Persönlichkeiten: Horst Buchholz – „Hotte“

Es gibt Schauspieler, die prägen ihre Zeit, auch ohne einen „Oscar“, eine „Lola“ o. ä. gewonnen zu haben. Gesichter, die sich dem Zuschauer einprägen, deren Werk ihr Leben überdauert. Nicht nur für Berliner ist Horst Buchholz, genannt „Hotte“, solch ein Schauspieler. Eine kurze Betrachtung:

Meine Mutter war in gewisser Hinsicht ein Kind der Nachkriegszeit. Sie liebte die Musik und das Kino dieser Zeit. Ihre Jugendjahre halt. Prägend, wie bei uns allen. Und wenn mal die Sprache auf Horst Buchholz kam, dann konnte sie noch ganze Dialoge aus den „Halbstarken“ aufsagen. Zumindest erinnere ich mich so daran. Nach spätestens 5 Sekunden war auch der Spitzname „Hotte“ gefallen. Nur, ob ihr sein Film „eins, zwei, drei“ so recht gefallen hat, weiß ich nicht mehr. Ich denke, dafür war ihr das Thema „Kalter Krieg“ zu ernst, als dass sie, die „Zwangsberlinerin“ aus Hinterpommern, darüber so recht lachen konnte.

Soweit mein erster Eindruck dieses Horst Buchholz. Ein ganz persönlicher. Später habe ich selbst die Wiederentdeckung von „eins, zwei, drei“ miterlebt und Buchholz späte Karriere in TV und Kino noch mitverfolgen können. Ich fand (und finde heute noch), dass „Hotte“ immer etwas gebrochen wirkte. Immer wie ein hübsches Gesicht, dessen Besitzer weiß, dass er eigentlich mehr kann, mehr zeigen will, als das, was von ihm abverlangt wurde. Ein Mann, ein „kreativer Kessel“ unter Druck. Echte Filmkenner mögen mich da gerne korrigieren, es ist ja nur eine subjektive Betrachtung meinerseits. Wer also war Horst Buchholz ?

220px-horstbuchholzGeboren am 04. Dezember 1933 in Berlin-Neukölln. Ausnahmsweise mal ein Berliner, der tatsächlich von hier kommt. Da bin ich ja fein raus und muss nicht umständlich erklären, warum er gerade in seiner Heimatstadt so geliebt wurde. Sein Erfolg als Künstler war ihm aber wirklich nicht in die Wiege gelegt. Als unehelich geborenes Kind muss seine Mutter ihn sofort in eine Pflegefamilie geben, aus der sie ihn erst zurückholen kann, als sie 1938 Hugo Buchholz heiratet. Jetzt erhält der kleine Horst seinen endgültigen Nachnamen. MIT FÜNF ! (An dieser Stelle seufze ich kurz und schüttele den Kopf. Tun sie es mir nach, wenn Sie mögen…) Die Familie wohnt zu dieser Zeit im Bezirk Prenzlauer Berg. Während des Zweiten Weltkrieges wird Horst auf eine „Landverschickung“ nach Schlesien gesandt. Erst 1946 gelingt es ihm, sich aus dem nun unter polnischer Verwaltung stehenden Gebiet zurück nach Berlin durchzuschlagen. Was sehen wir hier ? Horst war schon früh gezwungen, erwachsen zu werden. Auf eigenen Füßen zu stehen. Hat ihm das dabei geholfen, sich im unbarmherzigen Filmgeschäft durchzusetzen ?

In Berlin nimmt „Hotte“, wie ihn seine 1941 geborene Halbschwester Heidi nennt, seinen Schulbesuch wieder auf, beginnt mit ersten Komparsenrollen am Theater und arbeitet bereits als Synchronsprecher. Um sich endgültig der Schauspielerei zu widmen, bricht Horst Buchholz 1950 die Schule ab und beginnt, professionellen Unterricht in der Darstell-Kunst zu nehmen. Er schlägt sich, unabhängig wie er ist, mit diversen Jobs durch, um den Unterricht zu finanzieren.

