedrichsmythos“ mitgestrickt haben. Auf „perspectivia.net“ schreibt Rainer Michaelis dazu:

Chodowieckis kleinformatige Darstellungen des Königs waren keine Auftragsarbeiten des preußischen Hofes, von diesem aber grundsätzlich wohlwollend toleriert. Sie schildern den „ersten Diener seines Staates“ als bescheiden, furchtlos und humorvoll, und doch als einen Monarchen, der wie seine Untertanen einen mühevollen Alltag zu bewältigen habe. Chodowieckis weit verbreitete Radierungen prägen bis heute das populäre Bild vom „Alten Fritz“, das vor allem nach dem Tod Friedrichs des Großen im Jahre 1786 durch die vom Künstler illustrierte Anekdotenliteratur noch begünstigt wurde.

Sein ausgeprägtes Preußentum, das sich darin äußerte, dass er z. Bsp. keinerlei böse Worte über die jeweiligen Monarchen in seiner Gegenwart duldete, wurde von einer Liebe zur Heimat seiner Familie, Polen, ergänzt und durch die Hingabe an das von der französischen Sprache geprägte Hugenottentum begleitet. Im vornationalen Zeitalter war dies noch möglich. Oder, wie es später andere polnische Preußen oftmals sinngemäß äußern würden: „Preuße zu werden, war einfach, aber ein Deutscher sein kann ich niemals.“ Chodowiecki mag ein Beispiel dafür sein.

Bildmaterial:

Quellen:

  • wikipedia,
  • goethezeitportal.de
  • diegeschichteberlins.de
  • deutscheundpolen.de
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