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Ab jetzt könnte ich die diversen Filme aufzählen, in denen Buchholz als Neben- oder Hauptdarsteller auftritt. 1955 gewinnt er den Preis für den besten Schauspieler bei den Filmfestspielen in Cannes für den Film „Himmel ohne Sterne“, der die deutsche Teilung thematisiert. Ironischerweise gelingt ihm aber in Deutschland der Durchbruch erst ein Jahr später mit den „Halbstarken“, einem Drama um rebellische und kriminelle Jugendliche. In Zeiten von James Dean aus den USA sicherlich ein verständlicher Erfolg, da das Thema „Jugend ohne Ziel“ damals offensichtlich relevant war.

1958 heiratet Horst Buchholz die französische Schauspielerin Myriam Bru. Das Paar hat zwei Kinder, Christopher und Beatrice. Buchholz wird langsam aber sicher auch international wahrgenommen. Seine Fähigkeit, Sprachen schnell zu lernen, half ihm dabei, in diversen Ländern arbeiten zu können. Es heißt, er habe mindestens sechs Sprachen fließend gesprochen. Zwei seiner bemerkenswertesten Filme dreht er in den USA. In „die glorreichen Sieben“ (1960, Regisseur John Sturges), einem Western – Remake von Akira Kurosawas „sieben Samurai“ und der schon erwähnten Kalten-Kriegs-Komödie „eins, zwei, drei“ von Billy Wilder (1961), kann er erproben, wie es sich mit ordentlichem Budget arbeitet.

Letzterer Film hätte ein Riesenerfolg zu seiner Zeit werden können, wenn nicht Walther Ulbricht andere Pläne gehabt hätte. Der Mauerbau in Berlin ab dem 13. August 1961 verbietet im West-Teil der Stadt und in der restlichen Freien Welt das Lachen über Coca-Cola-Kapitalisten und tanzende Sowjet-Bonzen von alleine. Der Film floppte an den Kinokassen und der in der Rolle als korrumpierter Jungkommunist großartig aufspielende Buchholz wird um großes, weltweites Renommee gebracht. Erst Jahre später wird dieses Kleinod des satirischen und blitzschnellen Humors wiederentdeckt und dementsprechend gewürdigt.

vitaebella_buchholzBuchholz letzte, große internationale Filmrolle wird er in der 1997 erschienenen, italienischen Tragikomödie „la vita e bella“ spielen. Wie (in meinen Augen leider) so oft als Deutscher im Ausland, einen Nazi-Offizier.  Der Film, eine Betrachtung der Unmenschlichkeit des Holocaust im Gegensatz zur Macht der Phantasie als (Selbst-) Schutz, gewann international so ziemlich alle Preise, die es zu vergeben gibt. Nicht ganz grundlos. Die Szene von der Oscar-Verleihung, bei der Regisseur und Hauptdarsteller Roberto Benigni 1999 vor Freude über den Gewinn des Preises für den „besten, ausländischen Film“ über Stühle und Zuschauer hinwegsteigt, ist sicher vielen Menschen noch immer in Erinnerung.

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Grabstätte Horst Buchholz.

Buchholz arbeitet auch immer erfolgreich im Theater und im deutschen TV. Als „conferencier“ im Musical „Cabaret“ kann er dabei ab 1979 im Theater des Westens bestechen. Horst Werner Buchholz stirbt am 03. März 2003 in Berlin an einer Lungenentzündung. Er ist auf dem Waldfriedhof Heerstraße im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf beigesetzt. Seine Grabstätte ist ein Ehrengrab des Landes Berlin. 2014 erhält sein ehemaliges Wohnhaus in der Sodtkestraße 11, im Prenzlauer Berg, eine Ehrentafel der Stadt Berlin.

Nebenbei bemerkt: meine Mutter hat „Hottes“ Tod nicht mehr erlebt. Sie, die nur wenige Jahre jünger war als der Schauspieler, verstarb früher als er. Was hätte sie wohl zu seinem Lebenswerk gesagt ?

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